Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1937)
- Article
- Jewish Agency. Von Spectator.
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 365 (sequence 3)
- Language
- German
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die nicht bagatellisiert werden sollte. Ein Judenstaat mit Vertretung im Völkerbund würde, so meint man, die Lage der Juden mit einem Schlage ändern und würde innerhalb der hierdurch geschaffenen Autonomie größere Möglichkeiten der Entfaltung eines wirklichen jüdischen Lebens bieten, Entwicklung eines geistigen Zentrums, dessen Bedeutung man nicht vorhersagen kann. Mag sein, daß manche von diesen Jasagern im stillen damit rechnen, infolge von Schwierigkeiten der arabischen Welt oder bei internationalen Komplikationen das Gebiet später auf Kosten der Nachbarn zu erweitern; manche rechnen gewiß auch mit der Möglichkeit einer friedlichen Expansion für den Fall, daß bei einer endgültigen Bereinigung des Konflikts später eine freundschaftliche Beziehung zu dem arabischen Nachbarstaat entsteht. Diese Zeit ist sicher noch weit entfernt, denn zunächst werden die Gegensätze nicht gemildert, sondern verschärft werden. Der Judenstaat wird auch durch seine arabische Bevölkerung vor schwierige Probleme gestellt, aber diese werden prinzipiell nicht anders sein als sie auch ohne Teilung Palästinas gewesen wären, nur ist die Verantwortung für die Juden eine größere. Die Antwort, die seitens der Jewish Agency und auch sonst durch repräsentative jüdische Wortführer gegeben wird, konzentriert sich auf folgenden Punkt: Die Behauptung der Königlichen Kommission, daß sich das Mandat als undurchführbar erwiesen habe, sei falsch, vielmehr habe nur die Mandatarmacht versagt, insbesondere habe die Palästina-Regierung sich unfähig erwiesen, die öffentliche Sicherheit aufrecht zu erhalten, ja es habe an dem klaren Willen zur Durchführung des Mandates gefehlt. Indem der Bericht der Königlichen Kommission zurückgewiesen wird, ist daher von jüdischer Seite die Forderung gestellt, das Mandat in Geltung zu belassen, und nun erst in der richtigen Weise durchzuführen, das heißt einen etwaigen Widerstand der Araber gegen die fortschreitende Judaisierung des ganzen Landes mit Gewalt zu unterdrücken. Ob diese Argumentation die richtige ist, soll hier nicht entschieden werden. Wer den Bericht der Königlichen Kommission aufmerksam liest, muß zu dem Ergebnis kommen, daß sie die Sachlage genau studiert hat und daß ihre Darlegung überzeugend ist. Denn die Probleme, um die es sich handelt, liegen ja in den objektiven Tatsachen Palästinas begründet, und der jüdische Fehler bestand unseres Erachtens vor allem darin, daß bei der Formulierung der jüdischen Palästina-Politik niemals konsequent diesen objektiven Tatsachen, das heißt der Binationalität Palästinas, Rechnung getragen wurde. Die Königliche Kommission kommt von ihrem Standpunkt mit Recht zu dem Ergebnis, daß die Aspirationen der beiden Völker, von denen jede das ganze Land für sich verlangt, unvereinbar sinci und daß damit die bisherige These der englischen Palästina-Politik, wonach die beiden Bestandteile des Mandates — die Verpflichtungen gegenüber den Juden und die gegenüber den Arabern — miteinander vereinbar sind, zusammengebrochen ist. Um eine solche Schlußfolgerung zu verhindern, haben wir an dieser Stelle unausgesetzt darauf gedrungen, daß die Jewish Agency der Königlichen Kommission das Programm einer konstruktiven Palästina- Politik vorlegt, das auf dem Gedanken des Zweinationalitätenstaates, also der nach dem Grundsatz der Parität miteinander im gemeinsamen Lande lebenden Völker, unterbreiten soll. Dies war jedoch unmöglich, da die große Mehrheit der Zionisten ein solches Programm für Defaitismus hält. Die naive Vorstellung, daß die Königliche Kommission an der Tatsache der Existenz der Araber einfach vorbeigehen wird, hat sich, wie zu erwarten war, als Illusion erwiesen. Im übrigen ist eine graphische Darstellung interessant, die dem Peel-Bericht zur Illustrierung der Einwanderung beigegeben ist. Aus ihr geht hervor, daß bei einem ununterbrochenen jährlichen Zustrom