Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1937)
- Article
- Aktuelle Eisenbahnfragen
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 237 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Lagerhallen versehen, nachdem große Mengen von Früchten verdorben waren, weil man sie weder gegen Regen geschützt einlagern noch angesichts des bestehenden Wagenmangels sofort abtransportieren konnte. Andere Mängel sind entweder noch gar nicht oder nur unvollkommen beseitigt worden; moderne Verschiebeanlagen fehlen fast völlig. Zugfolge und Zugsicherung basieren auf dem umständlichen, veralteten »Stabsystem«. Haifa erhält zur Zeit einen neuen, nunmehr richtig placierten Personenbahnhof, aber man hat nicht darauf gesehen, genügend Areal für diese Anlage bereitzustellen, so daß sie schon wieder zu klein ist, bevor sie noch in Betrieb genommen wurde. Auch der Bahnhof von Tel Aviv wird jetzt endlich vergrößert, doch hat die neue Lösung nur provisorischen Charakter und wird von der Verwaltung selbst so bezeichnet. Die ganze Anlage bleibt in den engen Schlauch zwischen zwei Straßenzügen gepreßt. Die überaus störenden Niveaukreuzungen innerhalb des Stadtgebietes werden nicht beseitigt. Es wird aber wenigstens das Ankunftsgebäude, das bisher keineswegs diesen Namen verdiente und aus einem hölzernen Bauwerk letzter Klasse bestand, durch eine große Stahlkonstruktion ersetzt. Diese wird zwar keine architektonische Bereicherung des Stadtbildes bringen, wohl aber den Verkehr etwas bequemer gestalten, soweit dies bei den besonders engen Straßen des betreffenden Stadtviertels möglich ist. Das rollende Material erfuhr in den letzten Jahren sowohl quantitativ als auch qualitativ eine gewisse Verbesserung. Ein Teil der von der Regierung ausgeworfenen Sonderzuwendungen wurde dazu benutzt. Die gröbsten Übelstände sind wenigstens im Güterwagenpark und bei den Lokomotiven beseitigt, aber bis zur vollständigen Ausstattung mit allem Notwendigen, ist der Weg noch weit. Am wenigsten wurde bisher für die Verbesserung der Personenverkehrsmittel getan. Für den starken Konkurrenzkampf, den die Eisenbahn mit dem motorisierten Straßenverkehrswesen zu bestehen hat. ist gerade eine bessere Ausstattung der Personenwagen unerläßlich. Zwar verwendet man in Palästina nur Drehgestellwagen und hat auch die elektrische Beleuchtung fast durchgängig eingeführt; aber die Innenausstattung läßt noch sehr viel zu wünschen übrig. Dies trifft auf alle drei Wagenklassen zu, gilt aber besonders von der dritten Klasse, die geradezu als Muster dessen bezeichnet werden muß, was man dem reisenden Publikum auf keinen Fall zumuten sollte. Da auch in Palästina der weitaus größte Teil der Reisenden die dritte Wagenklasse benützt, ist die Gefahr einer weiteren Abwanderung zum Autobus und Taxi sehr groß. Sie ist übrigens um so größer, als die Bahnverwaltung durch unzweckmäßige Tarifstaffelung von der Benützung der höheren Klassen abschreckt. Elektrifizierung? Die Elektrifizierung gehört an sich in das Kapitel der Betriebsanlagen, sei hier indessen gesondert betrachtet, da man über ihre Aktualität im Zweifel sein kann. Dr. M. Ettinger weist in seiner lesenswerten Schrift »Verkehrswesen und Verkehrspolitik in Palästina« (Tel Aviv, 1936) darauf hin, daß die Bahnverwaltung der Elektrifizierung abgeneigt sein würde, weil dann der britischen Kohlenindustrie die jährliche Lieferung von etwa 32.000 Tonnen Kohle verloren ginge. — Man kann nicht übersehen, daß die Elektrifizierung erhebliche Schwierigkeiten in sich birgt. Die notwendigen Änderungen an den Betriebsanlagen sind kostspielig. Es würde sch nicht nur um das Anschaffen von Lokomotiven, das Verlegen von Leitungen und Fahrdrähten, die Isolierungen usw. handeln, sondern man müßte auch ein neues, besonderes Kraftwerk errichten, weil das gegenwärtige Netz des Landes die zusätzliche Belastung nicht aufnehmen könnte. Die Verwendung von Hochspannung erfordert ferner spezielle Vorsichtsmaßregeln und ein besonders gut geschultes Personal. Das feuchte Klima der