Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 4 (April 1937)
- Article
- Industrieprobleme 1937
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 185 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Für die Durchsetzung des heimischen Produktes spricht die starke moralische Unterstützung, die ein großer Teil der Verbraucher ihm gewährt. Linter ihrem Schutz kann der Fabrikant durch Qualitätssteigerung, durch allmähliche Einstellung auf die Kapitalansprüche, durch Bereinigung der Marktverhältnisse Schritt für Schritt Boden gewinnen. Hat er erst den Standard erreicht, wo die anfänglichen Mängel seines Angebotes überwunden sind, so beginnen sich auch Faktoren zu seinen Gunsten auszuwirken, in denen er dem ausländischen Angebot auf alle Fälle überlegen ist: die Kürze des Lieferungsweges, die Vertrautheit mit den Konsumansprüchen usw. — Gegen Dumping des Auslands wird ihn hoffentlich die Fortsetzung der Anfang 1936 eingeleiteten Zollpolitik in gewissem Maße schützen. Es ist leider auch in dieser Frage ein sehr langer Weg bis zur Erreichung desjenigen Zustandes, der eigentlich erst die Voraussetzung für eine gedeihliche Umsatzentwicklung schafft. Der Anspruch der Regierung, daß jede Industrie vorerst ihre Existenzfähigkeit und ihre Zollbedürftigkeit in der Praxis bewiesen haben muß, der lange Zeitraum, der dann noch zwischen Stellung des Antrages und Gewährung des Zolles verstreicht, verzögern den Erfolg. Das Ziel der Industrierollbestrebungen ist nicht nur und nicht in erster Linie Preiserhöhung, sondern Marktsicherung. Erst auf ihrer Grundlage kann die notwendige innere Marktorganisierung erfolgreich durchgeführt werden. Nicht jedes Werk, das den heimischen Markt gewonnen hat, hat damit auch schon seine Produktionskapazität erreicht. Abgesehen von der Tatsache der inländischen Konkurrenz in überbesetzten Branchen, müssen wir uns klar darüber sein, daß für eine Reihe von Artikeln der palästinensische Markt, besonders bei verlangsamtem Aufbautempo, kein genügendes Feld ergibt. Die Industrieausfuhr rückt dadurch wieder mehr in den Vordergrund des Interesses, als sie in den vergangenen Jahren der sprunghaften Binnenmarktausweitung gewesen ist. Schon vorher gab es eine Reihe von Firmen, für die ihr Exportumsatz einen sehr wesentlichen Bestandteil ihres Absatzprogramms bildete. In ien folgenden Jahren stand die Ausfuhrentwicklung still, verlor sogar, an der inneren Pro- ~uktions Vergrößerung gemessen, an Boden. Heute ist das Verständnis für die Bedeuung dieser Aufgabe nicht nur in allgemeinwirtschaftlicher Beziehung sondern auch für □as Gedeihen der einzelnen Unternehmung wieder im Wachsen. Daß zu ihrer Erfülung allerdings außer der technischen Qualität der Produkte und dem Preis organisatorische und finanzielle Leistungen erforderlich sind, die die Kräfte vieler Fabriken -n ihrem heutigen Stadium übersteigen und deshalb nur mit Hilfe größerer Verbände ollbracht werden können, sei hier nur erwähnt. 3. Kosten und Preise. Bei gegebenem Umsatz ist das Verhältnis von Kosten und Preisen für die Rentabilität entscheidend. Über die Gestaltung der Kosten der palästinensischen Industriebetriebe gibt es leider keine regelmäßigen Veröffentlichungen, die eine Beobachtung der Kostenentwicklung ^der einen Vergleich mit den Kosten ausländischer Industriezweige erlauben. Es dürfte ^uch bei der gegenwärtigen Unvollkommenheit der internen Organisation vieler Betriebe lur wenige Fabriken geben, die in der Lage wären, zuverlässiges Material für ihre Kostengestaltung zu liefern. Nur um ein ungefähres Bild vom Anteil der wichtigsten Kostenbestandteile in den verschiedenen Industriegruppen zu geben, das als Anhaltspunkt für die folgende Darstellung dienen soll, seien hier die auf Grund des Industriezensus (einschließlich Handwerk) der Jewish Agency für 1933 ermittelten Verhältniswerte angeführt: