Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten des projektierten Judenstaates
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 399 (sequence 5)
- Language
- German
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anderen Milchprodukten stellte sich im letzten Jahre auf etwa 700.000 £P, die im wesentlichen auf den jüdischen Konsum entfallen (soweit das nicht der Fall ist, dürfte sich der auf die nichtjüdische Bevölkerung entfallende Anteil mit arabischen Schlachtviehlieferungen an die jüdische Wirtschaft ungefähr ausgleichen). Der gegenwärtige jüdische Milchkonsum entspricht ungefähr der Leistung der etwa 10.000 Rassekühe in der jüdischen Landwirtschaft (zirka 30 Millionen Liter), zuzüglich des Milchgehaltes der Butter-, Käse- und Kondensmilcheinfuhr (über 70 Millionen Liter), das heißt er beläuft sich auf etwa 100 Millionen Liter und muß sich bei einer jüdischen Bevölkerung von \l/2 Millionen annähernd vervierfachen, das heißt auf 400 Millionen Liter erhöhen. Zur Produktion dieser 400 Millionen Liter Milch sind bei einer durchschnittlichen jährlichen Milchleistung von rund 3000 Liter Milch pro Kuh rund 130.000 Milchkühe erforderlich. Außerdem wurden" im Jahre 1936 rund 33.000 Schlachtrinder (Wert 330.000 £P) im wesentlichen für den jüdischen Bedarf importiert, zu denen noch arabische Lieferungen hinzukommen. Insgesamt muß für eine jüdische Bevölkerung von \y2 Millionen mit einem jährlichen Bedarf von über 150.C0O Schlachtrindern (Importwert von zirka \x/i Millionen £P) gerechnet werden. Zur Produktion wenigstens des größten Teiles des Milch-, Milchprodukten- und Schlachtviehbedarfs" einer jüdischen Bevölkerung von \l/2 Millionen wäre eine bewässerte Futterfläche von zirka 200.000 bis 300.000 Dunam erforderlich. Die für den Anbau der erforderlichen Mengen von Gemüse, Früchte und sonstigen pflanzlichen und tierischen Produkte erforderlichen Bodenflächen sollen hier nicht im einzelnen abgeschätzt werden, jedoch handelt es sich dabei (einschließlich der Zitrusanbaufläche) nur um einen Bodenbedarf in der Größenordnung von etwa Yi bis 1 Million Dunam. Geht man davon aus, daß im Gebiete des projektierten jüdischen Staates eine bewässerte Anbaufläche von reichlich 3 Millionen Dunam verfügbar gemacht werden kann, so verbleibt noch eine Fläche von annähernd 1 Million Dunam, auf der Nahrungsmittel angebaut werden müßten, deren Import eine erhebliche Belastung der Handelsbilanz darstellt oder solcher Produkte, für die Exportmöglichkeiten bestehen oder erschlossen werden können. Es handelt sich hierbei neben dem Anbau von Kartoffeln vor allem um den Anbau von Zuckerrüben, auch müßte die Möglichkeit des Baumwollanbaues in beschränktem Umfange vor allem für den eigenen Bedarf geprüft werden. Durch ausreichenden Kartoffelanbau ist der zur Zeit ziemlich große Kartoffelimport und auch der Reisimport zum größten Teile zu ersetzen. Der - Zuckerimport beträgt heute bereits etwa 200.000 £P und kann, wie das jetzt in sämtlichen Ländern des Nahen Ostens geschieht, auf einer verhältnismäßig sehr begrenzten Fläche durch Zuckerrübenanbau von der inländischen Produktion übernommen werden, wodurch auch eine wichtige industrielle Produktionsposition geschaffen und übrigens auch die Futterbasis der Rindviehwirtschaft (Rübenblätter, Verarbeitungsrückstände) bereichert wird. Was den Baumwolleanbau betrifft, so macht dieser — von Ägypten abgesehen — in den benachbarten Ländern (Irak, Syrien, Iran, Türkei, Griechenland) ständig Fortschritte und entwickelt sich zu einem immer erfolgreicheren agrarischen Produktionszweig, der in den meisten dieser Länder auch schon Ausfuhr ermöglicht. Durch den Baumwolleanbau könnte der jüdische Staat seiner Textilindustrie eine eigene Rohstoffbasis geben, auch Export dürfte in beschränktem Umfange möglich sein. Im übrigen kann beim Baumwolleanbau Öl als Nebenprodukt gewonnen werden, das in Anbetracht des sehr starken Defizits an Pflanzenölen von großer Bedeutung ist. Dieses Defizit muß sich für den jüdischen Staat noch weit über das gegenwärtige Ausmaß hinaus erweitern, da gegenwärtig die