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Palästina · 1937-04-01 · Heft 4 (April 1937) · p. Seite 179

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 4 (April 1937)
Article
Industrieprobleme 1937
Date
1937-04-01
Page
Seite 179 (sequence 4)
Language
German
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berechnet werden, und unerwartete Verzögerungen liegen immer im Bereich der Möglichkeit. Um ungestört fabrizieren zu können, muß so disponiert werden, daß immer Materialmengen für eine Produktion von wenigstens drei bis vier Monaten bereit liegen. Während früher für solche Materiallieferungen von den ausländischen Lieferanten Kredite gewährt wurden, müssen heute in vielen Fällen die Waren bei Ankunft im Hafen oder sogar schon bei Versand bar bezahlt werden. Dazu kommen die Barausgaben für Zoll und Transport. Wenn man bedenkt, daß bei den Produkten der palästinensischen Industrie der Rohmaterialanteil durchschnittlich 40 bis 50% des Verkaufspreises ausmacht, so erkennt man, daß die Kapitalbeanspruchung durch solche Materiallager sehr beträchtlich ist. Diese Bindung des Kapitals setzt sich fort bei Fertigstellung und Vertrieb der Industrieprodukte. Der palästinensische Fabrikant erhält nur in Ausnahmefällen feste Aufträge zur Anfertigung für den Groß- und Kleinhandel. Im allgemeinen ist er gezwungen, auf Lager zu arbeiten. Das Fertigwarenlager, das er so zu unterhalten hat, muß gut sortiert und den plötzlichen Ansprüchen der Kundschaft angemessen sein. In Zeiten des Geschäftsrückganges wird es schnell zu groß, da der Produktionsprozeß meist nicht elastisch genug für das Auf und Ab der Nachfrage ist. Auf alle Fälle ist in diesem Fertigwarenlager wieder ein Teil des Betriebskapitals gebunden. Wird dann verkauft, so sieht sich der palästinensische Fabrikant, besonders soweit er an den Kleinhandel verkauft, Kreditansprüchen seiner Kundschaft gegenüber, die in sehr krassem Mißverhältnis zu seiner eigenen Kapitaldecke stehen. Diese Kreditansprüche ergeben sich einmal zwangsläufig aus dem Kapitalmangel vieler Einzelhandelsbetriebe, anderseits auch aus den Kreditmöglichkeiten, an die diese durch ihre bisherigen Einkaufsquellen gewöhnt sind. Ausländische Fertigwarenfabrikanten haben ihre palästinensischen Kuöden teilweise (z. B. in der Textilbranche) durch außerordentlich lange Kreditfristen verwöhnt, und wo sie es nicht taten, da fanden sich Grossisten und Händler, die diese Aufgabe übernahmen. So ergibt sich für den palästinensischen Fabrikanten eine sehr schwierige Situation. Sein Markt ist zu beschränkt, als daß er, wie es eine junge Fabrik in Europa täte, sich nur auf die Kunden beschränken könnte, die als schnelle Zahler bekannt sind. Für die Kunden, die er ablehnt, findet er keinen Ersatz. Er muß sich den Verhältnissen anpassen, und so bindet er wieder einen erheblichen Teil seiner Mittel in mehrmonatigen Krediten an seine Kunden. Wir wollen hier nicht auf die Fälle eingehen, wo die besondere Marktsituation palästinensische Fabrikanten zur Beteiligung an Handelsbetrieben und damit zu noch stärkerer Verzettelung ihrer Mittel gezwungen hat. Es genügt, daß wir gezeigt haben, daß auch bei Beschränkung auf das reine Fabrikationsprogramm die Ansprüche an die Kapitalausstattung einer palästinensischen Fabrik außerordentlich hohe sind. Für Investitionen in Gebäuden und Maschinen, für Rohmaterial- und Fertig Warenvorräte, und für Kundenkredite braucht er Mittel, welche die für den Betrieb einer europäischen Fabrik entsprechenden Umfanges erforderlichen Kapitalien erheblich übersteigen. Sind die palästinensischen Industriebetriebe diesen an sie gestellten Kapitalanforderungen gewachsen? Man muß diese Frage in vielen Fällen verneinen. Der Mangel an Eigenkapital und der Mangel an Finanzierungsmöglichkeiten durch Fremdkapital ist eines der akutesten Probleme vieler Unternehmungen. Das Eigenkapital ist sicherlich bei einer Reihe von Unternehmungen von vornherein zu knapp bemessen worden. Manchmal durch Unterschätzung der für palästinensische Verhältnisse erforderlichen Beträge, manchmal wohl auch, weil eben nicht mehr zur Verfügung stand und man doch ein Projekt nicht fallen lassen wollte. Aber auch

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