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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 397

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten des projektierten Judenstaates
Date
1937-08-01
Page
Seite 397 (sequence 3)
Language
German
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kleinen jüdischen Staates kann und wird nicht autark sein. Aus den konkreten wirtschaftlichen Bedingungen und Umständen ergibt sich jedoch die Notwendigkeit, daß der jüdische Staat seinen Nahrungsmittelbedarf im großen und ganzen selbst deckt. Seine Bevölkerungskapazität wird daher durch die landwirtschaftliche Produktionskapazität bestimmt. Je intensiver diese entwickelt werden kann, um so mehr erweitert sich die ernährungswirtschaftliche Grundlage für eine Bevölkerungsvermehrung und mit ihr auch die Aufnahmefähigkeit des Marktes für Industrieprodukte, das heißt die Entwicklungsmöglichkeit der Industrie. Auch die industriellen Entwicklungsmöglichkeiten beruhen letzten Endes auf dieser Grundlage, da die Wirtschaft des projektierten jüdischen Staatsgebietes auf die Dauer einer Industriebevölkerung keine wirtschaftliche Basis bieten kann, deren Nahrungsmittelbedarf durch Import gedeckt werden muß. Kein Land kann sowohl auf rohstoffwirtschaftlichem Gebiet wie auf dem Gebiet industrieller Fertigwaren und zugleich in seinem Nahrungsmittelbedarf in starkem Umfang auf Einfuhr angewiesen sein, wenn es diesen dreifachen Importbedarf nicht durch entsprechende Ausfuhr oder durch Überschüsse der Zahlungsbilanz aus Kapitaleinnahmen ausgleichen kann. Dieser Ausgleich würde für die Wirtschaft des jüdischen Staates nur zeitweilig in der Aufbauperiode durch Reexport von Einwandererkapital wie in den verflossenen Prosperitätsjahren möglich sein, in denen der Kapitalimport das Zahlungsbilanzdefizit überkompensiert. Mit einer derartigen Möglichkeit kann aber nicht auf die Dauer gerechnet werden. Es handelt sich hier übrigens nicht nur um eine zahlungsbilanzmäßige, sozusagen devisentechnische, Unmöglichkeit. Auch binnenwirtschaftlich muß ein Einkommens- und Kaufkraftdefizit entstehen, wenn die jüdische Wirtschaft per Saldo mehr verbraucht als erzeugt (die in der gegenwärtigen jüdischen Wirtschaft Palästinas bestehenden Einkommenschwierigkeiten beruhen im Grunde gerade darauf, daß die aus Einwandererkapital und inländischem Arbeits-, wie Zinseinkommen verausgabte Kaufkraft zu einem großen Teil gar nicht inländischen Produzenten, sondern ausländischen Lieferanten zufließt und aus dem wirtschaftlichen Kreislauf ausscheidet). Bei den Debatten im englischen Parlament wurde von einem Befürworter des Planes darauf hingewiesen, daß der jüdische Genius auch in einem kleinen Lande Großes vollbringen werde. Die Aufgabe, in einem kleinen Land Großes zu vollbringen, dürfte vor allem darin zu erblicken sein, in einem subtropischen Lande eine durchgängig bewässerte, hochintensive gartenbauartige Landwirtschaft zu entwickeln, deren durch Zuführung von Wasser erhöhte Produktivität die flächenmäßige Enge ausgleicht und die Ernährung einer dichten Bevölkerung ermöglicht. Die Erreichung dieses Zieles hängt von ausreichenden Bewässerungsmöglichkeiten, den Bodenverhältnissen, vor allem des Galil und der Küstenebene, von den organisatorischen Leistungen auf agrarpolitischem Gebiet und nicht zuletzt auch von den zur Verfügung stehenden Kapitalien ab. Über die Bewässerungsmöglichkeit und Bodenverhältnisse des projektierten jüdischen Staatsgebietes besteht gegenwärtig noch keine letzte Klarheit. Die wichtigste Aufgabe der Übergangsperiode wäre eine eingehende Wasser- und Bodenaufnahme, die die Grundlage eines umfassenden Siedlungsprogrammes bildet. Man kann jedoch annehmen, daß das projektierte jüdische Staatsgebiet unter Ausnutzung aller Wasserquellen zum weitaus größten Teil bewässerungs- und bebauungsfähig ist, allerdings nicht ohne Aufwendung großer Kapitalien. Das Galil ist das niederschlagreichste Gebiet Palästinas und verzeichnet strichweise eine jährliche Regenmenge von bis zu 900 mm. Die Küstenebene ist ebenfalls niederschlagreich und vor allem auch grundwasserreich. An Wasserquellen stehen außerdem der Oberlauf des Jarkon, der Jarkon,

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