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Palästina · 1937-06-01 · Heft 6 (Juni 1937) · p. Seite 283

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 6 (Juni 1937)
Article
Bemerkungen über die Notwendigkeit einer rationellen Krisenpolitik
Date
1937-06-01
Page
Seite 283 (sequence 5)
Language
German
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b) wenn bei Einstellung der Einwanderung oder bei einer »kleinen« Einwanderung so viele Freigesetzte auf Land gehen würden, daß durch die Erweiterung des ländlichen Absatzmarktes die in der Stadt verbliebenen Freigesetzten in einer erweiterten Produktion aufgenommen werden könnten. Die erste Alternative stellt — für unsere Diskussion, nicht absolut — nur einen vergrößerten Fall der Alternative b) dar. Die in der Betrachtung der Alternative b) in Folgenden vorgebrachten Argumente, finden daher auch auf a) Anwendung. Die ländliche Siedlung schafft für die städtischen Berufe nur geringe Lebensmöglichkeiten. Die alte zionistische Theorie hat den Standpunkt eingenommen, daß eine auf dem Land angesiedelte Familie »erfahrungsgemäß« Platz für zwei Familien in der Stadt schaffe. Aber auch Dr. Ruppin, bei dem solche Äußerungen wiederholt vorkommen und der diesen Satz zum letztenmal auf dem Prager Kongreß 1933 ausgesprochen hat, wendet jetzt ganz andere Kriterien an. Die Erfahrung hat uns gelehrt, daß unsere Siedler eine geringe Kaufkraft haben, das heißt anderen Berufen nur wenig Lebensmöglichkeiten geben. Es wäre müßig, Zahlen über das »durchschnittliche Einkommen« am Lande anzugeben. Die diesbezüglichen statistischen Untersuchungen sind auch noch nicht beendet. Jeder, der mit den Lebensverhältnissen am Lande einigermaßen vertraut ist, weiß, wie bescheiden die Siedler leben müssen, wie eng also der ländliche Markt für städtische Produkte ist. Das erste Minus der landwirtschaftlichen Siedlung vom Standpunkt der, ganzen Wirtschaft ist also, daß der Antrieb, den die Landwirtschaft den anderen Wirtschaftszweigen gibt, sehr gering ist. Nehmen wir für einen Moment an, daß bei einer Kolonisierung von 30.000 Freigesetzten die restlichen 20.000 in der Stadt eingeordnet würden (es ist höchstwahrscheinlich eine viel zu optimistische Schätzung). Nun würde aber die Ansiedlung von 30.000 Menschen auf dem Lande eine Verdoppelung der gegenwärtigen landwirtschaftlichen Produktion (außer Orangen) bedeuten. Damit sind wir bei der Hauptfrage der landwirtschaftlichen Siedlung angelangt: der Frage des Absatzes zu rentablen Preisen. Schon im Winter 1935/36 war das Absatzproblem akut. Man ließ das Gemüse zum Teil auf den Feldern verfaulen, weil sich das Einsammeln und der Versand nicht lohnten 15. Die Lage auf dem Milchmarkt (und die Milchpreise sind für die Rentabilität unserer Wirtschaft maßgebend) war derart, daß ein verantwortlicher Fachmann, wie D. Horowitz, den Vorschlag gemacht hat, den Absatz durch Verkauf subventionierter billiger Milch an Schulkinder zu fördern lü. Nun wurde die Lage im Jahre 1936 durch den arabischen Streik »gerettet«. Aber die hohen Preise der jüdischen landwirtschaftlichen Produkte bilden eine unerträgliche Belastung des städtischen Konsumenten. Bei sinkender Kaufkraft wird der Appell an die patriotischen Gefühle immer weniger wirksam werden. Hier einige Beispiele, wie groß das Opfer ist, das vom jüdischen Konsumenten verlangt wird, wenn man die Ausschließung der arabischen Produkte fordert. Der Preis der syrischen Karotten betrug per Kilogramm Piaster: 2.8 (Minimum) bis 4.6 (Maximum); der jüdischen Karotten: 6.8 (Minimum) bis 8.9 (Maximum). Syrischer Karfiol: 2.8 (Minimum) bis 4.6 (Maximum); jüdischer Karfiol: 6.3 (Minimum) bis 7.5 (Maximum)17. Kann man bei solchen Differenzen ernstlich Schutzzölle vorschlagen? Glaubt 15 N. Verlinski: Vortrag auf der Generalversammlung der Tnuva, Haifa, am 19. Jänner 1937 (The Co-operative Bulletin, 7. Februar 1937). 16 The Co-operative Bulletin 1936, Nr. 19 bis 20. Siehe auch den Artikel von Doktor A. T.: Arbeiterbewegung (»Palästina«, November 1936). 17 Ziffern des Wirtschaftsinstituts der Jewish Ag&ncy. Die Preise dürften sich auf das Jahr 1935 beziehen.

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