Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1937)
- Article
- Die Züricher Tagungen
- Date
- 1937-08-01
- Page
- Seite 395 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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gewidmet hat, verständlicherweise, denn der Kongreß betrachtet ja den Plan zunächst noch nicht als endgültig. Auf der anderen Seite aber wurde der latente Konflikt mit den Nichtzionisten in der Jewish Agency aus diesem Anlaß akut. Ein Teil der Nichtzionisten, vor allem die in Amerika, haben gegen einen Judenstaat alle Einwendungen, die sie seit 40 Jahren dagegen hatten. Als sie 1929 in die Jewish Agency eintraten, glaubten sie, an einer modifiziert philantropischen Sache mitzuwirken, deren politischer Beigeschmack längst verblichen war. Nun plötzlich ist die Sache zu einem politischen Problem ersten Ranges geworden. Die Befürchtungen bezüglich der Stellung der Juden in den Golusländern wurden wieder wach. Die amerikanischen Nichtzionisten wollen aus ganz anderen Gründen als Ussischkin, aber auch als der »Haschomer Hazair«, das Projekt zu Fall bringen. Auch in dieser Hinsicht haben die Züricher Tagungen noch kein Definitivum geschaffen, aber die Probleme liegen in der Luft und werden nicht mehr von der Tagesordnung verschwinden. In letzter Stunde ist zwar in den Hauptfragen eine Einigung gelungen, aber es ist noch fraglich, ob diese von Dauer sein wird. Eine nur durch dialektische Formel gewonnene Einigkeit ist bei der nächsten realen Kraftprobe wieder gefährdet. Was die Nichtzionisten betrifft, so drückt sich ihre latente Opposition vorläufig darin aus, daß sie jetzt vorderhand mit ihrem Anspruch auf 50% in der Exekutive Ernst machen. Diese Forderung schien seit Monaten vor dem Kongreß den Bestand der Jewish Agency zu bedrohen und er gab am letzten Züricher Tag Anlaß zu einer akuten Krise. Sie wurde beigelegt, schon weil die Nichtzionisten gar nicht über geeignete Menschen verfügen und Zionisten als ihre Repräsentanten entsenden müssen. Aber es ist kaum zu bezweifeln, daß hinter der Forderung den 50:50 Anspruch durchzusetzen, der Wunsch steht, auch dabei zu sein, wenn es um Dinge geht, die alle Juden aufs höchste angehen und für die Stellung der Juden in der Welt so bedeutungsvoll werden können wie etwa die Schaffung eines Judenstaates. Die eigentlich schwierige Phase der Verhandlungen beginnt erst jetzt. Die Last wird, wie fast immer in den letzten 20 Jahren, auf den Schultern eines Mannes liegen, der in diesen Züricher Tagen seine staatsmännische Überlegenheit und zugleich sein liebevolles Verständnis für alle Sorgen, Nöte und Ängste des Volkes, großartig bewiesen hat: Chaim Weizmann. Wirtschaftliche Entwicklimgsmöglichkeiten des projektierten Juden- Staates1 Von Dr* Alfred Michaelis» Die Unsicherheit über das Schicksal Palästinas besteht auch nach der Veröffentlichung des Berichtes fort. Es läßt sich noch nicht übersehen, ob und in welcher Gestalt der Teilungsplan verwirklicht wird, bzw. welche anderen Lösungen eventuell an seine Stelle treten. Naturgemäß steht aber trotzdem heute die Frage im Brennpunkt des Interesses, ob der Teilungsplan, das heißt das von der Königlichen Kommission vorgeschlagene jüdische Staatsgebilde wirtschaftlich überhaupt lebensfähig ist und welche Entwicklungsmöglichkeiten es bietet. 1 Wir bringen diesen Artikel an Stelle der üblichen Wirtschafts-Rundschau- — Die Red.