Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1937)
- Article
- Die Fragen der Ernährung in Palästina
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 353 (sequence 3)
- Language
- German
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3 P aufgebaut: auf der Protektion, auf dem Pach (Blechkanister, dessen Verwendungsmöglichkeit zwischen dem Aufbewahren von Flüssigkeiten bis zum Hausbau-Material schwankt) und auf dem Primus. Der Einkauf und1 die Beschaffung der Lebensmittel sind durchaus einfach, bei den ungewohnten Umständen häufig sehr drollig; man kann auf dem Schuk (Markt) sowohl vom jüdischen wie vom arabischen Händler alles haben, wobei das Handeln beim Araber verstanden sein muß. Die arabische Ware ist zwar billiger, aber schlechter gepackt und aussortiert. Da man gequetschte Früchte nicht mehr desinfizieren kann, muß darauf geachtet werden. Früchte, die nur einen kleinen Schnitt haben, sind bereits am nächsten Tage verdorben. So werden auch Stilorangen bevorzugt, weil sie im Gegensatz zu den andern, Abgefallenen, abgeschnitten sind. Früchte, besonders natürlich Orangen und Grapes, sind' unvorstellbar billig. Nach einem Sturm wurden vergangenes Jahr 200 Stück für 1 Piaster (entspricht ungefähr 26 Groschen) verkauft. Auch als Hühnerfutter haben sie sich bewährt. Eine große Rolle spielen die Chazilim (Auberginen, Eierfrüchte) und die Kussa, beides gurkenähnliche Früchte, die sehr gut schmecken und in stets neuen Abwandlungen zubereitet werden können. Man erzählte mir, daß eine gute arabische Hausfrau 42 Chazilimgerichte kochen können muß. Hier liegt bisher bei vielen Eingewanderten der Grund, diese und andere Landesprodukte abzulehnen: sie verstehen nicht, sie abwechslungsreich zuzubereiten. Zur Zeit der Orangenemte z. B. könnte aus den Früchten noch viel mehr herausgeholt werden, als es geschieht. Orangen- und Grapefruchtmarmelade wird von vielen nicht geschätzt; der Engländer ißt sie täglich. Weintrauben und Melonen sind reichlich erhältlich; die Artischocke stellt wegen ihrer Billigkeit keineswegs eine Delikatesse dar, dafür ist Spargel außerordentlich teuer. Das Gemüse der Jahreszeit soll nicht mehr als 3 Piaster das Rottel (zirka 3 kg) kosten, wobei der Verzicht auf das überteuerte ausländische Gemüse eine wesentliche Einfuhrersparnis bedeuten würde. Die Fleischereien — jetzt bereits alle mit einwandfreien Kühlvorrichtungen ausgestattet — führen alles nach europäischem Muster. Hammelfleisch ist knapp, weil es von Arabern viel gegessen wird, Kalbfleisch, weil es eingeführt werden muß, sehr teuer. Bei koscherer Küchenfüihrung sind die Fleischverwendungsmöglichkeiten sogar größer als in Europa, weil auch das »Hinterviertel« gekaschert wird. - Gut Disponieren-können wird wegen der leichten Verderblichkeit der Lebensmittel zur Kardinalfrage. Zu den Schwierigkeiten, die noch vor zwei Jahren bei der Beschaffung des Wassers bestanden, als man es für viel Geld von weither holen mußte, steht in seltsamem Gegensatz die stolze Feststellung: es gibt in Delikatessenläden alles, was wir haben wollen. Diese Einstellung kann nicht als glücklich bezeichnet werden, wenn man die hohen Einfuhrziffern für Schlachtvieh, Weizen und andere, zum Teil ersetzbare Lebens- und Genußmittel nüchtern betrachtet. Ich will sie unten in ziffernmäßiger Zusammenstellung bringen und daran einige Hinweise schließen. Die Verpflegungsverhältnisse auf dem Lande ergeben durchaus kein einheitliches Bild. Sie richten sich stark danach, wie weit die Siedlung von der Stadt entfernt ist, aus der alles Wünschenswerte herbeigeschafft werden kann:. Die Tendenz geht natürlich dahin, die Produkte des Betriebes zu verwenden. In welchem Umfange zusätzliche Lebensmittel aus der Stadt in den Verpflegungsplan aufgenommen werden, hängt von der jeweiligen Finanzlage ab. So traf ich in einer kooperativen Siedlung auf städtisch anmutende Genüsse, wie Fischkonserven, englische Brotaufstricharten u. d'gl. So erfreulich dieser verbesserte Standard individuell erscheint, so gibt er, importmäßig betrachtet, zu denken. Auch von offiziellen Stellen wird der allzu stark bevorzugte Kon-