Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Das Strandprojekt für Tel Aviv
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 433 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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des Strandes vorzunehmen. Sie ist zufrieden, wenn ihr die Sorge darum abgenommen wird und, wie die Dinge im Augenblick liegen, scheint sie unter den drei Vertragspartnern der zu sein, der an der Ausführung des Projektes am meisten interessiert ist. Diesen positiven Kräften stehen nun ebenso gewichtige negative Stimmen gegenüber. 1. Tel Aviv hat doch eine Sehenswürdigkeit: Eine Stadt, aus der Not geboren und aus eigener Kraft geworden, ist sie von der Natur ziemlich stiefmütterlich bedacht; es gibt keinen Berg, keinen Wald, keinen Park, keine Quelle, klimatisch ist die Stadt — besonders im Sommer — für den Europäer nicht gerade leicht erträglich; nur eine Schönheit kann sie aufweisen, den Strand mit seinem reinen, feinen, weichen, weißen Sand, um den sie manches europäische Seebad beneidet; da tummeln sich die Kinder, da lagern die Einwohner und sonnen sich — besonders zwischen Februar und Mai — die Fremden, und im Sommer kommen die Bewohner der benachbarten Ortschaften zum Wochenende aus Ramat-Gan, Petach Tikwah, Bnei-Brak, Herzlia, Mikweh Jisrael, Ben Schemen und aus dem Kwuzoth. Für die Fremden bildet es einen unvergeßlichen Eindruck, wenn am Schabat die Zehntausende am Strand flanieren, im Wasser und in der Sonne baden und bisweilen 50.000 Menschen die kühlen Sommerabende genießen. Umgekehrt wie in Europa: Dort der Sonntagsstrom aus der Stadt aufs Land, an die See, in die Berge, hier der Schabbatstrom in die Stadt des Strandes. Und diese Schönheit, dies Wahrzeichen von Tel Aviv, an dem man sich schon einmal durch den die Sicht versperrenden Knick in der Allenby- Straße versündigt hat, soll nun geopfert werden. Der neue Strand im Norden ist für die Mehrzahl schwer erreichbar, bildet wegen der Nähe des Messe- und Hafengeländes, das sich nach Süden ausbreiten wird, keinen Ersatz; abgesehen davon, daß dieser Strand noch gar nicht benützbar ist, da er vorläufig unwirtlich und wegen der Riffe und Strudel gefährlich und zum Baden ungeeignet ist. Was die Versandung anlangt, so liegt sie in einer ungewissen Zukunft, vielleicht handelt es sich dabei um drei, vielleicht aber auch um zehn Jahre; die Sachverständigen scheinen sich darüber nicht einig zu sein. Kein Wunder, daß die Bevölkerung durch das Grünblatt- Projekt verängstigt wird. Eine Kommission der Medizinischen Gesellschaft von Tel Aviv hat in einer Veröffentlichung auf den großen Nachteil für die öffentliche Gesundheit hingewiesen, der entstände, wenn der jetzt von der Bevölkerung zum Baden benutzte Strand weggenommen wird. Dieser Schaden wird nur ungenügend durch die Vorteile des Grünbiatt-Projektes aufgewogen. Eine Frau meinte in einer Protestversammlung: »Ich ziehe es vor, daß meine Kinder weiter die Möglichkeit haben, am Strand gesund aufzuwachsen, als daß mein Mann vorübergehend Arbeit bekommt.« 2. Ein zweiter Einwand, der gemacht wird: Cui bono? Die Ausführung des Projektes geschieht in der Hauptsache zugunsten privatkapitalistischer Interessen; die, Spekulation mit dem neugeschaffenen Gelände wird blühen, man wird an Hand der Prospekte Hotelpacht, Ladenpreise usw. künstlich in die Höhe treiben, schon um das hohe Investitionskapital verzinsen zu können; die Folgen werden die Anwohner am meisten zu spüren bekommen; sie fühlen sich am stärksten gefährdet. Sie haben in die Hotels, Häuser, kleinen Trinkstuben, Erfrischungshallen Jahre von Arbeit sowie große Kapitalien investiert, nun werden ihre Objekte zweitklassig, möglicherweise der Aussicht auf die See beraubt, denn alles wird sich den neuen Etablissements an den Prachtpromenaden zuwenden; daher die besonderen Antipathien der Anwohner der Hajarkonstraße und der anschließenden Straßen gegen die Verwirklichung des Projektes. Man verweist in diesem Zusammenhang auch auf die übertriebenen Erwartungen und Spekulationen an der Riviera, wo heute sehr viele Plakate: »Zu vermieten«, »Zu verkaufen« hängen; und schließlich auch darauf, daß schon heute in der Nachbarschaft