Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Der Siedlungsbau als Teillösung des städtischen Wohnproblemes
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 415 (sequence 12)
- Language
- German
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Man muß die Frage allerdings auch unabhängig von der Bodenflächenzuteilung prüfen, denn in 'Zeiten der Arbeitslosigkeit kann die Möglichkeit der Selbstversorgung mit Gemüse eine große Rolle spielen. Als Erwerbssiedlung kann allerdings auch der bisher übliche Parzelientyp keine große Bedeutung haben, denn die Fläche genügt gerade zur Selbstversorgung. Bei voller Ausnützung eines Nutzgartens von 300 m2 kann man mit einem Ertrag von 6 bis 8 £P im Monat rechnen. Wenn trotzdem die Erfahrungen anders sind, so hat das seinen Grund darin, daß die städtische Arbeit immer vorgezogen wird und daß selbst in schwierigen Zeiten der Verdienst lieber durch Teilarbeit in der Stadt, als durch ständige, sorgfältige Arbeit im Garten gesucht wird und sich die Gartenarbeit auf eine kleine Liebhaberfläche beschränkt. Wenn man mit einer halbwegs normalen Bau-, Industrie- und Handelstätigkeit rechnet, so muß die städtische Bevölkerung ihren Erwerb in der städtischen Arbeit finden, erleichtert durch eine gute, hygienisch einwandfreie und billige Wohnung. Glaubt man aber nicht an. die Möglichkeit oder Beständigkeit der städtischen Entwicklung, dann sind auch die 400 bis 600 m2 großen Parzellen unzureichend. Sollte tatsächlich in einer späteren Entwicklung sich die Stadt für einen Teil der Bevölkerung als unzureichende Lebensbasis erweisen, so muß ein ganz anderer Prozeß der Umschichtung erfolgen, nämlich auf großen, landlichen Parzellen. Aber für solche Zwecke ist der jetzt in Stadtnähe erhältliche Boden zu kostspielig und wird sicherlich in einer solchen Zeit des städtischen Niederganges leichter und billiger zu erwerben sein. Es kann sich in diesem Augenblick nicht um diesen Prozeß der Umschichtung städtischer Bevölkerungsteile handeln, sondern um ihre gartenstädtische Ansiedlung zur Verbesserung und' Erleichterung ihres Wohnungs- und Lebensstandards und da nicht genügende Bodenflächen und Mittel zur Verfügung stehen, muß man sich im Interesse der Erfassung großer, wenig bemittelter Kreise auf ein angemessenes Minimum beschränken. Die Festlegung der Parzellengröße im Hinblick auf eine künftige, großstädtische Entwicklung und Umwandlung der Siedlerparzellen zu Miethausparzellen wurde bewußt vermieden. 4. Einzel-, Doppel- oder Reihenhaus1. Bisher wurde in den meisten Siedllungsvorhaben das Einzelhaus durchaus vorgezogen. Die Gründe hiefür waren mehr psychologischer als sachlicher Natur und hängen mit dem rein privatwirtschaftlichen Charakter alller Siedlungen zusammen. Sachlich gibt es beispielsweise gegen das Doppelhaus kaum haltbare Einwände. Gegen das Reihenhaus mag es wegen der Schwierigkeit des etappenweisen Bauens, wegen der schlechteren Parzellengestaltung und der schwierigeren Zugänge zu den Hausgärten gewisse Einwände geben, sie können aber gegenüber den Vorteilen größerer Wirtschaftlichkeit nicht ausschlaggebend sein. Trotzdem wurde bei den weiteren Untersuchungen vornehmlich das Einzel- und Doppelhaus ins Auge gefaßt. Drei Momente wurden dabei untersucht: Der Einfluß auf die Erschließungskosten, auf die Baukosten und auf die Größe des Nutzgartens. Erschließungskosten: Die Tabelle Seite 413 in Position 3, 4 und 5 zeigt die Wirkung. Der Straßenanteil sinkt von 18% beim Einzelhaus auf 16,6% beim Doppelhaus und auf 15% beim Reihenhaus. Das ergibt bei der Annahme von 6 m breiten Wohnstraßen 6, bzw. 13 m2 Bodenfläche oder einen Betrag von je 2 bis 3 £. Dazu kommen die Ersparnisse in den Wasser- und Lichtleitungen durch die verkürzten 1 Die Gruppenhausanlage wurde ebenfalls untersucht, ergab aber ungünstigere Ergebnisse, als die anderen Typen.