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Palästina · 1937-07-01 · Heft 7 (Juli 1937) · p. Seite 355

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 7 (Juli 1937)
Article
Die Fragen der Ernährung in Palästina
Date
1937-07-01
Page
Seite 355 (sequence 5)
Language
German
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gerichten. Es ist zuzugeben, daß sie sich dabei in einer gewissen Zwangslage befinden. Wenn der größte Teil des Publikums eine solche Ernährung weiter zu haben wünscht, ist es für den Restaurateur ein Wagnis, sich auf eine andere Kost unizustellen, obwohl dies nicht in krasser Form notwendig wäre. Hier Wandel zu schaffen, heißt den Hebel vor allem beim Konsumenten anzusetzen. Verlangt dieser selbst nach leichterer, angepaßterer Kost, so kann der Restaurateur folgen; — er muß es dann sogar. Ähnliches hat man vor Jahren auch in Deutschland erlebt: daß die Gasthäuser ganz allmählich dazu übergingen, ihre Speisekarte nach dem Schwerpunkt einwandfreier Gemüse-, Salat- und Obstbeikost zu verschieben. In Palästina ist das einfach eine gesundheitliche Notwendigkeit. Rohe Salate und Gerichte sollten in Restaurants gewöhnlich vermieden werden, weil die Desinfektion des ungekochten Materials — ungeschulten Händen anvertraut — leider meist zu wünschen übrig läßt. Es gibt einzelne Restaurants, die bereits jetzt sehr einwandfrei kochen. Diese sind immer stark besucht. Die meisten haben sich dabei auf vegetarische Kost mit Fischgerichten, also unter völliger Ausschaltung von Fleisch, eingestellt, was auch die koschere Küchenführung ungemein erleichtert. Auch ein angesehenes Sanatorium führt solche Kost; ebenso traf ich in einer Großsiedlung eine ausgezeichnet geleitete fleischlose Küche. Daß es allerdings wiederum mit fleischloser Küchenführüng allein nicht getan ist, sah ich am Beispiel eines großen Kantinenbetriebes. Hier lag die Leitung in den Händen von Frauen, die zwar den guten Willen hatten, aber mangels ausreichender Kenntnisse gar nicht in der Lage waren, etwas anderes an die Stelle der immer wieder in Mengen verwendeten Öle und Eier zu setzen. Neben den gesundheitlichen Nachteilen einer säuernden, zu fleisch- und fettreichen Kost handelt es sich noch um ein zweites Problem, nämlich um die richtige und vielseitige Verwendung der Landesprodukte. Ihr Verbrauch ist ein positiver Faktor für die Handelsbilanz, worauf noch eingegangen werden wird. Der Hinweis auf vorläufige R^ängel in der Gestaltung der Verpflegung erscheint somit als eine sehr dringliche Aufgabe für alle neuen Ansiedler, ganz besonders aber für neu Einwandernde und Touristen; denn durch genaue Kenntnis der bestehenden Verhältnisse und' ihrer Schwierigkeiten und die Information und Unterweisung im Lande selbst muß Jeder sich mit einer klimatisch und individuell angepaßten Kost vor Störungen zu schützen suchen und seinerseits aufklärend mithelfen. HI» Offizielle Stellen und ihr Wirkungsfeld. Einen solchen hygienischen Aufklärungsfeldzug zu führen, haben sich die Wizo, die Histadruth und die Strauss-Gesundheitszentren zur Aufgabe gemacht. Das Programm sucht aUe Schichten und mit diesen Fragen betrauten Personen zu erfassen. So schickt die Wizo eine Anzahl von Lehrerinnen abwechselnd zur Unterweisung in alle Siedlungen und bleibt dann mit den bereits »behandelten« Kibbuzim in ständiger Verbindung. Leider sind die Geldmittel zu knapp, um mehr Lehrerinnen halten zu können. Sie arbeiten auf jeder Siedlung ein bis zwei Monate, wobei es für den Erfolg nachteilig ist, daß die Mädchen im Küchendienst zu oft wechseln. Dreimal im Jahre ist Ernte verschiedenartiger Gemüse. Dabei wird es so eingerichtet, daß die Instruktorin jedes Jahr zu einer anderen Ernte kommt, so daß die Verwendungsmöglichkeiten jeweils anderer Produkte gezeigt werden können. Einen wunderbaren Eindruck machen die Lehrfarmen und Haushaltungsschulen der Wizo. Hier wird in ein bis zwei Jahren neben anderen Fächern auch alles gelehrt, was über Ernährung und Diätetik wissenswert ist.

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