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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 442

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Die soziale und pädagogische Lage der orientalisch-jüdischen Jugend in Jerusalem
Date
1937-08-01
Page
Seite 442 (sequence 6)
Language
German
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durch die Öffentlichkeit geändert werden kann, weil die Familien selber weder geistig noch wirtschaftlich dazu imstande sind. Ein Zustand, der durch die Öffentlichkeit geändert werden m u ß, wenn wir eine gesunde Entwicklung unserer Gemeinschaft wollen. Wir haben am Anfang dieses Aufsatzes darauf hingewiesen, daß die wirtschaftliche Kapazität der orientalischen Juden gering ist, und daß sie aus diesem Grunde als Konsumenten nur in minimalem, ihrer Zahl keineswegs entsprechendem Maß in Betracht kommen. Ein monatliches Einkommen von 5 £P für eine siebenköpfige Familie ist keineswegs eine Ausnahme, es gibt viele Familien, die mit einem noch kleineren Budget auskommen, und mit 10 £P gilt die Familie bereits als wohlhabend. Die monatliche Wohnungsmiete schwankt zwischen 0,250 £P und — in Ausnahmefällen — 1,500 £P (je »nach Zimmerzahl und Wohnviertel). Die Bedürfnisse für Essen, Einrichtung und Kleidung sind gering 3. Zu diesen minimalen Bedürfnissen und Ausgaben stehen die Summen, die für die Erziehung der Kinder in Kindergärten, Schulen oder Berufsschulen gefordert werden, in keinem Verhältnis. Es kann daher nicht verwundern, daß die primitiven Eltern, die, wie wir betont haben, noch nicht dazu erzogen und noch nicht daran gewöhnt sind, Schulung und Wissen als wesentliche Faktoren der sozialen Existenz anzusehen, es ablehnen, relativ erhebliche Summen für solche Zwecke in ihr monatliches Budget einzusetzen. Wer für den Lebensunterhalt einer siebenköpfigen Familie nur 5 £P monatlich ausgeben kann, dem ist es schwer beizubringen, daß er etwa 1,000 £P für den Sdhulunterricht von vier Kindern bezahlen soll. Und da es mit einem diesen Menschen kompliziert und widersinnig erscheinenden administrativen Verfahren verbunden ist, Ermäßigung oder Erlaß des Schulgeldes zu erhalten, ziehen es viele von ihnen vor, ihre Kinder aus der Schule zu nehmen (oder sie erst gar nicht einzuschulen), und sie anstatt dessen zu Hause zu halten, sie arbeiten zu lassen, sie allenfalls in einen »billigen Cheder« zu stecken, oder sie der Mission zu übergeben. Bevor wir auf die Schulfragen näher eingehen, wollen wir wenigstens in kurzen Zügen die Berufsstruktur der orientalischen Juden behandeln. Wir legen unseren Angaben auch hier wieder die erwähnte Enquete zugrunde. Dabei kann man die strukturellen Unterschiede der Edoth erkennen. Fast die Hälfte (44%) aller erfaßten Väter (und Mütter) sind ungelernte Arbeiter, meist Bau- und Straßenarbeiter, Lastträger oder Hausarbeiterinnen- In unterdurchschnittlicher Zahl finden wir in diesen Berufen Sepharden (23%), Marokkaner (26%) und Bucharen (35%), in überdurchschnittlicher Zahl finden wir Jemeniten (49%) und vor allem Kurden (71%). Kurde und Lasträger sind in Jerusalem fast Synonyma, ebenso wie Jemenitin und Hausgehilfin (Osereth). Bei diesen beiden Edoth ist auch die Zahl der arbeitenden Mütter am größten. An zweiter Stelle stehen die Handwerker (19%). Unter ihnen sind alle Branchen vertreten, vor allem aber diejenigen, die eine geringe Vorbildung erfordern: herumziehende Flickschuster, Flickschneider, Reparaturtischler, primitive Pölisterarbeiter, Blecharbeiter usw. Kaum ein Viertel der Arbeiter sind imstande, etwas subtilere Arbeiten zu verrichten und wirkliche Spezialisten sind so selten, daß man sie in einer Stadt wie Jerusalem an den Fingern abzählen kann. Entsprechend ihrer niedrigen Beteiligung an der Berufsgruppe der Arbeiter finden sich Sepharden und Marokkaner in größerem Umfang bei den Handwerkern (31%); ihre Vorliebe für handwerkliche Betätigung ist allgemein bekannt. Auf der anderen Seite finden wir im unterdurchschnitdichem Maße diejenigen, die wir bei den Arbeitern in überdurchschnittlichem gefunden hatten, die Kurden (11%). Die ' 3 ELs kommt vor allem bei kurdischen Lastträgern vor, daß sie von ihrem geringen Einkommen noch Ersparnisse machen, die sie nach einiger Zeit in einem Hausbau investieren. Allerdings neigen Unerfahrene dazu, die Häufigkeit solcher Fälle zu überschätzen.

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