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Palästina · 1937-04-01 · Heft 4 (April 1937) · p. Seite 178

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Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 4 (April 1937)
Article
Industrieprobleme 1937
Date
1937-04-01
Page
Seite 178 (sequence 3)
Language
German
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den Erfahrungen der bestehenden Betriebe als einer ihrer Mitarbeiter bereits teilgenommen hat, braucht seinen Betrieb nur in den vorhandenen Organismus einzupassen. Anders in Palästina, wo der Unternehmer ein Neuling und seine Aufgabe die Eroberung von Neuland ist. Über seine Absatzmöglichkeiten gibt ihm eine wenig detaillierte Importstatistik ein nur sehr unvollkommenes Bild, für seine Kostenberechnungen ist er auf Analogien angewiesen, bis er seine eigenen Erfahrungen machen wird, die Preise kann er zwar für den Augenblick feststellen, bleibt aber für die Zukunft allen Schwankungen eines ungenügend geschützten Marktes ausgesetzt, und die Ungewißheit aller dieser Faktoren bewirkt, daß er auch in der Frage seines Kapitalbedarfs nur ungefähre Annahmen machen kann. Er täte gut, bei allen diesen Punkten einen möglichst hohen Satz für »Unvorhergesehenes« einzukalkulieren, — aber wie weit darf man solche »Risikoreserven«-Berechnung treiben, ohne die ganze Kalkulation sinnlos zu machen? Das kann ihn nur die spätere Erfahrung lehren, und die sieht so aus: 1* Kapitalbedarf und Finanzierungsmöglichkeiten. Der Kapitalbedarf einer Fabrik ist in Palästina höher als in Europa. Das gilt sowohl für das Anlagekapital wie für das Betriebskapital. Fast jede etwas größere Fabrik Palästinas hat auf eigenem Grundstück ein eigenes Fabrikgebäude errichtet. Der Mangel an mietbaren Fabrikräumen ist häufig beklagt worden, und es gibt Pläne, dem abzuhelfen. Bis heute ist aber sehr wenig in dieser Richtung vorhanden. So sind die Fabriken zur Errichtung eigener Gebäude gezwungen, was einen erheblichen Teil des Kapitals festlegt, zumal die Ansprüche der Gesundheitsbehörden an die Bauausstattung nicht gering sind. Es ist nicht möglich, für die Höhe der Kapitalinanspruchnahme durch Baulichkeiten allgemein geltende Angaben zu machen, aber eine Reihe von Einzelbeobachtungen zeigen, daß sie häufig ein Viertel bis ein Drittel des gesamten, in der Fabrik arbeitenden Kapitals ausmacht (auf das Eigenkapital berechnet in vielen Fällen entsprechend mehr). Da anderseits die Finanzierungsmöglichkeiten durch eigene Baulichkeiten, wie wir weiter unten sehen werden, nur sehr ungenügend sind, liegt es auf der Hand, daß diese Kapitalinanspruchnahme anstelle von laufenden Mietzahlungen für die meisten Betriebe eine schwere Vorbelastung bedeuten muß. Der Maschinenpark fordert häufig Kapitalinvestitionen, die man im Vergleich zu europäischen Betrieben als unverhältnismäßig hoch ansehen muß. Hilfsmaschinen, Ergänzungsanlagen (z. B. Färberei, Verzinkerei u. a.) müssen an die Hauptfabrik angegliedert werden, um das Produkt in gebrauchsfähigem Zustand auf der. Markt bringen zu können. Häufig liegt das Betriebsoptimum eines solchen Hilfsbetriebs bei einem ganz anderen Umsatz als das des Hauptbetriebes. In solchen Fällen würde in entwickelteren Industrieländern ein selbständiges Unternehmen dieser Art existieren das für eine Reihe von Fabriken arbeiten könnte, während in Palästina das Fehler; solcher selbständiger Betriebe für die Vor- oder Nachbearbeitung eines Produktes, zur Angliederung nur teilweise ausgenutzter Anlagen zwingt. Solche Fälle stellen dann, vor der Kalkulation des Hauptproduktes aus gesehen, eine übermäßige Inanspruchnahme det Investitionskapitals und eine relativ zu hohe Belastung mit Amortisationsraten dar. Es sind an sich unrentable Anlagen, die die Rentabilität des ganzen Betriebes belasten. Derartige Anlageteile größeren oder kleineren Umfanges, die zur Durchführung des Fabrikationsprogrammes selbst notwendig sind, bei dem gegebenen Produktionsquantum aber nur teilweise ausgenutzt werden können, finden sich in vielen Betrieben. Auch das Betriebskapital einer palästinensischen Fabrik wird stark beansprucht. Das beginnt bei der Bestellung der Rohmaterialien. Diese werden zum größten Teil aus dem Ausland bezogen. Anfertigungs- und Verschiffungsfristen müssen reichlich

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