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Palästina · 1937-06-01 · Heft 6 (Juni 1937) · p. Seite 284

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 6 (Juni 1937)
Article
Bemerkungen über die Notwendigkeit einer rationellen Krisenpolitik
Date
1937-06-01
Page
Seite 284 (sequence 6)
Language
German
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man wirklich, daß die Tozereth-Haarez-Propaganda die Rückkehr der inländischen arabischen Produkte auf den jüdischen Markt verhindern wird, und dies trotz des geringeren Einkommens der Arbeiterschaft? Die gegenwärtige Preiserhöhung auf dem Weltmarkt kann die Preise der Produkte der jüdischen Landwirtschaft nur wenig beeinflussen, denn sie sind (außer Butter und Käse) von der Lage auf dem Weltmarkt unabhängig. Der von der Kaufkraft bestimmte städtische Bedarf ist bei ihnen, neben der arabischen Konkurrenz, der wichtigste Faktor der Preisgestaltung und die Entwicklungstendenz der städtischen Kaufkraft läßt keine günstige Preisgestaltung erwarten. Obige Argumente behalten ihren Wert auch gegenüber Kolonisationsprojekten kleineren Maßstabs, wie dem letzten Ruppinschen Vorschlag (A. Ruppin: The Outlook for Jewish Agriculture. Palestine & Middle East 1937, Nr. I)18. Ruppin geht dabei von der Voraussetzung aus, daß der Anteil der jüdischen Produktion am jüdischen Konsum von 21i auf 45% gesteigert werden kann. Dies ist eine Voraussetzung, welche neben einer Senkung der Preise auch implicite eine Erhöhung der Kaufkraft der Stadt annimmt. Da dies in absehbarer Zeit nicht eintreten kann, dürfte eine Vergrößerung der landwirtschaftlichenv Produktion eine Senkung der Preise verursachen, welche die Existenz der betreffenden Produktionszweige gefährden könnte. Aber auch wenn landwirtschaftliche Kolonisation in bescheidenen Grenzen wirtschaftlich gesund wäre, so würde dies nur eine Lösung für die unmittelbar daran Beteiligten bedeuten. Denn da die Landwirtschaft nur geringe Lebensmöglichkeiten für andere Schichten schafft, so ist sie vom nationalen Standpunkt aus als »unwirtschaftlich« zu betrachten, und zwar besonders in Zeiten, wo mit beschränkten Mitteln Lebensmöglichkeiten für Zehntausende geschaffen werden müssen. Nun hat die landwirtschaftliche Kolonisation nicht nur auf diesem Gebiet eine geringe »wirtschaftliche Resonanz«. Sie ist auch auf noch einem anderen wichtigen Gebiet unfruchtbar 19. In Krisenzeiten müssen bei der Einsetzung von öffentlichen oder halböffentlichen Fonds gewisse Prinzipien besonders streng beachtet werden. Wir verfügen zur Bekämpfung der Krise nicht über die Macht, die anderswo der Staat auf Grund seiner Souveränität ausübt20. Wir können weder gewisse Zwangsmaßnahmen anwenden, noch den Geldumlauf entsprechend manipulieren21. Anderseits sind unsere Mittel zur »Lenkung« der Wirtschaft nicht groß. Unsere Fonds können aus eigener Kraft wenig tun. Abgesehen von besonders begründeten Ausnahmen, kann es also in Krisenzeiten nicht ihre Aufgabe sein, dort zu wirken, wo sie kein zusätzliches Kapital aus anderer Quelle anziehen22. Die Fonds müssen vielmehr an Stellen eingesetzt werden, wo sie 18 Bei einer jährlichen Einwanderung von 20.000 Menschen errechnet Ruppin innerhalb der nächsten 10 Jahre die Möglichkeit, 14.260 Familien zu kolonisieren. Was soll mit den Freigesetzten während dieser Zeit geschehen? Wie sollen die 20.000 Einwanderer in die Wirtschaft aufgenommen werden? 19 Es sei auch in diesem Zusammenhang auf den Artikel von Preuß: »Bedeutung der Industrie für die Absorption der Einwanderung nach Palästina« (»Palästina«, Februar 1936) hingewiesen. Die landwirtschaftliche Kolonisation erfordert viel größere Mittel pro Kopf als andere Betätigungen. 20 Wir können wohl auch von der palästinensischen Regierung keine aktive Krisenpolitik erwarten. 21 Angesichts der passiven Handels- und jetzt wohl auch Zahlungsbilanz wäre dies wahrscheinlich nicht gut möglich. Die Forderung nach einer Zentralnotenbank, die in diesem Zusammenhang manchmal erhoben wird, erscheint als verfrüht. 22 Die Ausgaben für Erziehung u. dgl. sind außerwirtschaftlich und werden durch diese Ausführungen nicht berührt, ebenso wie Ausgaben, bei denen wirtschaftliche Momente nebensächlich sind, wie die Arbeiten in Hule.

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