Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1937)
- Article
- Zur gegenwärtigen Lage der palästinensischen Zitruswirtschaft
- Date
- 1937-07-01
- Page
- Seite 351 (sequence 10)
- Language
- German
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Es ist anzunehmen, daß die gegenwärtige Krise viele, noöh freien Boden besitzende Pflanzer bewegen wird, ihr Augenmerk anderen Wirtschaftszweigen als Pflanzungen zuzuwenden. Es wird für die Privat- und auch für die Gesamtwirtschaft vorteilhaft sein, wenn der Milchindustrie, der Geflügelzucht und dem Gemüsebau, wie sie von den neuen Siedlern im Lande betrieben werden, auch jene Kreise Energie, Arbeit und Kapital zuwenden werden, die bisher bestrebt waren, sich nur auf das Gebiet der Zitruspflanzung zu verlegen, ungeachtet der mit der Einseitigkeit der Betriebe stets verbundenen Gefahren. Schlußfolgerungen und Prognose» Aus dieser gedrängten Schilderung der Wege zur Behebung der Zitruskrise ist zu ersehen, daß eine gewisse Zeit erforderlich ist, um alle nötigen Maßnahmen zu verwirklichen. Deren Inangriffnahme durch alle Interessenten muß jedoch gleich erfolgen. Dann ist anzunehmen, daß der erwünschte Erfolg erreicht wird. Nicht nur die gemischte Wirtschaft, auch die Orangenkultur hat ungeachtet der schlechten Ergebnisse des letzten Jahres, Aussichten auf weitere Erfolge und kann auch in der Zukunft eine gute Einnahmequelle für die Eigentümer, Arbeiter und Kaufleute und für das Land im allgemeinen darstellen. Es ist aber wohl nicht denkbar, daß die sehr gute Konjunktur der letzten Jahre in absehbarer Zeit für die Orangenkultur wiederkehren wird. Doch andererseits besteht kein Grund, um an diesem Wirtschaftszweige zu verzweifeln, wie es bei manchen jetzt der Fall ist, die im letzten Jahre Verluste hatten, oder bei solchen, die junge Plantagen besitzen oder vor etwa zwei Jahren neue Zitruspflanzungen anlegen wollten. Wenn man auf Grund der Gewinne der letzten Jahre noch vor kurzem auf eine 10 bis 12%ige Verzinsung des in Zitruspflanzung en investierten Kapitals hoffte, so wird man in Zukunft, nach Verwirklichung der Sanierung dieser Kultur und der Regelung im Fruchtvertrieb, mit kleineren Gewinnen vorlieb nehmen müssen. Vielleicht werden es dann 5 bis 6% sein. Doch wird auf jeden Fall die Zitrusproduktion einer der dem palästinensischen Klima am besten angepaßten Wirtschaftszweige bleiben. Es ist anzunehmen, daß die Zitruskultur wieder an die Spitze der landwirtschaftlichen Produktion Palästinas treten wird, wenn auch nicht als ihr »Hätschelkind«, falls innerhalb einer kurzen Frist — etwa drei Jahre — die Verbesserungen in der Organisation des Verkaufes, der Sortenvariierung und alle sonstigen notwendigen Maßnahmen seitens der Pflanzer, Exporteure und der Regierung durchgeführt werden. Die Fragen der Ernährung in Palästina Beobachtungen und Ergebnisse einer Studienfahrt«. Von Heti Horwitz-Schiller, Berlin. I. Die allgemeine Einstellung* Der Orient wirft sich sofort mit eigentümlicher Gewalt auf den Menschen, und die seelische und körperliche Struktur ändert sich dabei. Ich traf niemanden, der sich dieser »Ilmprägung«, die viel stärker als anderswo ist, hätte entziehen können. Immer wieder begegneten mir zwei gänzlich verschiedene Einstellungen, die ich als charakteristisch empfand für die neugefundene Synthese der eigenen Lebenshaltung: der vorurteilslose, die neuen Gegebenheiten bejahende Elan, sich völlig und möglichst schnell dem Lande mit seinen Forderungen hinzugeben; und die konservative, unaufgeschlos-