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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 447

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
Date
1937-08-01
Page
Seite 447 (sequence 11)
Language
German
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in Jerusalem ungefähr entspricht. Die Zahlen, die wir geben, beziehen sich auf ungefähr 4000 orientalische Kinder im Alter über vier Jahre (etwas mehr Knaben als Mädchen). Die erste Frage, die wir zu beantworten haben, ist: wieviel Kinder im Alter von 4 bis zu 6 Jahren, wieviele Kinder im Alter von 7 bis zu 13 Jahren, wieviel ältere Kinder sind in den ihren Altersstufen entsprechenden Schulen erfaßt, und wie ist das Verhältnis von Knaben und Mädchen in den verschiedenen Schultypen? Die zweite Frage lautet: welche Differenzen weisen die verschiedenen Edoth auf, sowohl was die Zahl ihrer in Schulen erfaßten Kindern, als auch was ihre Vorliebe für bestimmte Schultypen betrifft? Die dritte Frage: wie wirkt sich die Einwanderung auf den Schulbesuch der Kinder aus? Die vierte Frage: in welchem Alter wird die Schule durchschnittlich beendet, wie hoch liegt das durchschnittlich erreichte Bildungsniveau, wie groß ist die Zahl der Analphabeten, welche Differenzen weisen die Edoth auf, und wie wirkt sich hier die Einwanderung aus? 51% der 4 bis 6jährigen Knaben und 37% der 4 bis 6jährigen Mädchen sind erfaßt. Der Prozentsatz der Knaben ist jedoch nur scheinbar höher als der der Mädchen. Denn wenn wir diejenigen abziehen, die in einem mehr oder weniger primitiven Cheder »lernen«, so ergibt sich, daß in Kindergärten und Schulen nur 21% der Knaben dieser Altersstufe, dagegen 34% der Mädchen erfaßt sind. Und vom pädagogischen Standpunkt sind nur Schulen und Kindergärtennicht aber die primitiven orientalischen Chedarim von Belang. In der Gruppe der 7 bis 13jährigen sind 84% der Knaben und 67% der Mädchen erfaßt. Wenn auch die religösen Schulen für die Kinder dieser Altersstufe (Chedarim und Talmud-Thora-Schulen, also Schulen mit gemischtem weltlichen und religösen Lernprogramm, die nicht dem jüdischen Erziehungsdepartement unterstehen) größeren pädagogischen Wert haben als die Lernstätten für die kleinen Kinder, kann man doch sagen, daß die Mädchen auch in dieser Altersstufe besser als die Knaben erfaßt sind: in Schulen lernen 46% der Knaben und 64% der Mädchen. Bei den über 13 Jahren alten, von denen natürlich nur noch eine geringe Zahl Schulen besuchen, finden wir 12% der Knaben in Schulen und Jeschiwcth und 13% der Mädchen in Schulen erfaßt. Zusammenfassend können wir sagen, daß die Knaben etwas mehr als die Mädchen, wenn wir jedoch die religiösen Sdhulen abziehen, weniger als die Mädchen in Schulen erfaßt sind. Wir können folgende Differenzen in der Einstellung einzelner Edoth (Kurden, Jemeniten, Budharen, Perser, Sepharden und Marokkaner) zum Unterricht und zu den verschiedenen Schultypen feststellen: 1. Kurden: Sie haben die geringste Zahl von sdhulerfaßten Kindern, vor allem werden die Mädchen pädagogisch vernachlässigt. Dagegen können wir feststellen, daß, wenn und soweit ihre Kinder lernen, Kindergarten und hebräische Volksschule die bevorzugten Schultypen sind. Obwohl sie sich des erzieherischen Wertes dieser Anstalten nicht klar bewußt sind, akzeptieren sie bereitwillig die BildungsmöglicTikeiten, die das moderne Palästina bietet — freilich nur soweit, wie es ihnen ihre wirtschaftliche Situation erlaubt. Und sie sind, gerade weil ihr Bewußtsein noch nicht die Stufe der klaren Erkenntnis erreicht hat, ebenso schnell dabei, ihre Kinder, vor allem die Mädchen, aus der Schule zu entfernen, sobald ihr Budget eine Belastung mit »Kulturabgaben« ihrer Ansicht nach nidht mehr verträgt, wie sie bereit waren, ihre Kinder in Schulen und Kindergärten einzuordnen. Diese auf den ersten Blick paradox anmutende Tatsache läßt sich leicht erklären: die Kurden haben im Vergleich zu anderen Edoth geringere Möglichkeit, ihren Kindern eine religiöse »geistliche« Bildung zuteil werden zu lassen, ihr Cheder steht auf einer so niedrigen Stufe, daß es nicht schwer fällt, die Sinnlosig-

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