Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1937)
- Article
- Die Fragen der Ernährung in Palästina
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 354 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2379786-2379953-2379961-2411758--25483-2411928- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
servenkonsum nicht gern gesehen. Allerdings gibt es viel selbstgezogenes Gemüse. Auf Hühnerfarmen düngt man es mit dem im Vergleich zu Kuhdung viel intensiverem Hühnerdung. Die den Kwuzoth und Kibbuzim zur Verfügung stehenden Geldmittel sind sehr genau eingeteilt. Was zusätzlich gekauft wird, muß sorgsam auskalkuliert werden, und es wird viel Überlegung aufgebracht, den Verpflegungsplan aufzustellen. Diese Aufgabe liegt in den Händen einer "Wirtschafterin. Der Gesundheitszustand der Chawerim wird bei planvollem Ausbau einer »leichteren« Kost bereits von Jahr zu Jahr besser. Eine Erscheinung, die ich überall beobachten konnte, ist das unbestreitbare Vorwiegen ostjüdlischer Küchenführung. (Stark gewürzt, sehr fett, viel Fleisch und Eier, wenig Gemüse und Salate.) Die Verdienste der ostjüdischen Poalim sind in der Erschließung des Landes grandios. Aber diese Küchenführung ist verfehlt. Sie ist in der heißen Zeit für den mitteleuropäisch gewöhnten Magen viel zu schwer; es ist ein harter Kampf, die Notwendigkeit einer Milch-, Obst-, Gemüsekost klarzumachen. Weniger Fleisch bedeutet in Palästina noch immer: »schlecht«. Die schmackhafte Gemüsezubereitung im Dunstverfahren wird noch selten gehandhabt. Aber mehr und mehr werden Milchprodukte genossen; eine besondere Rolle spielt in Palästina der »Lebben«, eine Joghurtart, die durch ihre Säurebakterien in sehr günstiger Weise die Darmflora beeinflußt und Darmstörungen heilt. Hülsenfrüchte sind in der heißen Zeit auch zu schwer verdaulich; erfreulicherweise sind die meisten Kibbuzim bereits dazu übergegangen, sie im Sommer vom Küchenzettel zu streichen. Ich war erstaunt, sie fast überall »geschält« verkauft und verwendet zu sehen. Im Nathan-Strauss-Haus hörte ich, daß sephardische Geschäfte auch die vollwertigere, ungeschälte Ware führen, wie dies bei uns schon üblich ist. Kartoffeln sind1 für die Siedlung eine Delikatesse; sie sind, wenn importiert, zu teuer und brauchen beim Selbstziehen viel kostspieliges Wasser und Mühe. Auch hier geht man vernünftigerweise immer mehr dazu über, sich mit der schmackhaften Zubereitung der Landesprodukte zu befreunden. Zugaben werden hauptsächlich denen bewilligt, die krank oder genesend sind, Schwangeren und Stillenden; sie bestehen aus reichlichen Obstgaben, saurer Sahne, Butter und Eiern. Das Kochen ist den Mädchen anvertraut, die abwechselnd dazu herangezogen werden. Nicht alle eignen sich dafür, was Ausbildung und Lust zur Sache anbelangt. Häufig hört man sagen: wir sind nicht nach Erez gekommen, um zu kochen, wir wollen das Land bebauen. Das ist schade, denn unter unsachgemäßer, lustloser Küchenführung leidet der ganze Kibbuz. Auf einer landwirtschaftlichen Farm klagten die Mädchen, daß es zur Erntezeit bestimmter Gemüse- und Obstsorten diese wochenlang in gleicher Kostform gäbe. Die Instruktorinnen der Wizo tun ihr Bestes, darin allmählich durch Unterweisungen Wandel zu schaffen. Die Parallele zu den ländlichen Verpflegungsbetrieben bilden die städtischen Massenspeisungen für Arbeiter und Studenten. Die Arbeiterküche — Mitbach poalim — verdient allein schon-wegen ihrer vorbildlichen Organisation beschrieben zu werden. Diese Einrichtung ist für den Arbeiter da; wer sie nicht kennt, hat einen der wesentlichsten Eindrücke Palästinas versäumt. Für 3 Piaster kann man ausreichend essen. Von der Speisenkarte — die sehr vielseitig ist — werden überraschend viel Lebben, Fruchtsaft, Quark und Rohkostgerichte gefordert. Zubereitung und Bedienung sind mustergültig sauber und angenehm. Die Küchenräume sind mit ihren modernen Geräten und ihrer hellen, großzügigen Zweckdienlichkeit ganz bewundernswert. Die Mehrzahl der städtischen Restaurants bevorzugt noch stark eine scharf gewürzte, fette, eiweißreiche Fleischküche mit stiefmütterlich behandelten Gemüse-