Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1937)
- Article
- Die Fragen der Ernährung in Palästina
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 359 (sequence 9)
- Language
- German
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Bei aufbauender Wirtschaft besteht die Einfuhr hauptsächlich aus Investitionsgütern (Maschinen, Baumaterialien1) und nicht aus Konsumgütern. Der große Anteil der Lebensmittel' konnte müheloser gedeckt werden, solange viel Kapital ins Land strömte. So muß die Einfuhr an Konsumgütern bei einer stark passiven Handelsbilanz außerordentlich groß erscheinen. Wenn auch manche dieser Waren allmählich in geringerem Umfange eingeführt werden, sobald das Land sie durch mehr Siedlungsprodukte zu decken imstande sein wird, so wird doch zunächst die gesamte Ausfuhr allein durch eingeführte Lebensmittel aufgewogen, an denen in der Handelsbilanz schätzungsweise — nach Berechnungen von Fachleuten — ein Drittel — rund 1 Million £P gespart werden könnte, würden Landesprodukte planvoll konsumiert und die Ernährung entsprechend gestaltet werden; für den einzelnen Verbraucher würde dies kaum spürbar werden und ins Gewicht fallen. Diese nicht unbedingt notwendigen Nahrungsmittel kosten Geld, für welches Maschinen oder Boden erworben werden könnten. Trockene Einfuhrziffern sprechen eine klare Sprache; so entsteht der Eindruck, daß das Gesicht der palästinensischen Ernährung auf Kosten der Handelsbilanz ein zu europäisches ist. Man muß nicht aus allzu statistischer Betrachtung in das Extrem verfallen, wahllos nur zu sparen und zu streichen; aber bei einer Einstellung, daß es nicht Alles geben muß, was man früher gewohnt war, was vom gesundheitlichen Standpunkt durchaus nicht notwendig ist und durch andere, neue Produkte einwandfrei ersetzt werden kann, dem Land jährlich 1 Million £P einzubringen — das ist doch ein Ziel. Dazu kommt, daß manche großen Posten, wie der für Schlachtvieh, nach allem vorher Dargelegten keineswegs für eine Kost eingeführt werden, die von den offiziellen Hygienestellen gutgeheißen wird. Hier, sowie bei Fisch- und Fleischkonserven einzuschränken, heißt nicht nur »Tozeret haarez«, sondern auch: es ist gesünder! Zucker wäre zum wesentlichen Teil — und ernährungsphysiologisch zum Nutzen — durch selbstgezüchteten Honig ersetzbar; Reis und Kartoffeln könnten Produkte wie Sago, Burgul (Grütze) weitgehend ersetzen. Bei intensiverer Verwertung der Orangen- und Grapefruit-Ernte zu Marmeladen, Säften, Gelee kann die Früchteeinfuhr bedeutend entlastet werden. Gerade hierfür immer wieder neue Zubereitungs- und Konservierungsmöglichkeiten aufzuzeigen, ist eine dankbare Aufgabe. Auch die Weizeneinruhr läßt sich wohl stark vermindern. Nach ungefährer Schätzung sind 150.000 £P dadurch zu sparen, daß man zu Weizenroggenmischbrot übergeht, oder eine neue Backart wählt, die Erzeugung gesäuerten Hefebrotes, das neben der Billigkeit den Vorzug hat, viel weniger schnell alt zu werden und nahrhafter und sättigender zu sein. Der Geschmack ist tadellos. Dazu wäre eine 7%ige Zugabe von Maismehl erforderlich (das zu 4% abgebrüht sein muß!) und 10% Edelsoja. Mir scheint nach Rücksprache mit maßgebenden Stellen die Einfuhr des Sojamehls eine wesentliche Hilfe zu bedeuten. Sie würde sich nicht nur auf das Budget erstrecken — das bei ungefährer Schätzung von eingeführten 1200 t für 30.000 £P — um zirka 34 Million £P erleichtert werden würde —, sondern würde auch nährstoffmäßig eine bedeutende Aufbesserung der Kost darstellen und die säuernden Lebensmittel in günstigem Sinne ersetzen. Die Verpflegung für den Einzelnen verbilligt sich dabei. In Deutschland sind nach Berechnungen durch weitgehende Verwendung des Sojaproduktes im Haushaltsbetrieb und in der Industrie 20% der reinen Ernährungskosten einzusparen. Durch seinen hohen Fett- und Eiweißgehalt kann es Fett, Fleisch, Eier, auch Zucker in der Schokoladenindustrie zu einem nennenswerten Teil vollwertig ersetzen. In der Industrie erspart es bei der Herstellung von Teigwaren den Eierzusatz, bei den Wurstwaren 10% der aus Fett und Fleisch bestehenden Wurstmasse. Im Haushalt