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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 446

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
Date
1937-08-01
Page
Seite 446 (sequence 10)
Language
German
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der Volksschule. Nur für den Beruf der BürcangesteUten ist eine ausreichende Schulbildung erforderlich. Zusammenfassend können wir sagen, daß von allen im berufsfähigen Alter stehenden Jugendlichen nur 30% der Knaben und nur 6% der Mädchen einen Beruf gelernt haben und als Beruf ausüben, daß sich, von den höherentwickelten Sepharden abgesehen, die Berufsstruktur der untersuchten Jugendlichen nur selten über die der Vätergeneration hinaus entwickelt, daß noch am häufigsten ein Übergang zum Handwerker- oder Angestelltenberuf festzustellen ist, daß aber oft ein bereits erreichter Fortschritt durch die wirtschaftliche Notlage wieder rückgängig gemacht wird. Für eine wirklich fachmännische Vorbereitung auf spezialisierte handwerkliche Funktionen ist noch so gut wie nichts getan. Zur Vorbereitung auf den Beruf gehört bereits die Schule, gehört bereits die im VorsChulalter beginnende Gewöhnung an ein geregeltes Arbeiten und Lernen in einer geregelten Arbeits- und Lerngemeinschaft. Generationen hindurch haben die orientalischen Juden ohne Anteil an den zivilisatorischen und kulturellen Eroberungen und Fortschritten der nichtjüdischen Welt in ihrer »jüdischen Isoliertheit« gelebt. Was die aus Europa kommenden Juden nach Palästina mitbrachten, mußte den Orientalen fremd sein. Man forderte und fordert von ihnen gleichsam einen Sprung über Generationen — und man wundert sich, wenn sie diese Forderung nicht erfüllen können. Der einzige Weg, ihnen zu helfen, ist der Weg, der von der systematischen Erziehung der Kinder zur allmählichen Assimilation der Eltern fuhrt. Aber die erste Voraussetzung für das Gelingen eines solchen sozialpädagogischen Werkes ist das Gesetz, das die Eltern zwingt, ihre Kinder in die Schule zu schicken. Ein solches Gesetz existiert in Palästina noch nicht, aus politischen und vor allem aus wirtschaftlichen Gründen; denn allgemeine Schulpflicht verpflichtet nicht nur die Eltern, sondern auch den Gesetzgeber: er muß die Eltern von der Pflicht entbinden, für den Unterricht zu zahlen, wenn er sie zwingen will, die Kinder in die Schule zu schicken. Der palästinensische Gesetzgeber ist (noch weit davon entfernt, diese Pflicht auf sich zu nehmen, ja er beteiligt sich an dem Budget der Volksschulen mit einer so geringen Summe, daß die Eltern einen unverhältnismäßig großen Anteil zu tragen haben. Da jedoch, wie wir gesehen haben, die meisten orientalischen Juden mit einem minimalen Budget leben, sind sie nur selten in der Lage, den Forderungen, die die Schule an sie steHt, zu genügen. Die Folge davon ist, daß das Budget der Schulen notleidet, daß Klassen nicht in ausreichender Zahl eingerichtet werden können, daß die vorhandenen Klassen überfüllt sind (in den Jerusalemer Schulen, in denen vor allem die Kinder der armen Orientalen lernen, ist eine Klasse mit 50 bis 60 Schülern keine Seltenheit). Die Folge davon ist, daß der Unterricht an Intensität verliert, daß auf jedes Kind nur ein völlig unzureichendes Maß pädagogischer Fürsorge entfällt, daß die Kinder daher »schlecht lernen« und zurückbleiben. Die schwierige wirtschafdiche Lage der Familie, die Enge der Wohnverhältnisse, der Zwang im Haushalt mitzuarbeiten oder Gelegenheitsarbeiten zu verridhten, um zum Unterhalt der Familie beizusteuern, all diese Faktoren machen den Kindern ein konzentriertes Lernen, eine Vorbereitung der Schulaufgaben unmöglich. Und das Resultat ist, daß die Eltern, die nur den dürftigen Effekt, nicht aber die Ursachen des Effekts in Betracht ziehen, das Kind vorzeitig aus der Schule nehmen. Wir können die traurigen Folgen dieser Konstellation durch die Statistik klar aufzeigen. Wiederum müssen wir uns auf Jerusalemer Material stützen; aber es ist anzunehmen, daß der Zustand der orientalischen Kinder in den anderen Städten dem

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