Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 4 (April 1937)
- Article
- Industrieprobleme 1937
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 181 (sequence 6)
- Language
- German
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Es wird zunächst durch hypothekarische Belastung der Fabrikbaulichkeiten gesucht. Ein eigentlicher Hypothekenmarkt existiert aber für Industrieobjekte nicht. Der private Geldgeber ist zur Gewährung von Hypotheken auf Fabrikgrundstücke nicht geneigt, da diese ihm nicht dieselbe Sicherheit und Verwertungsaussicht versprechen wie Miethäuser. Die führende Hypothekenbank des Landes hat Industriebeleihungen ebenfalls von ihrem Programm ausgeschlossen. Soweit deshalb Hypotheken auf Fabrikanlagen eingetragen sind, handelt es sich nicht um echte Hypothekarkredite, sondern um zusätzliche Sicherheitseintragungen für unter anderen Gesichtspunkten gegebene Darlehen. Dieses sind einerseits Gelder, die von den Fabrikinhabern, Aktionären oder Verwandten unter dem Titel von Anleihen in den Betrieb gesteckt wurden, der Sache nach aber eher dem Eigenkapital zuzurechnen sind, und anderseits mittelfristige Kredite von Banken. Langfristige Kredite — mit einer Kreditdauer von mehr als fünf Jahren — gibt es aus außerhalb der Firmen befindlichen Quellen für die Industrie nicht. Mittelfristige Kredite dagegen, mit einer Laufzeit von einem bis höchstens fünf Jahren, sind wenigstens in einem gewissen Umfange vorhanden. Für diese gibt es im wesentlichen drei Quellen: Die Palestine Economic Corporation, Inc. New York, hat in den Jahren 1926 bis 1935 einige hundert Industriekredite ausgegeben. Der Kredit war im Einzelfalle auf 500 £P begrenzt, dürfte aber im Durchschnitt noch wesentlich geringer gewesen sein. Die Kredite waren mit &% verzinslich und in zwei bis fünf Jahren durch monatliche oder vierteljährliche Rückzahlungen zu tilgen. Als Sicherheiten wurden Hypotheken und Maschinenverpfändungen genommen. Seit Mitte 1935 hat die P. E. C. keine neuen Kredite mehr gewährt. Die Palestine Corporation Ltd. (Economic Board for Palestine, London) beschränkt sich auf eine sehr kleine Zahl von Ausleihungen mit allerdings wesentlich höheren Durchschnittsbeträgen. Für diese Kredite kommen nur eine geringe Zahl größerer Industrieunternehmungen in Frage. Die Anglo-Palestine Bank hat seit 1934 durch ihre Industriekreditabteilung die Gewährung von mittelfristigen Krediten an die Industrie aufgenommen. Da die Palestine Economic Corporation neue Ausleihungen nicht mehr vornimmt und die Palestine Corporation sich auf den Verkehr mit den großen Industriefirmen beschränkt, ist für die große Zahl der mittleren und kleinen Industriebetriebe die Anglo-Palestine Bank faktisch die einzige Quelle für mittelfristige Kapitalien. Die Kredite der Anglo-Palestine Bank werden im allgemeinen auf drei Jahre gegen 6% Zinsen und monatliche Rückzahlungsraten gegeben, und als Sicherheit werden Hypotheken, Maschinenverpfändungen und persönliche Garantien verlangt. Es ist nach der Schilderung der Kapitalbedürfnisse der Industrie klar, daß diese mittelfristigen Kredite weder in ihrer Höhe noch in der Art ihrer Abwicklung den Ansprüchen der Industrie genügen können. Ein so kurz befristeter, laufend aus dem Betrieb wieder herauszuziehender Kredit dürfte eigentlich nur für Zwecke in Anspruch genommen werden, die eine Tilgung aus Profiten oder wenigstens aus ebenso kurzfristigen Umsätzen gestatten. Faktisch dient er meist für langfristige Bedürfnisse und reißt durch seine Rückzahlung die Kapitallücke wieder auf, die mit ihm gestopft werden sollte. Trotzdem wird er von der Industrie soviel wie möglich in Anspruch genommen, unterscheidet er sich als einziger mittelfristiger Kredit doch immer noch sehr vorteilhaft von allen anderen Finanzierungsmöglichkeiten. Nach ihm nämlich kommt nur noch das große Gebiet der kurzfristigen Geldbeschaffung. Es findet in kleinem Umfang in der Form des Lombardkredites statt, wie er vor