Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten des projektierten Judenstaates
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 402 (sequence 8)
- Language
- German
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enthalten sind, so daß der wirkliche Produktionsanteil der palästinensischen Industrie (also der Nettowert der Produktion) kaum mehr als etwa 20% ausmacht. Der Bedarf einer jüdischen Bevölkerung von \x/> Millionen Menschen im projektierten Judenstaat muß sich sehr stark, schätzungsweise auf das Doppelte bis Dreifache des gegenwärtigen palästinensischen Gesamtbedarfes an Industrieprodukten, erhöhen. Schätzt man den Industriewarenbedarf dann in roher Veranschlagung auf etwa 40 Millionen £P und nimmt man an, daß der Bruttowert der jüdischen Produktion sich von gegenwärtig zirka 40% auf zirka 70% erhöht, so würde sich dieser von gegenwärtig zirka 8 Millionen £P auf annähernd 30 Millionen £P steigern, das heißt sich etwa auf das Drei- bis Vierfache erhöhen. Naturgemäß kann es sich bei einer derartigen Schätzung nur um eine rohe Veranschlagung handeln, die nur die ungefähren Größenordnung der Entwicklungsmöglichkeiten andeuten soll. Die angegebenen Ziffern, die nicht übermäßig hoch gegriffen sind, könnten überschritten werden — insbesondere wTenn es gelingt, den Industriewarenexport in stärkerem Umfange zu entwickeln. Das Problem der Handels- und Zahlungsbilanz. Eine der zentralen wirtschaftspolitischen Aufgaben des jüdischen Staates besteht darin, im Laufe einer gewissen Entwicklungsperiode zu einer Handelsbilanz zu kommen, die vielleicht nicht restlos ausgeglichen sein muß, deren Defizit aber im Vergleich zum jetzigen Zustand sehr stark reduziert und auf ein statisch tragbares Maß gebracht werden muß. Die Bedeutung dieses Problems ergibt sich in ihrer ganzen Schwere aus den Ziffern seit dem Jahre 1933, in dem der große Strom der Kapital- und Menscheneinwanderung einsetzte. In den Jahren 1933 bis 1936 ist folgendes Handelsbilanzdefizit aufgelaufen: 1933 bis 1936 Import ..............58,1 Millionen £P Export und Reexport.........15,2 Millionen £P Handelsbilanzdefizit .........42,9 Millionen £P Im Jahre 1937 dürfte abermals ein Defizit von etwa 10 Millionen £P hinzukommen, so daß sich für das Jahrfünft 1933 bis 1937 ein gesamtes Handelsbilanzdefizit von über 50 Millionen £P ergibt. Selbstverständlich hat der jüdische Wirtschaftssektor dieses respektable Defizit nicht allein gemacht. Ein, allerdings kleinerer, Teil entfällt auf die arabische Wirtschaft. Außerdem reduziert es sich insofern, als in der Importziffer der Import von Einwanderergut enthalten ist, für das keine Zahlung erfolgt, ferner Importe für den Bedarf der IPG, Regierung und Militärverwaltung wie anderer öffentlicher und privilegierter Institutionen. Man geht aber wohl kaum fehl, wenn man annimmt, daß der jüdische Wirtschaftssektor an diesem Handelsbilanzdefizit mit zirka 35 Millionen £P beteiligt ist. Von dem jüdischen Kapitalimport, der für die Jahre 1933 bis 1937 auf zirka 45 Millionen £P zu schätzen ist, wurden also annähernd 80% an das Ausland verausgabt. Selbstverständlich kamen der jüdischen Wirtschaft dafür die entsprechenden Warenlieferungen zum Teil für Investitionszwecke, zu einem sehr großen Teile aber auch für reine Konsumzwecke zugute. Solange der Kapitalimport genügend stark ist, um das Handelsbilanzdefizit auszugleichen oder noch Reserven vorhanden sind, macht dieser Zustand keine zahlungsbilanzmäßigen Schwierigkeiten. In der Aufbauperiode, die sich über eine längere Reihe von Jahren erstrecken wird, kann und muß die Wirtschaft des projektierten jüdischen Staates mit starker Kapitaleinfuhr rechnen, aus der die Handelsbilanzdefizite gedeckt werden, die in einer Übergangsperiode zweifellos sehr hoch bleiben. Aber einmal muß ein statisch