Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1937)
- Article
- Die Wirtschaft im Wartezustand
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 311 (sequence 3)
- Language
- German
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In dieser Hinsicht hat das Statistische Amt neuerdings sehr bedenkliche Ergebnis einer neuen Erhebung veröffentlicht. Man glaubte bisher immer, daß der Touristen- und Reisendenverkehr für Palästina ein aktiver Zahlungsbilanzposten ist. Nach den Feststellungen des Statistischen Amtes ergeben sich aber für Februar und Marz folgende Ausgaben abreisender Touristen in Palästina einerseits und Ausgaben rückkehrender palästinensischer Einwohner im Ausland andererseits: Abreisende Touristen Rückkehrende Einwohner Palästinas Zahl Ausgaben in Palästina Zahl Ausgaben im Ausland 3431 37.689 £P 4101 60.462 £P 5008 66.005 £P 4542 68.864 £P 103.694 £P 129.326 £P Demnach erweist sich also auch die Bilanz des Touristen- und Reisendenverkehrs als ein Passivposten der Zahlungsbilanz! Und das ist, was besonders bemerkenswert ist, bereits in den Monaten Februar und März der Fall, in denen der Touristenverkehr in Palästina den Höhepunkt erreicht, während der Auslandsreiseverkehr palästinensischer Einwohner vor allem im Sommer stattfindet. Die obigen Ziffern sind insofern unvollständig, als ein Teil der Touristen und rückkehrenden Reisenden keine Angaben über die verausgabten Beträge gemacht hat: es scheint aber, daß bei Berücksichtigung dieser Lücke sich das Bild noch ungünstiger gestaltet, da mehr rückkehrende Einwohner als ausreisende Touristen die Angaben verweigerten. Während der Touristenverkehr in Pajästina in den ersten drei Monaten dieses Jahres mit rund 17.000 Touristen gegenüber dem Vorjahr unverändert ist, hat sich die Zahl der ins Ausland reisenden Einwohner Palastinas im Jänner/März von rund 14.000 im Vorjahr auf rund 17.000 erhöht. In Anbetracht des abgeschwächten Touristenverkehrs in Palästina und des steigenden Umfanges, den der Au'slandsreiseverkehr auch in diesem Jahre wieder annimmt, erhöht daher auch der Touristen- und Reisendenverkehr in nicht unbeträchtlichem Ausmaß das Passivum der Zahlungsbilanz, anstatt, wie man bisher glaubte, einen Aktivposten darzustellen. Die Depositeneinlagen bei den Banken und Kreditgenossenschaften schwanken im ganzen Verlauf des letzten Jahres nur in sehr engen Grenzen und stellen sich per Ende Februar dieses Jahres mit 17,04 Millionen £P ziemlich genau so hoch wie vor einem Jahre — es ist weder eine Steigerung noch ein Rückgang zu verzeichnen. Es wird mit Interesse zu verfolgen sein, wie sich der scharfe Rückgang des Kapitalimportes, der in diesem Jahr das Defizit der Handelsbilanz kaum ausgleichen dürfte, im weiteren Verläufe des Jahres auf die Bankbilanzen auswirken wird. Jedenfalls ist es erforderlich, daß die verantwortlichen Instanzen die sich aus dem verminderten Kapitalimport ergebenden Konsequenzen aufmerksam verfolgen. Letzten Endes gibt es nur ein Ausgleichsmittel: scharfe Zollerhöhucig auf Luxusprodükte und solche Produkte, die im Lande erzeu'gt werden kennen. Bisher verdeckte der starke Kapitalimport der letzten Jahre die auf die Dauer unhaltbare Situation einer Handelsbilanz, bei der sich Import zu Export wie 3 zu 1 verhalten. Die vorläufigen Abscblußziffern der Regierungseinnahmen und -ausgaben für das Finanzjahr 1936/37 ergeben bei einer Einnahme von 4,62 Millionen £P (gegenüber 5,77 Millionen £P im Finanzjahr 1935/36) und einer Ausgabe von 5,99 Millionen £P (4,24 Millionen £P) ein Defizit von 1,37 Millionen £P, das ziemlich genau den erhöhten Ausgaben für polizeiliche und militärische Zwecke entspricht. Der Finanzüberschuß vermindert sich infolgedessen von 6,27 Millionen £P per 31. März 1936 auf 4,90 Millionen £P per 31. März 1937. Es ist immerhin bemerkenswert, daß die Re¬ Februar März