Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1937)
- Article
- Bemerkungen über die Notwendigkeit einer rationellen Krisenpolitik
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 289 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379953-2379960-2411443--25243-2411629- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Schaffung solcher Zentren dürfte etwa 300.000 £ Kapital erfordern — den Boden, an dem nicht gekargt werden darf, nicht eingerechnet39. Es wird Sache des Keren Kajemeth sein, den Boden beizustellen, der nationale Nutzen daraus wird mindestens so groß sein, wie der aus der Verpachtung zu Wohnbauzwecken. Die Finanzierung könnte nach den beim Shikhun angewendeten Grundsätzen erfolgen. 100.000 £ wären von den öffentlichen Fonds bereitzustellen und der Rest durch neue Obligationenemission aufzubringen. Es ist zu hoffen, daß eine Emission für einen »produktiven« Zweck beim Publikum einen besseren Widerhall finden wird, als die Shikhun- Obligationen, wo man, nicht ganz mit Unrecht, Philantropie wittert. Das wirtschaftliche ResuiBtat wäre das Folgende: 1. Arbeitsbeschaffung, also dasselbe Resultat wie beim Shikhun. 2. Schaffung von Arbeitsplätzen, die dauernd und nicht, wie beim Bau, zeitweilig sind. 3. Sollte der Zuspruch der Gäste den Erwartungen entsprechen, so wird dies für das private Kapital ein Wegweiser sein. Man muß sich bei der Behandlung der Frage des Fremdenverkehrs vor Augen halten, daß unser privates Kapital außerstande ist den Anfang zu machen. Das Zurechtmachen des Landes für den Fremdenverkehr und seine Einführung auf den Weltmarkt übersteigt eben die Kraft und das Können unserer 1000- und sogar 10.000-£-Kapitalisten. 4. Sogar wenn wir annehmen, daß dieser Plan erst später Erfolg haben wird, ist der Hotelbau nicht als Fehlinvestition anzusehen. Ein Hotel mit 500 (guten) Betten ist für die Verhältnisse des Landes gewiß nicht übertrieben groß. Es scheint jedoch, daß kein Grund zum Pessimismus vorhanden ist, und daß nur der erste Schritt nottut, um eine blühende Industrie aufzubauen. Probieren geht über studieren. Dem Hotelgewerbe ist soviel Raum gewidmet worden, weil es am glücklichsten die Aufbauarbeit für die Zukunft mit sofortiger Arbeitsbeschaffung verbindet. Es hat eben vor dem Shikhun den Vorteil, daß der Shikhun dem Arbeiter eine Wohnung gibt, das Hotelgewerbe aber einen Arbeitsplatz. Ansonsten erscheint die Aufgabe vor der wir stehen, nicht so einfach. Neue Möglichkeiten bietet nur die Industrie. Während der Weltwirtschaftskrise hat man gründlich vergessen, daß: »vom Gesichtspunkt der Industrie das ganze Gerede über die Fassungskraft Palästinas nicht am Platz ist und ein für allemal abgetan werden sollte« 40. Denn nur Vergessen kann wohl erklären, daß die Unterstützung für diesen Wirtschaftszweig, bestenfalls in — schwer erhältlichen Darlehen — zu 7 bis 8 bis 9% besteht. Gerade jetzt ist die Entwicklung der Industrie von ganz besonderer Wichtigkeit. Unsere Landwirtschaft ist, außer der Pardessanuth, auf den Binnenmarkt angewiesen 41. Nun steht unser Binnenmarkt am Anfang eines Schrumpfungsprozesses, welcher eine irgendwie bedeutende Ausdehnung der Landwirtschaft unmöglich macht. Dagegen ist 39 Dagegen eingerechnet die Ausbildung des Personals. Ausländisches Personal wird im Anfang nicht zu entbehren sein. Das internationale Publikum ist an einen gewissen Standard der Bedienung gewöhnt und für die Genüsse der Bedienung durch Doktoren im allgemeinen nicht empfänglich. 40 Palestine Settlement, Urban Development & Immigration. Memorandum submitted by the Jewish Agency to Sir John Hope-Simpson, London 1930, Seite 71. 41 Vgl. jedoch zum Exportzwang der Landwirtschaft: D. Horowitz in »Palästina« 1932, Seite 153 ff., und Brutzkus im »Ccoperative Bulletin«, Dezember 1936.