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Palästina · 1937-04-01 · Heft 4 (April 1937) · p. Seite 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 4 (April 1937)
Article
Drei Jahrzehnte des jüdischen Siedlungswerkes [Rezension]
Date
1937-04-01
Page
Seite 200 (sequence 4)
Language
German
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den Jahren der wirtschaftlichen Krise, nach Formen suchen, welche geringere Mittel erfordern. Er stellt zwar 1931 fest, daß wir gelernt haben, billiger zu kolonisieren, aber immer wieder klingt die gleiche Note durch: wir können unsere Pläne nicht verwirklichen, weil wir kein Geld haben. Nicht allen Ausführungen Ruppins kann man folgen; nicht etwa, weil man im Lichte der Erfahrungen klüger geworden ist und rückblickend mehr versteht. Es sei z. B. die in vielen Punkten ungerechte Erbitterung wegen des Berichtes der Reorganisationskommission erwähnt, die 1921 Verschiedenes an unserer Arbeit auszusetzen hatte. Manches ihrer Kritik hat sich, wie die spätere Entwicklung zeigte, als durchaus gerechtfertigt erwiesen. Auch mit gewissen Ausführungen bezüglich der Bodenpolitik können wir nicht einverstanden sein, so z. B. mit der (siehe Seite 114 und 115) in keiner Weise zutreffenden Begründung der hohen Bodenpreise in Palästina. Anstatt diese auf Imponderabilien zurückzuführen, auf Sentimente, welche die Juden veranlassen, für Palästinaboden hohe Preise anzulegen, will er sie wirtschaftlich begründen, was unseres Erachtens einer Kritik nicht standhalten kann. Die Irrtümer werden vergessen, die Fehler verwischt, das Werk bleibt. Aus Irrtümern und Fehlern entstehen Erfahrungen, die dem Werke dienstbar gemacht werden. Eines der wichtigsten Ergebnisse unserer landwirtschaftlichen Kolonisation ist die Erfahrung, die wir gesammelt haben. »Noch so viel Theorie kann Erfahrung nicht ersetzen«, sagt Ruppin, und diese Erfahrung hat uns gelehrt, jetzt in einer kürzeren Zeit das zu erfüllen, was sonst sehr lange Zeit in Anspruch nehmen würde. In diesen drei Jahrzehnten hat man viele Schwierigkeiten bewältigt und manche Probleme gelöst. So konnte der Verfasser 1931 mit berechtigter Befriedigung sagen: »Die Schwierigkeit, die unsere Landwirtschaft in Palästina zu bewältigen hat, ist nicht mehr die der Vermehrung der Produktion — diese Frage haben wir im Laufe der letzten zehn Jahre gelöst — sondern die, einen Markt für die zunehmenden Erzeugnisse unserer Siedlungen zu finden«. Ist es nicht viel, sagen zu können, daß ein Problem, mit dem man jahrelang gekämpft hatte, eine allseitig befriedigende Lösung fand? Es ist zu bedauern, daß das Buch — bei aller Würdigung der Art, die Reden und Aufsätze in ihrer ursprünglichen Form zu bringen — nicht einigermaßen redigiert wurde, wodurch einige, besonders auffallende Fehler hätten beseitigt" werden können. Da dies nicht geschehen ist, wird die Zuverlässigkeit des Buches als eines Nachschlagewerkes beeinträchtigt. Man kann z. B. die in den zwei Jahren, zwischen dem XIII. und XIV. Zionistenkongreß (1923 bis 1925), von Juden erworbenen Böden nicht mit einer halben Million Dunam angeben, wenn in Wirklichkeit in dieser Zeit nur etwa 150.000 Dunam erworben wurden. Ferner werden die Kosten der griechischen Kolonisation an verschiedenen Stellen mit von einander abweichenden Ziffern angegeben und außerdem enthält das Buch andere, nicht immer zutreffende Angaben. Im Interesse des Buches wäre eine Redigierung zwTecks Ausmerzung dieser Fehler sehr erwünscht. Dies ändert aber kaum etwas an der Beurteilung des Buches, welches nicht nur das Siedlungswerk richtig bewerten läßt, sondern auch den Mann schätzen lehrt, der an leitender Stelle an der Gestaltung des Werkes teilnahm. Im Lichte der unermüdlichen Anstrengungen, der Hoffnungen und Enttäuschungen, der Erfolge und Rückschläge, an denen die drei Jahrzehnte jüdischer Geschichte Palästinas so reich sind, muß man Ruppin beipflichten, wenn er mit tiefem jüdischen Stolz sagt: »Wir haben vom Urteilsspruch der Geschichte nichts zu fürchten«. Weder das Werk, noch der Mensch.

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