Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1937)
- Article
- Verkehrsgeographische Wandlungen Palästinas
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 230 (sequence 6)
- Language
- German
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Haifa verdankt erst der Verkehrsaufschiließung seines Hinterlandes, daß es heute der bedeutendste palästinensische Hafen ist. Lange Zeit waren Gaza, Jaffa und Akko weitaus bedeutender. Jaffa hatte seine relativ größte Bedeutung zu Ende des vorigen Jahrhunderts, wo es den ganzen Pilgerverkehr nach Jerusalem beherrschte. Der Hafen des Nordens war Akko, der fast den ganzen Auslandsverkehr besorgte. Noch um 1870 lief im Liniendienst einzig der Österreichische Lloyd vierzehntägig Haifa an. Den großen Umschwung zugunsten Haifas brachte erst die Eröffnung der Zubringerlinie zur Hedschas-Bahn. Nachdem Jaffa während der Unruhen 1936 den Personenverkehr lahmgelegt hat, ist Haifa heute der einzige Hafen Palästinas, der einen fahrplanmäßigen Passagierdienst hat. Außer den Levantehäfen werden regelmäßig bedient: Triest via Cypern und Marseille via Alexandria sowie Konstanza (wöchentlich); Triest via Griechenland, New York (zweiwöchendich). Im Flugverkehr hat Palästina sowohl am Levantewie am internationalen Fernverkehr Anteil. Der Nahverkehr verbindet täglich Kairo und Port Said mit Ludd und Haifa sowie zweimal wöchentlich mit Bagdad1. Der Flugverkehr nach Europa hat gerade diesen Sommer, wo doch der linienmäßige Dampferdienst etwas schwächer besetzt ist, einen starken Aufschwung genommen. Ab April fliegt eine polnische Linie dreimal wöchentlich die Strecke Warschau—Bukarest—Sofia—Athen—Rhodos—Ludd (Flugdauer 134 Tag). Ferner nahmen die Italiener den Dienst Triest—Rom—Brindisi— Athen—Rhodos—Haifa auf. Bedeutender als diese Linien sind aber die Weltverkehrslinien, die Palästina berühren. Es sind dies die englische Imperial Airways-Route London—Marseille—Alexandria—Gaza—Bagdad—Karachi—Kalkutta—Singapore (dort Anschluß nach Australien) und die holländische K. L. M.-Linie Amsterdam—Athen—Alexandria—Ludd—Bagdad—Karachi—Kalkutta—Singapore—Batavia. Beide Linien werden zweimal wöchentlich in jeder Richtung beflogen. Beide Gesellschaften fliegen zur Zeit noch Gaza an. Gaza wird seit Einrichtung dieser Flugstrecken als Zwischenlandepunkt zwischen Alexandria und Bagdad angeflogen, um die lange Wüstenstrecke nach Möglichkeit abzukürzen. Auch so ist die Strecke Gaza—Bagdad mit 955 km noch die drittlängste Etappe des Fluges. Die Regierung hat nun begonnen, für die Bedürfnisse des internationalen Zivilluftverkehrs einen Großflugplatz in Palästina zu erreichen. Hierfür wurde Ludd (16 km von Tel Aviv) ausersehen, das auch im innerpalästinensischen Anschluß verkehr zwischen Tel Aviv—Jaffa und' Jerusalem bedeutend günstiger liegt, als das etwas abseits gelegene Gaza. Der Flughafen wird aMe notwendigen Einrichtungen sowie ein Hotel für die Fluggäste enthalten. Er liegt neben der Bahnstation Wilhelma (Kfar Junis) zehn Minuten von Ludd, die Zubringerstraße nach Tel Aviv ist im Bau. Der neue Flughafen dürfte im Laufe des nächsten Jahres eröffnet werden und dann werden sowohl die englische wie die holländische Indien-Linie Ludd anfliegen. Es steht zu erwarten, daß mit der zunehmenden Bedeutung dieses Flughafens auch die Fluglinie London—Ägypten—Ost- und Südafrika über kurz oder lang Lud anfliegen wird und vielleicht dürfte auch eine Querverbindung zu der wöchentlichen französischen Asien - Route Paris—Athen—Damaskus—Bagdad—Kalkutta—Saigon— Hanoi hergestellt werden. Schon heute gehen wöchentlich acht fahrplanmäßige Flugzeuge von Palästina nach Europa und vier nach Indien ab. Aber voraussichtlich wird Ludds Bedeutung im Fern- 1 Die Eröffnung einer Fluglinie nach Cypern soll noch in diesem Sommer erfolgen.