Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 449 (sequence 13)
- Language
- German
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Wahl der Missionsschule ist vielmehr die Aussicht, nach Absolvierung einer sol- A A€k eben Schule eine Stellung in einem Regierungsbüro, bei der Post, in einem Laden oder in einem privaten Büro zu erhalten, Stellungen, für die Sprachkenntnisse erforderlich sind. Zwar sind die durch den Unterricht in der Missionsschule vermittelten Sprachkenntnisse in der Regel recht dürftig und die in Aussicht stehenden Posten meist sebr bescheiden und ohne Entwicklungsmöglichkeiten, aber solche Lebensziele entsprachen dem levantinischen Ideal vieler Sepharden und bestimmen den Gang der Erziehung. Wenn auch nicht alle nicht-jüdischen Schulen aktiv missionieren und auch die eigentlichen Missionsschulen ihre missionierende Tendenz vor allem auf diejenigen Schüler richten, die sie ohne Bezahlung im Internat aufnehmen, darf die Gefahr nicht unterschätzt werden, der die Zöglinge dieser Schulen dadurch ausgesetzt sind, daß sie gleichzeitig in einem jüdischen und einem nicht-jüdischen Milieu leben. Sie geraten auf diese Weise häufig in einen inneren Gegensatz zum Elternhaus und erstreben eine andere Lebensform, ein »Leben in der großen Welt«, für das sie natürlich nicht genügend vorbereitet werden. Aus der daraus resultierenden Spannung ergibt sich eine Gefährdung der Jugendlichen, und es ist kein Zufall, daß wir unter den jugendlichen Delinquenten und Verwahrlosten einen besonders hohen Prozentsatz von Schülern aus Missionsschulen finden. Ein anderes Charakteristikum der sephardischen Edah ist ihre Einstellung zum Cheder. Wir haben bereits oben darauf hingewiesen, daß die Sepharden keine intensive Beziehung zur religiösen Bildung zu haben scheinen. Pädagogisch kommt das darin zum Ausdruck, daß sie zwar ihre Knaben im Vorschulalter in den Cheder schicken, sie allenfalls bis zum achten Jahr dort lernen lassen, ohne diesem Unterricht besondere Bedeutung beizumessen, sie aber spätestens im Alter von acht Jahren in hebräische Volksschulen oder in Missionsschulen einordnen. Der Anteil der sephardischen Knaben im Alter von 7 bis zu 13 Jahren am Schultypus des Cheder ist daher stark unterdurchschnittlich. 6. Marokkaner: Das Schema ihrer Anteile an den verschiedenen Schultypen entspricht ungefähr dem der Sepharden, mit einem Unterschied: die Knaben sind weniger als die der Sepharden in Missionsschulen und in überdurchschnittlichem Maße im Cheder zu finden (auf die besonderen Fragen dieser Edah, die mehr als alle anderen orientalischen Edoth sozial verfallen und der Gefahr der Verwahrlosung ausgesetzt ist, werden wir später zurückkommen). 7. Andere Edoth: Das Zahlenmaterial der übrigen Edoth reicht nicht aus, Schlußfolgerungen zu ziehen, weshalb wir hier nicht auf sie eingehen. Die dritte Frage, die wir uns gestellt hatten, war die Frage, cb und in welcher Weise die Einwanderung den Schulbesuch beeinflußt. Die Antwort ist durch einen Vergleich der allgemeinen Statistik mit den entsprechenden Zahlen für etwa 700 Eil - wandererkinder, das heißt für Kinder im Alter von über vier Jahren, deren Familien im Verlaufe der letzten fünf Jahre nach Palästina gekommen sind, zu finden. Aus einem solchen Vergleich ergibt sich, daß die Mädchen aus Einwandererfamilien in allen Altersgruppen, vor allem in der ersten und in der dritten, in geringerem Maß in Schulen erfaßt sind, während die Knaben fast nur in der ersten Gruppe, also im Vorschulalter schlechter erfaßt sind. Allerdings werden viele Knaben aus diesen Familien nicht in Schulen, sondern in den Cheder geschickt. Zieht man diese Zahl ab, so ergibt sich auch für die Knaben der Einwandererfamilien eine schlechtere Erfaßtheit in Schulen. Ganz besonders vernachlässigt sind in kurdischen Einwandererfamilien die Mädchen (und die Knaben in der ersten und in der dritten Altersgruppe). Sie werden meist gar nicht mehr in Schulen eingeordnet, wenn sie bei der Einwanderung über das erste Schülalter hinaus sind. Die Frage könnte, wenn Material aus Tel Aviv und aus Haifa zur Verfügung siünde, genauer beantwortet werden, weil in diesen Städten mehr Einwandererkinder, z. B. unter Jemeniten und unter Sepharden zu finden sind. Aber auch das beschränkte Material läßt gewisse Schlußfolgerungen zu, vor allem die, daß wir die pädagogische