Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 4 (April 1937)
- Article
- Industrieprobleme 1937
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 180 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn zu Beginn ausreichendes Eigenkapital vorhanden war, so war man vor einem späteren Mangel nicht sicher. Das kann zwei verschiedene Ursachen haben: Einmal gibt es in fast jeder Fabrik eine Periode der Anfangsverluste, durch die sie sich erst hindurch arbeiten muß. Die Einrichtung einer neuen Fabrikation, das Ausprobieren der Maschinen und Materialien pflegt nicht reibungslos vor sich zu gehen. Störungen und Beschädigungen verursachen Zeit- und Geldverluste. Die Behebung von Sachschäden oder die Lieferung von Ersatzstücken ist bei der Entfernung Palästinas von den Maschinenlieferanten schwierig und kostspielig. Die Einarbeitung der Arbeitskräfte ist ein ähnlicher Verlustprozeß. Erst allmählich wird der Arbeiter mit der Maschine und der Technik ihrer Bedienung vertraut, erst allmählich spielt sich der Produktionsprozeß so ein, daß schließlich die Leistung einer eingearbeiteten Fabrik erreicht wird. Diese technischen Anfangsschwierigkeiten gehen Hand in Hand mit Kämpfen auf dem Absatzmarkt. Das Auftauchen einer neuen Fabrik bedeutet meist verschärften Wettbewerb der ausländischen und inländischen Konkurrenten, gedrückte Preise, vielleicht Verlustverkäufe, bis sich der Markt auf die neuen Verhältnisse eingespielt hat. Solche Anfangsverluste sind in ihrer Höhe schwer vorherzusehen. Sie sind in mehr oder weniger großem Maße überall vorgekommen und haben manchmal empfindliche Einbußen an Betriebskapital verursacht. Die zweite Möglichkeit, wie anfangs ausreichendes Betriebskapital sich später als ungenügend erweisen kann, entsteht gerade umgekehrt aus der erfolgreichen Entwicklung des Betriebes. Wachsende Umsätze, wie sie z. B. in der Lebensmittelindustrie in den letzten Jahren häufig waren, bewirken auch ständig wachsenden Kapitalbedarf. Eine Vergrößerung des Kapitals aus eigenen Profiten ist bei der Jugend der meisten Unternehmungen nicht möglich. Kann also von außen kein neues Eigenkapital herangezogen werden, so entwickelt sich ein ebensolcher Zustand „. der Unterkapitalisierung wie im Falle der Kapitalverluste. Welche Möglichkeiten der Zuführung von Eigenkapital bestehen heute für die palästinensischen Betriebe? — Im wesentlichen — und wenn wir von einigen wenigen großen Unternehmungen internationalen Formats absehen — nur die Aufnahme neuer Partner. Diese ist in den meisten Fällen an die Bedingung aktiver Mitarbeit geknüpft. Dieser Weg wurde in den letzten Jahren vielfach beschritten. Bestehende Unternehmungen suchten sich Mitarbeiter mit Kapitaleinlage, Kapitalisten suchten nach Betrieben, in denen nicht nur ihr Geld, sondern auch ihre Arbeitskraft verwendet werden konnte. Wir brauchen hier nicht davon zu sprechen, daß dieses Kriterium der Kapitalhergabe nicht gerade immer zu der Wahl der geeignetsten Mitarbeiter für die Betriebe führt. Auf alle Fälle sind dieser Methode Grenzen gesetzt, der Moment tritt ein, wo der kapitalsuchende Betrieb rationeller Weise keine neuen Direktorenplätze zu vergeben hat. Für stille Beteiligungen oder anonymes Kapital (Aktienemissionen) aber sind die Möglichkeiten sehr beschränkt. Nur Firmen, die bereits eine Reihe von Jahren mit Gewinn gearbeitet haben, könnten heute mit Aussicht auf Erfolg an den Kapitalmarkt herantreten, und so scheidet dieser Weg für die große Zahl der noch in ihren Anfängen steckenden Betriebe aus. In den letzten Jahren bot sich noch in dem aus Deutschland kommenden Transferkapital eine gewisse Möglichkeit, wenn palästinensische Industriefirmen in der Lage waren, deutsche Waren oder Maschinen in ihrem Betriebe zu verwenden. Bei der augenblicklich unter den Transferenten herrschenden »Vertrauenskrise« gegenüber dem Industrietransfer ist auch diese sehr beschränkt. So muß in vielen Fällen Leihkapital das fehlende und nicht zu gewinnende Eigenkapital ersetzen.