Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1937)
- Article
- Die Fragen der Ernährung in Palästina
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 356 (sequence 6)
- Language
- German
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Die Wizo halt persönliche Hausfrauenberatungen ab und hat viele Kochbücher und Diätblätter, Unterlagen für Massenspeisungsbetriebe u. dgl. herausgegeben. Ich empfand bei der hervorragenden Sorgfalt, mit der solche Blätter ausgearbeitet werden, nur leises Bedauern, daß die Richtlinien und Rezeptzusammenstellungen nicht noch klarer und mutiger die Tendenzen vertreten, die für eine ideale orientalische Kost wichtig sind, daß sie vielmehr allzu sehr auf Gewohntem fußen. Gewiß würde es dabei zunächst viel Ablehnung und Widerstand geben; da es aber eine Erfahrungstatsache ist, daß von Vorschlägen schließlich doch nur ein Teil zur Verwirklichung gelangt, sehen viele Hausfrauen bei diesen Zusammenstellungen nichts grundlegend anderes, bleiben also einfach bei ihrer europäischen Kostmanier, — mit dem einen oder anderen neu aufgenommenen Gericht. Dabei sind die wirklich notwendigen Umstellungen gering; bei den unten folgenden praktischen Hinweisen stelle ich sie zusammen. Im Eraährungsdepartement der Hadassah werden diese Bestrebungen auf breiter Basis ergänzt. An den Krankenhäusern erfolgt eine sachgemäße Beaufsichtigung von Normalkost und Diäten; an die Diätschwestern und das Pflegepersonal werden Unterweisungen erteilt. Köche und Kochlehrerinnen erfahren eine Vervollkommnung ihrer Kenntnisse. Für das ganze Land besteht eine Ernährungskommission, die auch die Errichtung von Modellküchen in den Kwuzoth plant. Auch für Ärzte wurden schon Diätvorträge arrangiert. Die Anlernung von Hausfrauen und Müttern wird sehr intensiv betrieben; wenn nur alle kommen würden! Ausstellungen, Demonstrationen und Zeitungsartikel1 unterstützen diese Arbeit. Als das einflußreichste Werkzeug, eine nachhaltige Wirkung für die Zukunft entfalten zu können, wird aber die Schule angesehen. Was die Kinder den Müttern zu Hause zwanglos berichten, fällt am leichtesten auf aufhahmebereiten Boden. Es wurden auch schon Versuche mit Kursen für Restaurateure gemacht, doch war dies kein Erfolg. Zeitmangel und die geschilderte Angst vor der Ablehnung seitens des Publikums hielten die meisten zurück, so daß der Versuch einer Beeinflussung auf diesem Wege scheiterte. Psychologische Momente sind überhaupt ein oft unüberwindliches Hindernis. Von der Lehrküche des Strauss-Hauses werden für den Herstellungspreis von 2 Piaster pro Portion die Mittagsmahlzeiten an das Emigrantenheim geschickt. Die hier gesammelten Beobachtungen waren recht überraschend. Während der ostjüdische Mensch sich nicht bewegen lassen will, von der altgewohnten, aber hier nicht angebrachten Zubereitungsform zu lassen, wünscht der Deutsche zäh, die ihm gewohnten und liebgewordenen Lebensmittel vollzählig vorzufinden. Rosenkohl und Kartoffeln sollen es sein — ungeachtet ihres unverhältismäßig hohen Preises. Chazilim, Kussa, Kürbis unc die billig erhältliche Burgulgrütze werden durchaus noch nicht akzeptiert; kalte, saure Gemüsesuppen, die wunderbar durststillend sind', finden betrüblicherweise auch keinen Anklang. Dafür wird gebieterisch nach Geflügel, Wurstwaren und Konserven, die sich bequem handhaben, verlangt. Wie ist es doch seltsam: Alle Einwanderer, welche Staatsangehörigkeit sie auch haben, nehmen Entbehrungen, Härten dieses Landes willig und heldenhaft auf sich; sie schneiden den alten Lebensfaden bewußt ab, wenn sie übersiedeln. Das Interesse und die Entwicklung des Landes liegt ihnen allen gleichermaßen am Herzen. Und gerade in diesem Punkt, wo es um bessere körperliche Verfassung und Leistungsfähigkeit ebenso wie um wesentliche staatliche Sparmaßnahmen geht, fehlt es bisher noch an der nötigen Einsicht. IV. Hinweise für die richtige palästinensische Ernährung. Welches ist demnach die zuträglichste Ernährungsweise? Unter ständiger Berücksichtigung individueller körperlicher Eigenarten, die gerade auf diesem Gebiet keine starre Schematisierung zulassen, wäre sie allgemein wie folgt zu skizzieren: