Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1937)
- Article
- Aktuelle Eisenbahnfragen
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 235 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Bedenkt man aber, wie sich der konkurrierende Kraftverkehr in den vergangenen Jahren entwickelt hat, so sind die Fortschritte in der Ausdehnung des Eisenbahnverkehrs unbedeutend. Die Regierung sollte sich zu einer radikalen Lösung der Finanzfrage entschließen. Angesichts* der Überschüsse, die in der Staatskasse aufgehäuft sind, können die Schwierigkeiten nicht unüberwindlich sein. Man sollte nicht mehr darauf warten, bis die Bahnverwaltung das jährliche Defizit präsentiert, sondern einen größeren Betrag auf einmal zur Verfügung stellen, der es ihr erlaubt, wenigstens einen erheblichen Teil der drückenden Schuld abzustoßen. Die Amortisations- und Zinsbeträge würden dann entsprechend kleiner werden. Man muß dahin kommen, daß sie aus den normalen Einnahmen gedeckt werden können, ohne daß deshalb Einsparungen nötig sind, die sich ungünstig auf die Entwicklung des Unternehmens auswirken. Die einmalige, gründliche Entlastung des größten staatseigenen Betriebes wird den öffentlichen Finanzen per saldo zuträglicher sein als die jährliche Abzapfung der Staatskasse um einen größeren oder kleineren Betrag, der zwar rechnungsmäßig immer wieder den Ausgleich bewirkt, das Grundübel aber nicht zu beseitigen vermag. Modernisierung des Geschäftsbetriebes. Abträglich für die Entwicklung des palästinensischen Eisenbahnwesens ist ferner der bedauerliche Mangel an frischem Zuge, schöpferischem Geiste und Anpassungsfähigkeit, wie er anläßlich der Untersuchungen der Königlichen Kommission in so manchem Zweige des Verwaltungsapparates festgestellt werden konnte. Man hat sich in den Jahren einer gewaltigen Aufwärtsentwicklung der Wirtschaft des Landes fast durchgängig darauf beschränkt, das Bestehende zu erhalten. Der Eisenbahnbetrieb steht heute noch ungefähr auf der gleichen Stufe wie im Jahre 1925. Beispielsweise sind die modernen Prinzipien der Verkehrs Werbung, die sich sonst überall fast restlos durchgesetzt haben, der palästinensischen Bahnverwaltung offenbar noch nicht bekannt geworden. Gewiß kann ein Staatsbetrieb nicht so beweglich und in der Einführung von Neuerungen nicht so rasch bei der Hand sein wie ein privatwirtschaftliches Unternehmen, doch zeigen viele Beispiele anderer Bahnverwaltungen, daß auch der staatseigene Betrieb durch geschickte Propaganda und vorbildlichen Kundendienst seine Frequenz sehr erheblich steigern kann. In dieser Richtung liegen daher auch die Maßnahmen, die man im Wettbewerb mit anderen Transportunternehmungen treffen muß. Indessen haben sich Regierung und Bahnverwaltung gegenüber der mächtig andringenden Konkurrenz des Kraftfahrwesens fast ausschließlich auf negative Maßnahmen verlegt. Es kam nicht zur Modernisierung des Betriebes und nicht zur Ausbildung von Kundendienst und Propaganda, sondern zu einem vielfach aussichtslosen Tarifkampfe, einem auf die Dauer zwecklosen System von Polizeischikanen und zur Verzögerung von wirtschaftlich und strategisch wichtigen Straßenbauten. Eine kurze Betrachtung der Betriebsverhältnisse führt zu folgenden Ergebnissen: Ausbau des Bahnnetzes. Das palästinensische Eisenbahnnetz ist in seinen wesentlichen Teilen ein Produkt des Weltkrieges. Es ist nicht nach wirtschaftlichen, sondern nach strategischen Gesichtspunkten angelegt. Dabei ist zu beachten, daß sich die strategischen Verhältnisse seit dem Weltkriege sehr geändert haben. So wird die Linienführung weder den Ansprüchen des Verkehrs noch den Erfordernissen der politischen Lage gerecht. — Wichtige Wirtschaftsgebiete des Landes, wie beispielsweise der Scharon, entbehren der Bahnverbindung oder werden nur in den Randgebieten berührt. Die einzige Hauptlinie (Kantara—Ludd—Haifa) bedient zwar Orte wie Kalkilieh, Kakun und Tire, ist aber