Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1937)
- Article
- Verkehrsgeographische Wandlungen Palästinas
- Date
- 1937-05-01
- Page
- Seite 232 (sequence 8)
- Language
- German
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- Basra 1× ep/1044138
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luftverkehr noch erheblich steigen. Die englische Postverwaltung soll beabsichtigen, in Zukunft die ganze: Post zwischen England und Indien per Flugzeug zu schicken und auf dieser Strecke Ludd anzufliegen. Auch die Überwachungsflüge für die Irak-Ölleitung werden sich wohl auf Ludd stützen. Mit dem weiteren Aufblühen des Luftverkehrs wird sich dieser Verkehr zweifellos noch beleben und so wird in Palästina dank der Gunst seiner zentralen Lage einer der Knotenpunkte des Weltluftverkehrs entstehen. Das Verkehrsbild Palästinas hat sich in wenigen Jahren entscheidend gewandelt. Noch zu Beginn des Jahrhunderts bewältigten Tragtier und Wagen auf Pfaden und schlechten Wegen den ganzen Verkehr im Lande. Die Fernverkehrswege gingen meist auf den Höhen, da die Ebenen versumpft waren. Dann kam für kurze Zeit als dominierendes Verkehrsmittel die Eisenbahn, der das Auto sehr rasch den Rang ablief. Heute ist Palästina durch ein Netz ausgezeichneter Hauptstraßen dem Verkehr erschlossen. Teils folgen diese alten Straßenzügen wie die Wasserscheidenstraße in Judäa und Samaria oder die Jaffa—Jerusalem-Straße. Zum andern Teil schließen die neuen Straßen aber auch »Neuland« verkehrsgeographisch auf. Das gilt insbesondere für die Straßen des Emek und zum Teil jener der Küstenebene, die erst die jüdische Kolonisation aus versumpften, kaum besiedelten Malariaherden zu dichtbesiedelten Kulturlandschaften machte. Im Jordantal steht dieser Prozeß heute mit der Erschließung der Gegend südlich des Tiberias-Sees und der bevorstehenden Sanierung der Hu'leh-Sümpfe erst am Anfang. So ist das Jordantal auch nie ein bedeutender Verkehrsweg gewesen; denn sein Klima (nahezu tropisch) und seine sanitären Verhältnisse schufen in ihm keine Verkehrsspannung und machten es auch als Durchgangsweg nicht verlockend. Auch die verschiedentlich geplante Industriebahn ist in ihm noch nicht gebaut worden. Bis zum Zeitalter des Flugzeuges hatte Palästina keine Bedeutung für den Ost- West-Fernverkehr. Die Verkebrsspannung für den Landverkehr vom östlichen Mittelmeer zum Persischen Golf und Indien ist an sich nur beschränkt. Zudem ist der Weg von Palästina nach Bagdad oder Basra langer als der nördlichere von Syrien aus. Vor allem aber ist Palästina mit dem tiefen Jordangraben das ungeeignete Dürchgangsland. Dagegen haben die Nord-Südstraßen Palästinas stets ihre Bedeutung für den Durchgangsverkehr gehabt. Im Westen sind es die jüngere Längsstraße der Küstenebene und die alte Straße auf der Wasserscheide des Gebirges. Diese wurde zeitweilig an Bedeutung für den Durchgangsverkehr noch vom Darb el Hadsch übertroffen. Der Darb el Hadsch, die Pilgerstraße zu den heiligen Stätten des Islam, und die ihm folgende Hedschas-Bahn, verlaufen längs der natürlichen Landschafts grenze des westlichen Transjordanien. Westlich von ihr zerschneiden und zerschluchten die östlichen Zufhiße des Jordangrabens den Rand des Wüstenplateaus. Mehrere Täler dieses Gebietes führen das ganze Jahr Wasser, was den Westen TransJordaniens zwischen Jordantal und Darb el Hadsch zum Kulturgebiet des Landes macht. Östlich der Hedschas-Bahn liegt die Wüste. So entstanden längs dieser Linie auch die Städte des Ostjordanlandes, die meist am Beginn der Täler liegen, in denen Straßen nach Westen hinabführen. Land-, Bahn- und Schiffsverkehr ließen Palästinas Bedeutung als Verkehrsbrücke zwischen den altweltlichen Kontinenten nicht recht zur Geltung kommen, denn sein gebirgiges Relief und die klimatischen und ökonomdschen Schwierigkeiten seines wüstenhaften Hinterlandes lenkten den großen Durchgangsverkehr nach Süden und Norden ab. Der Flugverkehr überwindet diese Schwierigkeiten und bringt beute die zentrale Lage Palästinas auch verkehrsgeographisch zur Geltung.