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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 448

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
Date
1937-08-01
Page
Seite 448 (sequence 12)
Language
German
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keit eines solchen »Lernens« einzusehen; die höhere Form der Talmud-Thora gibt es bei ihnen nicht, und sie haben auch nicht genügend Initiative sie zu schaffen. Ein kurdischer »Melamed« übt den Lehrberuf gewöhnlich nur neben seinem eigentlichen Beruf (Handwerk, Markthandel usw.) aus, und vernachlässigt seine Zöglinge, wenn seine anderen Geschäfte einträglicher sind. Linter solchen Umständen ist es verständlich, daß die Eltern ihre Kinder wenn möglich nicht in den Cheder, sondern in die Volksschule schicken. — Aus dem Gesagten folgt, daß eine Vermehrung der pädagogischen Fürsorge gerade für die Kurden besonders wichtig und aussichtsreich ist. 2. Jemeniten: Wir haben bereits oben auf ihre Verbundenheit mit jüdischer Tradition und Kultur hingewiesen. Es ist verständlich, daß wir die jüngeren jemenitisdhen Knaben mehr im Cheder als im Kindergarten finden. Atierdings ist für gewöhnlich die Lernmethode auch in den jemenitischen Chedarim sehr primitiv, so daß der Wert ihres »Lernens« begrenzt ist. Die Mädchen, vor allem die älteren, werden sehr vernachlässigt. Andererseits' sind1 der Wille und die Fähigkeit der Jemeniten zu lernen bekannt. Auch bei ihnen hemmt die wirtschaftliche Notlage der Eltern die geistige Entwicklung der Kinder. ^3. Bucharen: Der Wunsch zu lernen ist bei den Bucharen sehr intensiv, obwdhl ihr Auffassungsvermögen durch eine etwas schwerfällige Natur gehemmt ist. Sie werden daher audh in der Schule gelassen, wenn andere Kinder in gleicher La,ge schon längst herausgenommen wären, und wir finden unter den älteren Jugendlichen der Edah einen überdurchschnittlichen Prozentsatz von Lernenden (Mädchen noch mehr als Knaben). Vielleicht läßt sich diese Tatsache durch die bessere wirtschaftliche Situation vieler bucharischer Familien und durch ihre Vergangenheit erklären: haben doch die meisten dieser Jugendlichen, die wir erfassen konnten, noch die pädagogischen Konsequenzen der russischen Revolution erfahren; der Einfluß der intensiven Erziehungspolitik Sowjetrußlands auf die Mentalität der Generation, die die Revolution erlebt hat, darf nicht unterschätzt wenden. — Die »geistliche Bildung« hat bei den Bucharen bereits gewisse »weltliche« Modifikationen erfahren. Allerdings ist der Wert dieser Bildungsanstalten auch bei ihnen begrenzt. Der Prozentsatz der in Volksschulen erfaßten Kinder ist etwas überdurchschnittlich, der Prozentsatz aller Erfaßten leicht unterdurchschnittlich. 4. Perser: Ihre Knaben sind in unterdurchschnittlichem Maße erfaßt, ihre Mäddhen in überdurchschnittlichem, vor allem in Volksschulen. Besondere Charakteristika konnten nicht festgestellt werden. 5. Sepharden: Von allen untersuchten Edoth haben sie die größte Zahl schulerfaßter Kinder, vor allem sind ihre Mäddhen in Kindergärten und Schulen in überdürchschnittlicher Zahl erfaßt, wenigstens bis zum 13. Jahr. Es ist, worauf wir bereits oben hingewiesen haben, bekannt, daß die Sepharden besonders großen Wert auf den Sprachunterricht legen, weshalb sie von den jüdischen Schulen die Alliance-Schule und die Evel'yne de Rothschild School vorziehen. Groß i'st aber auch die Zahl der sephardischen Kinder (Mädchen mehr als Knaben), die in Missionsschulen 'geschickt werden. Man kann ohne Übertreibung sagen, daß die Mehrzahl aller jüdischen Kinder, die in Missionsschulen lernen (zirka 5'%) aus der sephardischen und aus der marokkanischen Edah stammen. (Interessant ist in diesem Zusammenhang eine Feststellung, die wir machen konnten: die wenigen Fälle, die wir finden konnten, in denen aschkenasische Kinder eine Missionsschule besuchen, sind Fälle von Kindern, die auts einer Mischehe zwischen einem Aschkenasen und einer Sephardin stammen.) Es scheint, als ob der von den Eltern oft angegebene Grund, daß sie ihre Kinder in die Missionsschulen schickten, weil das Schulgeld und die laufenden Ausgaben dort geringer seien als in den jüdischen Schulen, von sekundärer Bedeutung ist. Denn erstens haben auch die Missionsschulen im Laufe der letzten Jahre immer mehr das Prinzip des Schulgeldes eingeführt 5, und zweitens stammen die Kinder keineswegs immer aus unbemittelten Familien. Ausschlaggebend für die 5 Kinder, die kein Schulgeld zahlen oder eine Ermäßigung erhalten, werden in vielen Fällen gezwungen, als Äquivalent für die Ermäßigung Reinigungsarbeiten zu leisten. Es braucht nicht erst betont zu werden, wie schädlich sich eine solche Maßnahme, durch die eine Scheidung zwischen den Kindern nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten vorgenommen wird, pädagogisch und psychologisch auswirken muß.

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