Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Die Züricher Tagungen
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 394 (sequence 4)
- Language
- German
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und mit der einmal gegebenen Mentalität, ist die Hoffnung auf einen binationalen Staat aussichtslos. Darum mutete die im Agency-Council heraufbeschworene Debatte, so wichtig sie prinzipiell sein mochte, wie Spiegelfechterei an, und darum gibt es zwangsläufig gar keinen anderen Weg mehr als den der Teilung; für die Juden ergibt sich dabei die unerwartete Chance, ihr Aufbauwerk fortzusetzen, in jenem Teil des Landes, der ohnedies einzig und allein für die jüdische Arbeit in Betracht kommt, selbst wenn Palästina ungeteilt bleibt. Denn es wurde schon oft gesagt, daß das Hügelland, die Wüste, und der rein arabische chauvinistische Bezirk um Nablus und Dschenin ohnedies keine jüdischen Siedler aufnehmen würden, und das Problem des »N e g e w« muß vom kolonisatorischen und technischen Gesichtspunkte zumindest noch als ungeklärt betrachtet werden. Es ist bedauerlich, daß auch beim Kongreß, bei dem politische Fragen doch sachlicher behandelt werden sollten, als in bloßen Zeitungsdiskussionen, von den Neinsagern keine Antwort auf diese Fragen gegeben wurde, es sei denn, daß man die bloße Berufung auf den eigenen Zukunftsglauben als ein ausreichendes politisches Argument gelten läßt. Die politische Debatte des Kongresses, die in geschlossener Sitzung geführt wurde, hatte offenbar nur den Zweck, Zeit zu gewinnen, um die Gemüter für eine Kompromißformel vorzubereiten, die auch einen Teil der Neinsager die Möglichkeit bot, dafür zu stimmen, ohne dadurch dem Odium ausgesetzt zu sein, sich mit der Teilung des Landes einverstanden erklärt zu haben. Das Wort »Teilung« sollte also in dem Wortlaut der Resolution vermieden werden, obwohl ja die ganze Verhandlungsvollmacht sinnlos ist, wenn man nicht mit der Teilung rechnet. Statt in Einzelheiten der Grenzziehung, der Bodenverteilung und ähnlicher lebenswichtiger Fragen einzugehen, hat die Diskussion der geschlossenen Sitzungen sich im wesentlichen auf die bereits bis zum Überdruß bekannten Allgemeinheiten beschränkt. Wenn man die Communiques liest, die unter Zensur des Kongreßpräsidiums herausgegeben wurden, versteht man noch weniger, warum die Sitzung geheim erklärt wurde, denn wenn der Ausschluß der Öffentlichkeit überhaupt einen Sinn haben kann, so doch wohl nur den, die törichten Phrasen derer, die dauernd von Eroberung ganz Palästinas und von den reservationes mentales des Vertragsabschlusses sprechen, von der Öffentlichkeit fern zu halten. Aber gerade darüber wird auch in den Bulletins ausführlich berichtet. Man muß sich doch darüber klar sein, daß eine friedliche Lösung ungemein erschwert wird, wenn man dem Gegner erklärt, der Friedensschluß sei nicht ernst gemeint, sondern man warte nur, bis man selbst genug Kraft hat, um den Frieden umzustoßen. Wenn unter solchen Umständen die Araber ein gewisses Mißtrauen haben, Versicherungen der Juden ernst zu nehmen, so wird dies einen objektiven Betrachter kaum verwundern können. Die Krone wurde diesem System in der Schlußrede von Ussischkin aufgesetzt, der sagte, es gebe zwischen Jasagern und Neinsagern keinen Unterschied des Stils, sondern nur der Methode. Die Neinsager wollen Fortsetzung des Mandates bis zur Errichtung des Judenstaates in ganz Palästina, die Jasager hingegen betrachten einen zunächst verkleinerten Judenstaat als eine Vorstufe zu dem gleichen Ziel. Diese — zweifellos falsche — Deutung ist geeignet, die zionistischen Unterhändler von vornherein zu diskreditieren. Dr. Weizmann steht da vor einer fast unlösbaren Aufgabe. Denn wenn ein jüdischer Staat ins Leben treten soll, dann ist nichts so wichtig, wie die Forderung, daß man zu ihm, zu seinem Wort und seiner Unterschrift ein unerschütterliches Vertrauen haben kann. Es ist klar, daß der Plan der Gründung eines Judenstaates mit voller Souveränität eine Fülle von Problemen heraufbeschwört, denen der Kongreß überhaupt keine Zeit