Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 4 (April 1937)
- Article
- Drei Jahrzehnte des jüdischen Siedlungswerkes [Rezension]
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 199 (sequence 3)
- Language
- German
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der in unbekannter Umgebung ein neues Werk aufzubauen und mit Schwierigkeiten verschiedener Art zu kämpfen hatte; und so wirkt die Lektüre des Buches, trotz der bei einem Sammelwerk unvermeidlichen Wiederholungen, als die einer spannenden Pioniergeschichte, einer Geschichte des Kampfes mit dem noch unbekannten Lande und den für dieses Werk kaum vorbereiteten Menschen, mit den Feinden von außen und den Gegnern von innen. In diesem Kampfe machte er stets von den gleichen Waffen Gebrauch, die sich immer bewährten und niemals rosteten. Die Hülle und Fülle von Problemen, die in diesem Buche behandelt werden, spiegeln die Vielseitigkeit des Siedlungswerkes wieder. Vor allem haben wir es mit dem Problem des Menschenmaterials zu tun, und zwar des sich für Palästina am besten eignenden Typus des jüdischen Bauern, der Wege seiner Vorbereitung für das Land, der landwirtschaftlichen Ausbildung des jüdischen Arbeiters, der so wichtigen Heranbildung der jüdischen Frau für die Landwirtschaft. In seinem Referat auf dem XI. Zionistenkongreß (1913) hebt er bereits die Notwendigkeit der Verjüngung des Menschenmaterials, das an Überalterung und Entmutigung litt, hervor. Eine passende Immigrationspolitik, das heißt eine Auswahl der für die Ansiedlung am besten Geeigneten, beschäftigt ihn ununterbrochen, ebenso die Vorbereitung und Einordnung der Einwanderer in landwirtschaftliche Gruppen. Die Form der Wirtschaft von technischlandwirtschaftlichen und finanziellen Gesichtspunkten bildet den zweiten Fragenkomplex, auf den er immer wieder zurückkommt. Von den ersten Aufsätzen über die Lage Palästinas im Jahre 1907 an weist er immer wieder auf die Gefahr der Monokultur und des Verlassens des Ackerbaues zugunsten der einträglicheren Pflanzungskultur hin. Die gemischte Wirtschaft wird von ihm als die gegebene Form für die Wurzelfassung des jüdischen Bauern, als Mittel zur Stärkung der jüdischen Arbeit, als Weg zur Versorgung des Landes mit Lebensmitteln betrachtet, wobei der Milchwirtschaft, Geflügelzucht, dem Gemüse- und Futterbau ein gebührender Platz angewiesen wTird. Eine der wichtigsten Fragen, mit denen Ruppin sich andauernd beschäftigt, ist die des Agrarkredites. In seinem ersten Kongreßreferat erklärt er bereits, daß ohne den letzteren eine breitere Kolonisierung überhaupt nicht möglich ist, und auf diesen Gedanken kommt er immer wieder zurück. Das größte Hindernis, das der Durchführung des Werkes entgegensteht, ist seine Finanzierung. Mit finanziellen Schwierigkeiten hatte man von der Stunde an zu kämpfen, da das Palästinaamt ein Jahresbudget von 800 £ hatte, bis zu den Zeiten, wo für die Kolonisationszwecke der Zionistischen Organisation über 200.000 £ per Jahr budgetiert wurden. Bereits 1922 weist er auf die Bedeutung eines selbständigen Kolonisationsfonds hin und fordert unermüdlich dessen Gründung, bis endlich 1936 dieser Gedanke seine Realisierung fand. Der Kampf mit dem Mangel an Geld durchläuft wie ein roter Faden das Buch, weil er die gesamte Arbeit beherrschte. Die Kosten der Ansiedlung waren sehr hoch. Trotz des Nachweises, daß unsere Kolonisation weit billiger ist als die anderer Länder, wie z. B. mancher englischer Kolonialgebiete, bleibt die Tatsache bestehen, daß die Finanzmittel bei weitem nicht ausreichen, um den Bedarf zu decken. Und so sucht Ruppin nach Wegen für die Finanzierung des Werkes: Kolonisationsfonds, Settlement Association (die später in Form der Gesellschaft »NIR« verwirklicht wurde), Heranziehung des privaten Kapitals in der Gestalt einer Investment Corporation usw. Nicht immer waren diese Bemühungen erfolgreich, wenn es manchen Ideen auch beschieden war, oft erst nach Jahren verwirklicht zu werden. Vielleicht ist zu beanstanden, daß Ruppin stets nur von der Vergrößerung der Finanzmittel spricht, sehr selten aber von der Verbilligung der Kolonisation. Unter dem Druck der Erfordernisse aber mußte man, insbesondere in