Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 443 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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kurdischen Handwerker gehören alle zu den primitiven oder zu denen, die bei einem Handwerker eine Hilfsfunktion als Angestellte verrichten. An dritter Stele stehen die Händlerberufe (17%). Während die europäischen Juden in dieser Berufsgruppe (zu der Straßenhändler, Markthändler, Ladenbesitzer, Kaufleute, Unternehmer gezählt werden) in weit größerer Zahl zu finden sind, sind unter d e n Orientalen, die wir besonders stark in der Berufsgruppe der Arbeiter finden, die wenigsten Händler: der Anteil der Kurden beträgt 6%, der Anteil der Jemeniten 9%; überdurchschnittlich ist die Zahl der persischen und der bucharischen Händler (28% und ^6%). Angestellte sind nur in geringer Zahl vorhanden (3%). Am wenigsten bei den Kurden (1%); bei den Jemeniten ist der Beruf des Schamasch in ähnlicher Weise verbreitet wie bei ihren Frauen der der Osereth. Die Zahl derer, die vom »Lernen« in einer Jeschiwah leben, ist bei den orientalischen Edoth gering (4%), am geringsten bei den Sepharden (2%), die überhaupt keine intensive Beziehung zur »geistlichen« Bildung zu haben scheinen, und bei den Jemeniten, die zwar sehr intensiv mit jüdischer Tradition, Literatur und Religion verbünden sind, bei denen aber das »Lernen« kein bezahlter Beruf ist (im Gegensatz zu den frommen Aschkenasen z. B. in der Altstadt Jerusalems). Die Zahl' der Berufslosen, das heißt von ihren Kindern unterhaltenen verwitweten Mütter oder alten, arbeitsunfähigen Väter beträgt 13%. Sehr viel geringer ist sie bei den Kurden (8'%), eine Tatsache, die in das Berufsbild dieser Edah, wie wir es bisher dargestellt haben, gut hineinpaßt. Stark überdurchschnittlich ist die Zalhl der Berufslosen bei den Sepharden (22%). Auch dies paßt gut zu dem »Sdhema der Berufsstruktur« dieser Edah, das vor allem durch eine gleichmäßige Verteilung zwischen den hauptsächlichen Berufsgruppen charakterisiert ist *. Die Übersicht über die Berufsstruktür, die wir hier versucht haben, muß unvollständig sein, weil wir uonis auf Jerusalemer Material beschränken. Nach dem aus Tel Aviv und Haifa vorliegenden Material zu urteilen, ist die berufliche Situation der orientalischen Juden dieser Städte ähnlich derjenigen, die wir in Jerusalem finden, mit dem Unterschied, daß der Akzent noch stärker auf der Gruppe der ungelernten Arbeiter liegt, und daß sich bei den einzelnen Edoth die Anteile an den Berufsgruppen etwas verschieben. Über die orientalischen Juden der ländlichen Siedlungen liegt aus neuerer Zeit kein Material vor, aus dem man Schlußfolgerungen ziehen könnte. Aber da wir hier von einem vor allem städtischen Problem sprechen, fällt dieser Mangel nicht allzu sehr ins Gewicht. Außerdem genügt das, war wir paradigmatisch dargestellt haben, unsere Ausgangs-these zu stützen: die Primitivität der orientalischen Juden, wie sie auch in der Nicht-Differenziertheit ihrer Berufsstruktur ersichtlich wird, versperrt ihnen den Weg zu einer Höherentwicklung, und die Diskrepanz zwischen ihrer sozialen, beruflichen und geistigen Lebensform und dem modernen Palästina, an dessen Entwicklung sie nicht oder nicht genügend teilnehmen, wird größer, je länger sie in ihrer Isolation bleiben. Sie können sich aus eigener Initiative nicht heraufarbeiten, und der entwickeltere Teil der Bevölkerung hat bisher noch nicht verstanden, daß er die Pflicht hat, die primitiven Elemente aus den Fesseln ihrer Primitivität zu lösen, die Menschen zu erziehen, die sich nicht selbst erziehen können, damit sie an einer gemeinsamen Volksexistenz teilnehmen können. Fragen wir uns, wie sich die berufliche und wirtschaftliche Starrheit der Orientalen auf die jüngere Generation auswirken muß, so ergibt sich die Antwort von selbst, die durch tägliche Beobachtung bestätigt werden kann: die beruflichen Mög- 4 Zur Erklärung des hohen Prozentsatzes von sephardischen Berufslosen muß jedoch noch eine andere Tatsache herangezogen werden; wir können nämlich sehen,, daß die Zahl der Witwen bei den Sepharden unverhältnismäßig hoch ist. Diese Tatsache wiederum läßt sich durch die Häufigkeit der von älteren Männern, vor allem Witwern geschlossenen Ehen erklären.