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Palästina · 1937-06-01 · Heft 6 (Juni 1937) · p. Seite 306

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 6 (Juni 1937)
Article
Englische Schiffahrt und Palästina
Date
1937-06-01
Page
Seite 306 (sequence 3)
Language
German
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Zunächst ist festzustellen, daß die hiesigen Vertreter der englischen Linien eine sehr konservative Haltung einnehmen und noch immer auf dem Standpunkt stehen, daß der arabische Wirtschaftssektor im Lande wichtiger ist als der jüdische und besonderer Pflege bedarf. Sie übersehen den absoluten wirtschaftlichen Wandel, der in Palästina in den letzten Jahren vor sich gegangen ist. Nicht der arabische Wirtschaftssektor ist jetzt die treibende Kraft, sondern das jüdische Aufbauwerk steht im Mittelpunkt der palästinensischen Wirtschaft. Man vergißt, daß z. B. 85% des gesamten Imports auf englischen Schiffen durch jüdische Hände gehen. Man macht sich nicht klar, daß jetzt schon die Juden 55% der gesamten Orangenproduktion Palästinas kontrollieren. Daß nach dem völligen Niedergang Jaffas als Hafen sich die Position für die Juden weiterhin verbessert hat und die jüdische Wirtschaft einen maßgebenden Einfluß bei Vergebung von Aufträgen besitzt, daß der Export von Kali, dem wichtigsten Ausfuhrprodukt nach den Zitrusfrüchten, von Jahr zu Jahr gestiegen ist und gleichfalls jüdischem Einfluß unterliegt; all dies wird von den maßgebenden Stellen der Linien nicht im entferntesten gewürdigt. Aber nicht nur die hiesige Leitung, deren Aufgabe es eigentlich sein sollte, den Markt genau zu beobachten und entsprechende Schlüsse zu ziehen, ignoriert diese Tatsachen vollkommen, auch jene in England scheint nicht besonders geneigt, all diesen Momenten Rechnung zu tragen. Daß natürlich auch pro-arabische Sympathien der betreffenden Herren mitspielen, die gewohnt sind, mit »natives« zu verhandeln, die gewissermaßen den Monopolstandpunkt der englischen Linien von vornherein anerkennen, ist bei dieser Betrachtung gleichfalls nicht außer Acht zu lassen. Man kann mit Juden doch wohl nicht in der gleichen Weise umgehen wie mit den arabischen Partnern. Was die Orangenverschiffungen selbst betrifft, so spielen außerdem noch andere wichtige Momente eine Rolle. Es wird von den englischen Linien kein genügender Schiffsraum beigestellt; die meisten englischen Schiffe sind zudem veraltet und besitzen nicht die Geschwindigkeit, die für einen Transport von Zitrusfrüchten notwendig ist. Eine kleine Änderung in dieser Richtung ist im vergangenen Jahre insofern erfolgt, als eine der englischen Linien, die Prince Line, drei neue Schiffe in Dienst gestellt hat. Alle diese Dinge zeigen abschließend, daß die englische Schiffahrt an Palästina nicht besonders interessiert ist. Es ist richtig, daß der ägyptische Frachtenmarkt für sie wichtiger ist, aber andererseits sollten sich die maßgebenden Herren der englischen Linien der Gefahr bewußt sein, daß es zwischen den jüdischen Pflanzern und Verschiffungsagenten auf der einen Seite und den skandinavischen Linien auf der anderen Seite einmal zu einer festeren Bindung kommen könnte, wobei die englischen Linien die Leidtragenden wären, da sie sich dann tatsächlich nur auf den arabischen Wirtschaftssektor stützen könnten. Es ist von leitenden jüdischen Stellen an englische Kreise unlängst der Appell gerichtet worden, eine Organisierung der Orangenverschiffungen in der Weise gemeinsam durchzuführen, daß englische Dampfer in den Wintermonaten November bis April die palästinensischen Zitrusfrüchte transportieren und in den Sommermonaten die jeweiligen Saisonverschiffungen von anderen Ländern durchführen zu lassen. Es bleibt abzuwarten, ob englische Kreise für einen derartigen Plan, der eine enge wirtschaftliche und finanzielle Zusammenarbeit voraussetzt, zu gewinnen sind. Eine einheitliche Organisierung der Zitrusfrüchtewirtschaft und der damit zusammenhängenden Transporte ist mehr als je erforderlich. Gegenwärtig bestehen drei große Organisationen, die unabhängig von einander die Orangenverschiffungen vornehmen: 1. Die arabischen Pflanzer, die im wesentlichen mit der Prince Line verschiffen.

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