Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1937)
- Article
- Bemerkungen über die Notwendigkeit einer rationellen Krisenpolitik
- Date
- 1937-06-01
- Page
- Seite 282 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2379786-2379953-2379960-2411443--25236-2411622- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
schließlich der Saisonbeschäftigung in der Orangenindustrie). Ferner, daß trotz Stillstandes in der Bauindustrie und Sinken der Kaufkraft, 70% der gegenwärtig vom Handel Lebenden (83.000), das heißt 58.000, weiter im Handel verbleiben können, so bleiben etwa 50.000 Menschen (18.000 aus dem Baugewerbe, 6000 aus dem Transportgewerbe, 25.000 aus dem Handel), die nicht nur zeitweise arbeitslos sind, sondern überhaupt »freigesetzt« werden und sich nach neuen Berufen umsehen müssen. Obige Schätzung strebt nur danach, der tatsächlichen Zahl der Freigesetzten irgendwie nahe zu kommen. Sollte diese übertrieben erscheinen, so ist zu berücksichtigen, daß eine Stabilität der Zahl der Beschäftigten in Landwirtschaft, Industrie und freien Berufen angenommen wird, was zumindest betreffs der beiden letzteren höchst zweifelhaft ist. Außerdem ist zu berücksichtigen, daß sich — außerhalb der obigen Schätzung — gegenwärtig 10.000 Personen arbeitslos, bzw. teilweise beschäftigt sind. Nun besteht das Problem nicht darin, diesen Menschen zeitweise Beschäftigung zu geben, sondern sie wieder in den Wirtschaftsprozeß einzugliedern. Es müssen also neue Produktionsmöglichkeiten geschaffen werden, die der Wirtschaft, wenigstens teilweise — den Antrieb ersetzen können, der ihr bisher von der Einwanderung gegeben wurde; und die uns außerdem, wenigstens teilweise, von der Einfuhr von Kapital unabhängig machen. Die landwirtschaftliche Lösung« Aus grundsätzlicher Einstellung hat unsere Bewegung die Neigung, in der Landwirtschaft als der »gesunden« Urproduktion, die Rettung zu suchen12. Während der Konjunktur fehlte es nicht an Stimmen, die eine Krise herbeiwünschten, die die Rückkehr der Arbeiter aufs Land erzwingen sollte Tatsächlich hat die Orangenindustrie im Jahre 1936 zirka 2000 städtische Arbeiter aufgenommen (außerdem 2000 bis 3000 Einwanderer). Auch in Zukunft wird die Orangenindustrie eine Art Sicherheitsventil für die Stadt sein, da ja ihre Produktion das Höchstmaß noch nicht erreicht hat. In diesem Sinne können wir hier von einem Faktor der Umstellung sprechen. Es sind aber hier wenig Möglichkeiten für eine aktive Wirtschaftspolitik, außer der Förderung der jüdischen Arbeit. Es scheint kaum möglich, die Neuanlage von Pflanzungen zu fördern; auf Mithilfe des Privatkapitals, welches allein zu einer Aktion im größeren Ausmaß befähigt wäre, ist nicht zu rechnen. Die in diesem Jahre trotz des Krieges in Spanien und der Konjunktur in England erzielten niedrigen Zitruspreise, erlauben hier keine kühnen Pläne 14. Es bleibt also die gemischte Landwirtschaft, das Lieblingskind des Zionismus (Produktion von Milch, Eiern und Gemüse durch intensive Wirtschaftsmethoden). Die Gründung der PASA und weitere Absichten lassen vermuten, daß man den gegenwärtigen Zeitpunkt für eine intensive Kolonisierungstätigkeit für geeignet hält. Die landwirtschaftliche Kolonisation könnte eine Erleichterung bringen: a) Wenn bei fortgesetzter Einwanderung eine solche Zahl von Menschen in der Landwirtschaft untergebracht werden könnte, daß durch ihren Bedarf die Absorbierung der in den städtischen Berufen Freigesetzten möglich sein würde, oder 12 Man hat schon irgendwo zutreffend von der physiokratischen Einstellung des Zionismus gesprochen. 33 Ohne hier auf diesen Gegenstand näher einzugehen, ist es doch notwendig darauf hinzuweisen, daß dieses »aufs Land« — in die Orangenpflanzungen — den Bauern mit dem landlosen Landarbeiter verwechselt. Das Landproletariat ist nirgends auf der Welt eine sozial positiv zu wertende Schicht. Unsere Landproletarier werden es auch kaum sein. 14 Die industrielle Verwertung der Orangen ist eine industrielle, keine landwirtschaftliche Frage.