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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 425

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Zur industriellen Kreditpolitik
Date
1937-08-01
Page
Seite 425 (sequence 4)
Language
German
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erschöpft. Die Errichtung moderner Lagerhäuser für verschiedene Waren würde die Industriebetriebe von der Pflicht erlösen, eigene Lager und Keller zu halten. Sie würde auch die Lombardierung der Lagerbestände an Rohstoffen und auch an Fertigfabrikaten erleichtern, welche in Palästina wegen der Entfernung vom Weltmarkt und der schlechten Transportbedingungen sowie wegen der Mannigfaltigkeit des Marktes und der Schärfe der Konkurrenz besonders groß sein müssen. Daran anschließend könnte eine Zusammenfassung des Einkaufs die benötigten Rohstoffe, Maschinen, Heizstoffe u. a. m. verbilligen, ihre Kreditierung seitens der Lieferanten erleichtern und auch eine Ausnutzung der konzentrierten Kaufkraft als Druckmittel in handelspolitischen Verhandlungen ermöglichen. Ebenso würde die Vereinigung der Ausfuhr Interessen in einer einheitlichen Organisation eine planmäßige und großzügige Erschließung der Auslandsmärkte möglich machen, die über die Kräfte der meisten Einzelbetriebe hinausgeht. (Die Gründung einer solchen Ausfuhrgesellschaft soll auf dem Kongreß vorgeschlagen werden.) Auf dem Binnenmarkt würde in vielen Fällen die Kundenkreditierung mit großem Nutzen verselbständigt werden können, was nicht nur Verringerung des Betriebskapitals, sondern auch eine Normalisierung der Kredithöhe und der Kreditbedingungen und die Beseitigung mancher Mißstände mit sich bringen würde. Als weitere Möglichkeiten wären noch zu erwähnen: Maschinenvermietung, Reklame und Kundenwerbung, technische Forschung und Aufsicht (von der Jewish Agency ebenfalls geplant), Wirtschaftsinformation u. a. m. Endlich, als Abschluß dieser mannigfachen Kreditorgane, sollte eine kapitalkräftige Industriebank kommen, um die verschiedenen Kreditoperationen zu stützen und zu koordinieren und den Unternehmungen mit langfristigen Krediten vor allem in den Fällen beizuspringen, wo eine schnelle Markterweiterung, zum Beispiel infolge der Masseneinwanderung, eine entsprechende Vergrößerung des Produktionsapparats nötig macht. Zweifellos hat das Fehlen einer solchen Kreditquelle manche Unternehmungen gerade in der Hochkonjunktur zu Formen der Finanzierung gezwungen, welche für sie verhängnisvoll geworden sind. Aber ebenso sicher ist es auch, daß eine Industriebank, um eine freie und produktive Tätigkeit entfalten zu können, nicht als Anfang, sondern als Krönung des industriellen Kreditapparats kommen muß. Wir sehen, das Problem, das uns zunächst als eine betriebswirtschaftliche Schwierigkeit des einzelnen Unternehmens erschien, ist nur im großen Rahmen der Volkswirtschaft zu lösen. Die Kreditpolitik, wie sie oben skizziert worden ist, muß von einer mechanischen Ergänzung des fehlenden eigenen durch geborgtes Kapital absehen lernen, um eine funktionelle Stärkung der Industriebetriebe vornehmen zu können, indem sie die Arbeit der einzelnen Unternehmungen erleichtert und sie gleichzeitig durch gemeinsame Wirtschaftsorgane zusammenfaßt und ergänzt. Allerdings setzt eine solche Kreditpolitik starke Initiative, klares Planen und — vor allem — eine vorhergehende Verständigung der Finanzinstitute mit den Industriellengruppen und untereinander voraus. Nur das Fehlen einer starken und zielbewußten Industriepolitik hat es verschuldet, daß die einzigartige Gelegenheit des deutschen Vermögenstransfers, der für palästinensische Verhältnisse riesige Kapitalien praktisch zinslos und zu beliebigen Fristen zur Verfügung stellte, bisher für den Umbau der industriellen Kreditpolitik ganz unbenutzt versäumt wurde.' Während in der Landwirtschaft, im Transport und im Bauwesen zentrale Kreditorganisatiönen geschaffen wurden, welche die komplizierten Handelsgeschäfte und die Kreditbesorgung für die einzelnen Kunden übernahmen, wurden die Industriebetriebe allen Komplikationen der Transfergeschäfte schutzlos überlassen. Die natürliche Folge davon war, daß die Industrie als Ganzes vom Transfer nichts profitiert hat, die einzelnen Unternehmungen oft Schaden litten und auch die Trans-

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