Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 4 (April 1937)
- Article
- Industrieprobleme 1937
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 184 (sequence 9)
- Language
- German
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bieten, vor allem lange Kredite. Große Importeure haben sich in jahrelanger Verbindung mit bestimmten Lieferfirmen solche Vorteile gesichert, Zahlungsfristen, Geheimrabatte u. a., mit denen der palästinensische Fabrikant aus früher dargelegten Gründen gar nicht wetteifern kann. Daneben gibt es auch warentechnische Hindernisse für die völlige Eroberung des Marktes. In vielen Artikeln kann das Produktionsprogramm einer palästinensischen Fabrik nicht das volle Sortiment dieser Warengattung umfassen, teils weil Spezialmaschinen fehlen, teils weil die Quantitäten in weniger verlangten Sorten nicht die Herstellung lohnen. Der palästinensische Händler ist durch seinen bisherigen Verkehr mit großen Auslandslieferanten in bezug auf Auswahlmöglichkeit verwöhnt. Er will sein Sortiment nicht beschränken, er fürchtet vielleicht auch, dadurch hinter seinem Konkurrenten zurückzubleiben. So bestellt er weiter im Ausland, und meistens nicht nur die »fehlenden« Sorten, sondern aus Bequemlichkeit und um seine Aufträge nicht zu verzetteln, gleich seinen ganzen Bedarf. Nicht nur die ausländische, sondern auch die inländische Konkurrenz ist häufig ein schweres Hindernis, den erwarteten Mindestumsatz zu erreichen. Einige Neuproduktionen wurden von mehreren Seiten gleichzeitig begonnen, in einer ganzen Reihe von Wirtschaftszweigen ist heute eine starke Überbesetzung festzustellen. Der dadurch hervorgerufene inländische Konkurrenzkampf drückt auf die Preise und schmälert die Absatzmöglichkeiten. Gegen die Preissenkung könnte eine Kartellbildung helfen, wie sie auch häufig versucht, aber selten bisher lange durchgehalten wurde. Aber die Verteilung des Inlandsbedarfs auf zu viele Betriebe ist nicht wiedergutzumachen, ehe nicht entweder eine Reihe von ihnen wieder ausgeschieden oder die Konsumkraft des Landes im Laufe der Entwicklung entsprechend gewachsen ist. In diesem Zusammenhang darf schließlich der wirtschaftspolitische Antagonismus nicht übersehen werden, der heute zwischen der palästinensischen Industrie und einem Teil der Händlerschaft besteht. Der palästinensische Markt ist größtenteils ungeregelt, die Formen des Absatzes vom Fabrikanten an Großhändler und Kleinhändler ungeordnet. Der Großhändler, bisher als Importeur Beherrscher des Marktes, fühlt sich durch den inländischen Fabrikanten, der auch den Kleinhändler beliefert, ausgeschaltet, seiner Kundschaft beraubt. Das Produkt, im Inland hergestellt, hat in seinen Augen an wirtschaftlichem Interesse verloren. Diese Haltung des Großhandels verschlechtert die Absatzchancen des Fabrikanten. Sie versperrt jegliche Möglichkeit einer Marktregelung. Vom Großhändler im Stich gelassen, sucht sich der Fabrikant seinen Absatz beim Kleinhändler, beim Konsumenten, durch eigene Läden, wo immer er kann. Das Chaos der Verteilungswege, der Preise, der Wettbewerbsmethoden läßt keinen auf seine Rechnung kommen. Weil ein solcher Handel mit den Industrieprodukten Verluste und gleichzeitig Ursache und Folge der mangelnden Verständigung zwischen Industrie und Handel ist. entsteht eine passive Resistenz dem Produkt gegenüber. Und da es oft von der Förderung durch den Handel abhängt, ob sich der Konsum diesem oder jenem Erzeugnis zuwendet, so bedeuten auch diese Verhältnisse ein ernsthaftes Hindernis bei der Erreichung des erwarteten Umsatzes. Wir sagten zu Beginn dieses Abschnittes, daß es auf lange Sicht der palästinensischen Industrie gelingen wird, den heimischen Markt ganz für sich zu gewinnen, daß sie aber in ihren Anfängen auf eine Reihe von Hindernissen stößt. Sie müssen in jahrelanger zäher Arbeit überwunden werden, was von der Fabrik nicht nur Ausdauer, sondern auch organisatorisches und propagandistisches Geschick erfordert. Der Erfolg einer ganzen Reihe von Produkten zeigt, daß es möglich ist.