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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 406

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Der Siedlungsbau als Teillösung des städtischen Wohnproblemes
Date
1937-08-01
Page
Seite 406 (sequence 3)
Language
German
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Es muß daher die bittere Feststellung gemacht werden, daß der Standard der neuen städtischen Wohnungen — so wünschenswert und erfreulich seine Höhe an sich wäre — nicht dem Verdienst- und Lebensstandard der großen Masse der Bevölkerung entspricht. Diese Tatsache hat aber zur Folge, daß die Wohnungsverbesserung sich als Wohnungsverschlechterung auswirkt, da sie die Mieter nur noch mehr zwingt, die Wohnungen zu teilen und in den einzelnen Zimmern übermäßig viele Menschen unterzubringen. Da aber der Preis der Mietwohung im wesentlichen von Faktoren abhängt, die, wie Boden, Baukosten, Rentabilität, dem alleinigen Einfluß der Privatwirtschaft unterliegen, hat die Frage des vorstädtischen Siedlungshaus auf gemeinnütziger Grundlage und der städtischen oder vorstädtischen, gemeinnützigen Großmiethausbauten oder Genossenschaftsgroßbauten eine entscheidende Bedeutung für die Lösung des Wohnproblemes der großen Bevölkerungsschichten des Mittelstandes und der Arbeiterschaft. Tatsächlich wird auch seit längerer Zeit — insbesondere von der Siedlungsgesellschaft der Arbeiterschaft (Schikun) — in dieser Richtung gearbeitet. Der Schikun hat in den letzten Jahren eine große Zahl von Klein- und Großhausbauten in allen drei Städten errichtet und setzt diese Tätigkeit auch weiter fort. Seinem Beispiel folgend haben sogar Privatleute in den beiden letzten Jahren ihr Kapital im Bau großer Genossenschaftshäuser angelegt und die Wohnungen dann, ähnlich wie der Schikun gegen größere Barzahlungen und 10 bis 20jährige Ratenzahlungen an die Mieter verkauft. Vergleicht und prüft man nun diese Unternehmungen und auch die Kleinsiedlung sunternehmungen des Schikun vom Gesichtspunkt des Erfordernisses billiger Volkswohnungen, so wird man auch hier von den gleichen zwei Tatsachen überrascht, denen wir schon bei privaten Mietwohnungen begegnet sind: einerseits von einem die Lebens¬ und Einkommensverhältnisse des Arbeiters weit übersteigenden Wohnungsstandard und andererseits von einer ungeheuren materiellen Belastung. Die Arbeitersiedler des Schikun müssen in Tel Aviv Beiträge von 180 bis 300 £P zahlen, um zur Ansiedilung oder zu einer Wohnung in einem Genossenschaftshaus zu kommen, wobei sie dann durch weitere 20 Jahre relativ geringe Zahlungen an Stelle der Miete zu zahlen haben. In Haifa, wo die Verhältnisse wegen des Vorhandenseins von Nationalfondsboden etwas günstiger sind, sind immerhin noch 125 £P für ein Zweizimmerhaus und 175 £P für ein Dreizimmerhaus von den Siedlern zu zahlen. Das bedeutet natürlich den Ausschluß des überwiegenden Teils der Arbeiterbevölkerung von jeder Möglichkeit, ein Eigenheim zu bekommen. Dieses Siedlungssystem verhilft einerseits den bemittelten Elementen der Arbeiterschaft, für die das Wohnproblem keineswegs besonders dringlich ist, in leichter Form zu einem Eigenheim und verleitet andererseits nidht bemittelte Kreise zur Aufnahme von hohen privaten Krediten, die den Angesiedelten dann auf das Schwerste belasten. Die sozialen Gefahren dieses Systems liegen auf der Hand und sind vielfach durch die Wirklichkeit bereits bestätigt worden. Aus gemeinnützigen Siedlungen wurden private Eigenhauskolonien und keine Genossenschaftsordnung und kein Statut kann den Einzelnen, an Spekulation mit Grundstück und Haus in Form von Verkauf, Vermietung, Zubau, Miethausbau usf. hindern. Selbst die Gruppe der gutwilligen Siedler kann durch wirtschaftliche Tatsachen dazu gedrängt werden. Die von materiellen Sorgen schwer belasteten Siedler unterliegen nur allzu leicht der Versuchung, ihre Sorgen durch einen gewinnbringenden Verkauf ihres Besitzes abzuwälzen. In Zeiten wirtschaftlicher Depression werden sie

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