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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 445

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
Date
1937-08-01
Page
Seite 445 (sequence 9)
Language
German
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Wiederum können wir typische Unterschiede zwischen den Edofb feststellen: bei den Kurden ist die Zahl der Berufslosen, der ungelernten Arbeiter und der Handwerker, die zum Beruf des Arbeiters übergehen, am größten. An zweiter Stelle stehen die Perser und die Bucharen. Die Jugendlichen der bucharischen Edah zeigen eine eigentümliche Entwicklung: während wir für alle Berufe und für alle Edoth eine ziemlich exakte Korrelation zwischen erreichter Bildungsstufe und beruflicher Funktion feststellen können, finden wir bucharische Jugendliche im Arbeiterberuf selbst dann, wenn sie gründlichen Schulunterricht genossen haben. Vielleicht ist es erlaubt, aus dieser Tatsache auf den Einfluß der bolschewistischen Ideologie, in der viele dieser Jugendlichen erzogen worden sind, zu schließen. So kommt es, daß die Berufsstruktur der jungen Generation der Bucharen in krassem Gegensatz zu der Struktur ihrer Väter steht: bei denen, wie wir erwähnt haben, der Händlerberuf besonders betont ist, während ihr Anteil an der Gruppe der Arbeiter unter dem Durchschnitt liegt. Angestellte finden wir vor allem bei den jungen Sepharden, in zweiter Linie bei Persern und Marokkanern. Die Erziehung der Sepharden ist eine Vorbereitung vor allem auf den Beruf des Laden- und Büroangestellten, sie betonen den Sprachunterricht und sdhicken ihre Kinder, wie wir sehen werden, aus diesem Grunde häufig in Missionsschulen. Handwerker finden wir besonders zahlreich unter Jemeniten, in zweiter Linie unter Marokkanern, Persern und Sepharden (bei den Persern die meisten primitiven Handwerker, bei den Sepharden die meisten differenzierten). Die Zahl der Berufslosen ist nicht nur wie oben erwähnt bei den kurdischen, sondern auch bei den marokkanischen Jugendlichen überdurchschnittlich — wie wir sehen werden, ist gerade bei den Marokkanern auch die Zahl der Verwahrlosten erschreckend groß. Ihre geringe Erfassung in Berufen ist einer — allerdings nur einer — der Gründe für diese Verwahrlosung. Die Mädchen sind viel weniger in Berufen erfaßt als die Knaben. Von etwa 500 Mädlchen sind ungefähr 40% arbeits- und berufslos zu Hause, 40% arbeiten als Hausgehilfen, 14% lernen schneidern (Putzmachen oder ähnliches), 5% sind als Büro- oder Ladenangestellte tätig und 1% als Kindergärtnerinnen oder ähnliches. Bei den meisten sephardischen und buch arischen Juden gilt es als unschicklich, daß Mädchen arbeiten. Sie sollen sich vielmehr auf die Ehe vorbereiten und werden aus diesem Grunde zu Hause gehalten oder lernen allenfalls schneidern, um sich auf diese Weise die Möglichkeit eines Verdienstes, vor allem aber Kenntnisse zu verschaffen, die sie lür sich selbst verwenden können. Nur in seltenen Fällen wird das erlernte Handwerk beruflich ausgenutzt. Und verschwindend klein ist die Zahl der Mädchen, die ein anderes Handwerk, etwa das der Friseuse erlernen und ausüben. Eigentlich sind also nur die wenigen Angestellten und Kindergärtnerinnen als berufstätig zu betrachten. Die meisten von ihnen sind Sephardinnen, die eine Missionsschule beendet haben. Der 'hohe Prozentsatz von Mädchen aus allen Edoth, vor allem aus der kurdischen and aus der jemenitischen Edah, die als Hausmädchen arbeiten, ist ein Beweis dafür, daß die Mädchen beruflich weder geschult, noch eingeordnet werden. Denn diese Arbeit, die der des ungelernten Arbeiters bei den männlichen Jugendlichen entspricht, ist ein Notberuf, den das Mädchen ergreift, wenn und solange es darauf angewiesen ist, Geld zu verdienen. Andererseits finden wir bei den Mädchen keine feste Korrelation zwischen erreichter Bildungsstufe und Arbeit: wir finden Schneiderinnen ebenso unter Analphabeten wie unter Mädchen, die die Schule beendet haben, und Haussrbeiterinnen werden nicht nur diejenigen, die eine mittelmäßige oder keine Schulbildung genossen haben, sondern auch, wenn auch in geringerer Zahl, Absolventen

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