Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1937)
- Article
- Bemerkungen über die Notwendigkeit einer rationellen Krisenpolitik
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 287 (sequence 9)
- Language
- German
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kapazität der Wirtschaft erhöht wird. (Da die Krise in einem Überfluß an Gütern besteht, würde das die Krise verschärfen.) Die erhöhte Kaufkraft wirkt sich dort durch erhöhte Nachfrage aus, die wieder zur Erhöhung der Produktion und Aufsaugung der Arbeitslosen führt. In Palästina wird sich die erhöhte Kaufkraft nicht durch Erhöhung der Produktion sondern durch Vergrößerung der Einfuhr auswirken. Nur ein Bruchteil der neuen Kaufkraft wird unserem eigenen Pröduktioosapparat zugute kommen, denn wir besitzen nur einen rudimentären Produktionsapparat. Unsere Krise besteht nicht in Überproduktion (oder Unterkonsumtion), sondern darin, daß wir nicht produzieren und auf konstanten Anstoß von außen angewiesen sind. Daher ist die »Unproduktivität« des Wohnungsbaus (und Straßenbaus), welche ihn anderswo empfiehlt, in palästinensischen Verhältnissen ein Nachteil, der seine Förderung ausschließen sollte. W i r müssen eben das tun, was andere während der Krise vermeiden, nämlich die Produktion ausbauen. Nun kann die Wohnbauförderung die Wirtschaft in Palästina nicht ankurbeln, denn auch hier bleibt das öffentliche Kapital isoliert und kann die große Masse des privaten Kapitals nicht heranziehen. Man wird höchstens noch etwas Geld gegen Schuldverschreibungen bekommen und das Ganze wird wie ein Tropfen im Meer der Krise verschwinden. In Palästina ist heute Wohnungsbau das ureigenste Gebiet des privaten Kapitals29. Dieses läßt sich für seine Arbeit gut bezahlen30. Aber das kann kein Grund sein, um aus öffentlichen Fonds für eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Menschen bessere W ohnungen zu bauen, statt dieses Geld zum Aufbau der Zukunft durch Produktivierung der W irtschaft zu verwenden31. Der Ausweg. Es sei vorerst nochmals festgestellt, daß das nationale Kapital die Aufgabe hat, Arbeitsbeschaffung mit der Erschließung neuer Arbeitsmöglichkeiten zu verbinden, neuer Arbeitsmöglichkeiten, die an Stelle der bisherigen Verdienstmöglichkeiten aus Einwanderung und Kapitaleinfuhr (vor allem Bau und Spekulation) zu treten haben. Diese Aufgabe kann das nationale Kapital nur dann erfüllen, wenn es in Schlüsselstellungen eingesetzt wird, wo es die Investierung von Privatkapital auslösen kann, das seit Jahren durch die Unmöglichkeit einer produktiven Investition eingefroren ist. Hier wird nun der Versuch gemacht, einige solche Stellungen anzugeben. Diese Themen wurden schon oft erörtert und es handelt sich im Folgenden nicht um neue Einfälle, sondern um Erfassung gewisser Probleme aus einem einheitlichen Gesichtspunkt. Leider sind gewisse Dinge, wie Touristik, Kleinindustrie usw. durch stete Wiederholung zu Schlagworten geworden, die man gern gebraucht, ohne sich etwas dabei zu denken. Fremdenverkehr. Über den Fremdenverkehr als leicht erschließbare Verdienstquelle ist sehen viel geschrieben worden. Nach einem Plan wurde jedoch nicht vorgegangen. Es erübrigt sich hier, über die natürlichen Bedingungen des Fremdenverkehrs zu sprechen 32. Heut- 29 Auch dieses Gebiet ist durch das nationale Kapital erschlossen worden (Gründung Tel Avivs, der alte Solei Boneh usw.). 30 Allerdings gehen die Mieten in der Hauptsache an die Hypothekgläubiger und nicht an die Hauseigentümer. 31 Wo der Wohnungsbau nicht durch wirtschaftliche Motive diktiert wird (z. B. Wohnungen für Polizisten), dort kann er auch nieht unter wirtschaftliche Kritik fallen. 32 Zu diesen Bedingungen gehört auch die »Heiligkeit« des Landes.