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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 398

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten des projektierten Judenstaates
Date
1937-08-01
Page
Seite 398 (sequence 4)
Language
German
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der Tiberias- und der Huleh-See zur Verfügung. Durch Ausnutzung aller dieser Wasserquellen durch ein sinnreiches Kombinatiönssystem von Brunnen-, Staubecken- und Zuleitungskanalbewässerung, dürfte es wahrscheinlich möglich sein, von den 5 bis 6 Millionen Dunam des projektierten jüdischen Staatsgebietes etwa 3 Millionen Dunam landwirtschaftlichen Bodens künstlich zu bewässern K Wenn diese — bisher allerdings mehr auf Vermutung als sicherer Tatsachenkenntnis beruhende — Annahme sich als zutreffend erweist, könnte man auf dieser bewässerten Fläche von 3 Millionen Dunam eine Bevölkerung von etwa 1J/2 Millionen ernähren (wobei die Umsiedlung der arabischen Bevölkerung vorausgesetzt wird). Die Grundlage der landwirtschaftlichen Produktion und flächenmäßig wichtigste Anbaukultur bildet der Getreidebau, der bisher beim Aufbau der jüdischen Landwirtschaft stark vernachlässigt wurde, da nicht genügend große Flächen zur Verfügung standen und für die Erzeugnisse einer intensiven Gemischtwirtschaft ein aufnahmefähiger Markt vorhanden war. Eine Vernachlässigung des Weizenanbaus mit der Absicht, die Deckung des Weizenbedarfs den umgebenden arabischen oder anderen Ländern zu überlassen, ist unter den neuen Verhältnissen nicht mehr möglich, denn: 1. Der durchschnittliche Weizenverbrauch pro Kopf der Bevölkerung beläuft sich in Palästina auf etwa 170 kg, der jüdische dürfte sich auf schätzungsweise 200 kg stellen. Soll im jüdischen Staat eine Bevölkerung von Millionen leben, so ergibt sich ein Weizenverbrauch von rund 300.000 Tonnen, die je nach den internationalen Preisverhältnissen einem Cif-Wert von 3 bis 4 Millionen £P entsprechen. Ein derartig hoher Defizitbetrag allein für Weizen würde für die Handels- und Zahlungsbilanz auf die Dauer nicht tragbar sein (auf die handelspolitischen Probleme wird abschließend näher eingegangen). 2. Wenn die jüdische Landwirtschaft überhaupt einen breiteren Raum einnehmen und eine Fläche im oben skizzierten Umfang bewirtschaften soll, so müßte die Vernachlässigung des Weizenbaus auf der anderen Seite zu einer derartigen Überproduktion an Intensivprodukten führen, daß die ganze Landwirtschaft in der sich daraus ergebenden Preis- und Absatzkrise zusammenbrechen würde. Es kann damit gerechnet werden, daß die jüdische Landwirtschaft auf bewässerten Böden mindestens die europäischen Höchsterträge von 25 dz pro Hektar (250 kg pro Dunam) erzielt, so daß der oben errechnete Weizenbedarf von 300.000 Tonnen auf einer Fläche von 1 bis 1J4 Millionen Dunam produziert werden kann, die rund ein Drittel der gesamten Anbaufläche ausmachen. Betriebswirtschaftlich und organisatorisch werden dem sicherlich ernsthafte Schwierigkeiten im Wege stehen. Soll . der Weizenbau auf zusammenhängenden großen Flächen oder parzelliert in Kleinbetrieben aufgezogen werden? Das erstere ist rationeller, da nur bei großen Flächen die Verwendung moderner Maschinen möglich ist. Andererseits dürfte bei großen Flächen, die ständig unter Kultur gehalten werden müssen, das Problem der Fruchtfolge sehr große Schwierigkeiten machen, das bei kleinen Betrieben leichter lösbar ist. Diese und andere Fragen stellen die Organisatoren des landwirtschaftlichen Aufbaus sicherlich vor große Aufgaben, von deren Lösung im Laufe eines Zeitraumes von 1 bis 2 Jahrzehnten aber letzten Endes das ganze Problem der landwirtschaftlichen Entwicklung und damit der Bevölkerungskapazität des projektierten jüdischen Staates abhängt. Den zweiten großen Defizitposten auf dem Gebiet der landwirtschaftlichen Produktion stellt die Rindviehwirtschaft dar. .Der Import von Schlachtrindern, Butter und 1 Siehe dazu die Bemerkungen von Dr. Ing. A. Werber im Artikel: »Zur Frage der Bewässerung« in dieser Nummer.

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