Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1937)
- Article
- Bemerkungen über die Notwendigkeit einer rationellen Krisenpolitik
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 288 (sequence 10)
- Language
- German
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[ zutage kann man das Land »im Urzustand« an Touristen nicht verkaufen, es muß entsprechend »zubereitet« werden und Palästina fehlt es — außer dem Straßennetz — vollständig an der Zubereitung 33. Deshalb ist unser Anteil am internationalen Fremdenverkehr sehr gering. Man darf sich durch den Strom jüdischer Touristen der letzten Jahre nicht irreführen lassen. Dieser Fremdenverkehr war ein Zwitter von nationaler Pilgerfahrt und Geschäftsreise, aber kein Fremdenverkehr im gewöhnlichen Sinne. Der beste Beweis für die gegenwärtig geringe Anziehungskraft des Landes für gewöhnliche Touristen ist, daß nur Wenige mehrere "Wochen an einem Ort verbringen. Bei der großen internationalen Konkurrenz um den Fremdenverkehr wird das Land nur dann eine entsprechende Anziehungskraft ausüben, wenn es neben seinen natürlichen Reizen auch bequeme Unterkunft, die richtige Atmosphäre und das entsprechende Milieu, bieten kann. Wir haben heute in Palästina höchstens sechs bis sieben Hotels, die diesen Namen in Anspruch nehmen können. Von ihnen haben nur drei oder vier mehr als 50 Betten. Alles andere sind Pensionen oder Hotels sehr schlechter Klasse. Über Bedienung und Hotelsitten zu sprechen erübrigt sich 34. Es fehlt in Palästina — und ganz besonders im jüdischen Palästina — auch die ruhige Atmosphäre, welche Fremde erwarten35. In Tel Aviv und Haifa (trotz Karmel) findet der Fremde nirgends jene Mischung von Ruhe und Unterhaltung, die er sucht. Diese »Atmosphäre« kann nur dann entstehen, wenn die Fremden — nicht Geschäftsreisende oder Spekulanten — in genügend großer Zahl kommen und sich ihre eigene Welt schaffen. Die entsprechenden Vorbedingungen zu schaffen, ist unsere Sache. Der Maßstab muß genügend groß sein, sonst wird das Land nur vereinzelte Touristen anziehen, welche die Exotik suchen, nicht aber die große Masse, welche standardisierte Begriffe von Ruhe und Unterhaltung hat. Unsere gegenwärtige Fremdenindustrie kann mit einem kleinen schmutzigen Laden in einer Seitengasse verglichen werden. Wir mögen noch so gute Ware verkaufen, der Großteil des Publikums wird es vorziehen, seine Einkäufe in modernen Läden zu machen. Was wir an Miete und Ausstattung ersparen, verlieren wir hundertfach am geringen Umsatz. Als erster Schritt müßten in Jerusalem 36, Tel Aviv 37, Tiberias und auf dem Karmel »Fremdenzentren« errichtet werden. An jedem dieser Orte muß ein wirklich großer Garten38 und Sportplätze (mindestens einige gute Tennisplätze) angelegt und Hotels mit 100 bis 150 Betten gebaut werden. Für solche vier Orte wird man entsprechend Reklame machen und Gesellschaftsreisen aus Europa organisieren können — wo man heute nur Geschäftsreisen aus Polen organisiert. Der Tourist wird außer Sehenswürdigkeiten auch Aufenthaltsmöglichkeiten haben, wie sie ihm kein anderes Land in solcher Verschiedenheit (Totes Meer) bieten kann. 33 Durch Reklame, wie sie der »Rat für Touristik« jetzt versucht, kann das nicht ersetzt werden. 34 Vgl. die verbreitete Sitte, nicht Zimmer, sondern Betten zu vermieten. 35 Es ist natürlich nicht an den gegenwärtigen politischen Zustand gedacht. 36 So unglaublich es klingen mag, gibt es in Jerusalem außer dem teuern »König * David« kein einziges Hotel! Zwei solche, die diesem Begriff am nächsten kommen, haben je 20 Zimmer! Die meisten anderen sind höchst primitiv und nur wenige wirklich rein. 37 Es kann nicht auf die Realisierung des großen Grünblattschen Projekts, der Hinausschiebung des Strandes von Tel Aviv, gewartet werden, dessen Ausführung Jahre in Anspruch nehmen wird. 38 Heute wird dem Fremden zugemutet, daß er seine freie Zeit in der »Hotelhalle« verbringt.