Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1937)
- Article
- Zur gegenwärtigen Lage der palästinensischen Zitruswirtschaft
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 350 (sequence 9)
- Language
- German
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jeder Exportkiste erhobenen Propagandaabgabe eine Reklameaktion durchgeführt, die in Zukunft erweitert werden müßte. Dagegen wäre es ein Irrtum anzunehmen, daß bei Grapefrucht durch Anstrengungen zur Eroberung neuer Märkte und Vergrößerung ihres Verbrauchs pro Kopf gute Resultate erzielt werden können. Ein großer Teil der Grapefrüchte wird auch in den kommenden Jahren im Lande verbleiben müssen, um die unnötigen Spesen der Verpackung, des Transportes und des Verkaufes zu ersparen. Die Pflanzer werden keinen anderen Ausweg haben, als womöglich die noch jungen Grapefruchtbäume mit Orangen zu veredeln und die überschüssigen Grapefrüchte zu möglichst billigen Preisen im Inlande zu verkaufen. Zur Marktpolitik gehört auch die fehlende Regelung des »Brara«-Verkaufes im Inland und in den Nachbarländern sowie die Entwicklung der industriellen Verarbeitung der Früchte. Zwar kann der Ertrag der »Brara« und der an Saft- oder Konservenfabriken verkauften Früchte den Pflanzern keinen nennenswerten Verdienst zusichern. Ihr Verkauf kann aber die Menge der wegzuwerfenden Früchte verringern, vielleicht die Unkosten ihrer Pflückung decken. Was die landwirtschaftlich-technischen Fragen anbelangt, so steht die palästinensische Orangenkultur im allgemeinen auf der Höhe. Auf allfällige Verbesserungen der Bearbeituingsmethoden oder Variationen der Pflanzungen kann hier nicht näher eingegangen werden. Jedenfalls werden die Pflanzer genötigt sein, angesichts ihrer schweren wirtschaftlichen Lage, nach zwei Richtungen hin Vorkehrungen zu treffen. Um die Wiederholung der in diesem Jahre so intensiv aufgetretenen Fruchtfäulnis zu vermeiden, müssen gewisse sanitäre Vorrichtungen in den Gärten und Packhäusern durchgeführt werden. Selbst wenn die Regierung eine wirksame Aufsicht der Pflanzungen, Packhäuser und Sendungen vornehmen sollte, wird doch der Pflanzer selbst die völlige Durchführung der nötigen Maßnahmen zu überwachen haben. Mit Rücksicht auf die Preise, die wohl nicht so rasch steigen werden, werden die Pflanzer ferner genötigt sein, die Bearbeitung ihrer Plantagen zu verbilligen. Es gibt vernünftige Wege zur Verringerung der Spesen, was allerdings nicht auf Kosten der Arbeitslöhne geschehen soll, sondern durch Anwendung rationeller Bearbeitungsmethoden. Im übrigen aber stehen die Pflanzer jetzt vor der Notwendigkeit, die Plantagen nacli Möglichkeit zu variieren und, sofern sie über unbepflanzten Boden verfügen, gemischte Wirtschaft zu betreiben. Unsere Pflanzer müssen mehr Zitrusarten und -sorten züchten, als es jetzt der Fall ist. Neben die »Jaffa«-Orange, die eigentlich erst im Dezember ihre volle Reife erreicht, müssen früher reifende Sorten, wie z. B. »Washington Navel« treten. Wo man die zusätzlichen Sorten durch Veredlung aufpropfen kann, muß dies geschehen. Auch die Zitronenpflanzung wird mit Nutzen auszudehnen sein. Diese Kultur wurde in der Nachkriegszeit gänzlich vernachlässigt. Auch die Pflanzung gewisser Mandarinensorten (»Qementina«, »Satsuma« usw.) und eine weitere Verbreitung der spätreifenden Orange »Valencia« werden vorteilhaft sein. Wer über Boden verfügt, der für andere Pflanzungen brauchbar ist, wird es nützlich finden, Tafeltrauben anzubauen, die in den letzten Jahren in den neueren Wirtschaften so glänzende Ergebnisse gezeitigt haben3. Ferner soll die auf dem Gebiete der »nördlichen« Früchte gesammelte Erfahrung genutzt und die in unserem Lande gut geratenden Äpfel- und Pflaumensorten gepflanzt werden, welche Früchte jährlich aus Nordamerika, Australien, Italien, Rumänien usw. für Hunderttausende von Pfunden importiert werden. 3 Der Verfasser hat bekanndich diese Zucht vor eineinhalb Jahrzehnten in Palästina selbst eingeführt (Anm. der Red.).