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Palästina · 1937-08-01 · Heft 8-9 (August 1937) · p. Seite 396

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 8-9 (August 1937)
Article
Wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten des projektierten Judenstaates
Date
1937-08-01
Page
Seite 396 (sequence 2)
Language
German
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In weiten Wirtschaftskreisen, für die diese Frage aktuelle Bedeutung angenommen hat, ist man sich über die wirtschaftlichen Folgen der Teilung des Landes noch sehr wenig im klaren. Die meistens nur gefühlsmäßig fundierten Auffassungen weichen stark voneinander ab und bewegen sich zwischen den beiden Extremen einer eindeutig negativen Beurteilung auf der einen Seite und einer günstigeren Einschätzung der wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten andererseits. Für die negative Beurteilung ist die Darlegung charakteristisch, die mir ein guter Kenner der palästinensischen Wirtschaft in Frageform vorlegte und die einen ernst zu nehmenden Kern hat. Er argumentierte ungefähr wie folgt: Der jüdische Staat soll einen Flächenumfang von vielleicht 5000 bis 6000 km2 haben. Das hochindustrialisierte Belgien hat eine Bevölkerung von rund 265 Menschen pro Quadratkilometer, das hochindustrialisierte England mit dem riesigen wirtschaftlichen Hinterland des ganzen Empire eine solche von 190 Menschen; das ebenfalls hochindustrialisierte Deutschland ist mit 140 Menschen pro Quadratkilometer übervölkert, von dem weniger hochindustrialisierten Italien trifft das mit zirka 130 Menschen pro Quadratkilometer in noch stärkerem Masse zu, die ebenfalls weitgehend industrialisierte Schweiz hat infolge des gebirgigen Charakters großer Landesteile nur eine Siedlungsdichte von knapp 100 Menschen pro Quadratkilometer. Nehmen wir an, daß der jüdische Staat, obwohl er nicht so industrialisierungsfähig wie Deutschland ist, auf die deutsche Bevölkerungsdichte kommen, das heißt 750.000 Menschen fassen kann. Zur Zeit leben auf dem projektierten jüdischen Staatsgebiet bereits zirka 600.000 Menschen, darunter zirka 250.000 Araber. Wo sind da die Entwicklungsmöglichkeiten? Das ist die eine Perspektive. Andere Beurteiler schätzen die Bevölkerungskapazität des jüdischen Staates auf 200 bis 300 Menschen pro Quadratkilometer, das heißt auf insgesamt 1J4 bis \l/z Millionen Einwohner. Wenn nur eine teilweise Umsiedlung von Arabern stattfindet, könnten also noch annähernd 1 Million Juden angesiedelt werden. Der Verfasser steht dieser Auffassung nahe, soweit es sich dabei um eine Abschätzung der potentiel- 1 e n Entwicklungsmöglichkeiten handelt. An welche Voraussetzungen und Bedingungen sind deren Verwirklichungsmöglichkeiten gebunden? Die agrarische Basis* Der Verfasser ist der Ansicht, daß die agrarische Basis der jüdischen Wirtschaft im Rahmen eines selbständigen jüdischen Staatswesens von einer noch weit größeren prinzipiellen Bedeutung als bisher sein wird. Solange die jüdische und arabische Wirtschaft Palästinas noch im Rahmen eines Staates vereinigt sind, wird der jüdische Wirtschaftssektor durch den arabischen ergänzt, da die beiden nach außen hin, das heißt bezüglich der Handels- und Zahlungsbilanz eine Einheit bilden. Wenn der jüdische Wirtschaftssektor vom arabischen Sektor Nahrungsmittel bezog, so wurde dadurch die Handels- und Zahlungsbilanz des Landes nicht belastet. Wenn in Zukunft aber die jüdische Wirtschaft ihr Nahrungsmitteldefizit außerhalb der Grenzen des eigenen Staatsgebildes decken muß, so bedeutet das sofort eine entsprechende Belastung der Handels- und Zahlungsbilanz. Die jüdische Wirtschaft wird in Anbetracht der Tatsache, daß sie immer in verhältnismäßig starkem Maße auf die Einfuhr von Rohstoffen und gewisser Kategorien von Industrieprodukten angewiesen sein wird, und ihre Exportmöglichkeiten zwar entwicklungsfähig, aber doch begrenzte sind, nicht in der Lage sein, neben der industriellen Rohstoff- und Fertigwareneinfuhr auch noch einen umfangreichen Nahrungsmittelimport zahlungsbilanzmäßig auszugleichen. Der Verfasser ist kein Anhänger von Autarkietheorien, und die Wirtschaft des

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