Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 4 (April 1937)
- Article
- Industrieprobleme 1937
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 177 (sequence 2)
- Language
- German
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»großen Verluste« wie früher die »großen Geschäfte« —, beschließt, selber doppelt vorsichtig zu sein und lieber eine Anlage zu vermeiden, mit der andere schon schlechte Erfahrungen gemacht haben. So ist der private Kapitalmarkt der Industrie gegenüber heute sehr zurückhaltend geworden, und selbst der »Transfer-Kapitalist«, bei der Wahl zwischen seinen Möglichkeiten gewiß nicht verwöhnt, geht nur voll Mißtrauen an industrielle Beteiligungsvorschläge heran. Aus dem Publikum aber, das aus allgemeinwirtschaftlichen und palästinensischem Interesse die Vorgänge in der Industrie verfolgt und das ebenfalls nur über die eklatanten Einzelfälle, nicht aber über die kontinuierliche, stille Arbeit informiert ist, kann man immer wieder die Frage hören: Warum passiert das? Haben hier einzelne versagt, wurde eine richtige Aufgabe von Leuten in Angriff genommen, denen das Können oder das Geld oder beides dazu fehlte, oder war der ganze Plan falsch, wurde gutes Können und gutes Geld an eine unausführbare Idee verschwendet? Und, da eine solche Frage gern vom Einzelfall auf das ganze Gebiet übertragen wird: Hat die an sich gute Idee einer palästinensischen Industrie bisher nicht die geeigneten Wirtschafter gefunden, oder ist etwa »Industrie« überhaupt für Palästina keine geeignete Idee? Daß diese Alternative in ihrer verallgemeinerten Form falsch ist, braucht kaum betont zu werden, entspricht sie doch weniger den Tatsachen als dem psychologischen Bedürfnis der Fragenden, die heute ihren Zweifel ebensogern mit Tatsachen rechtfertigen möchten wie früher ihren Optimismus. Aber selbst in Einzelfällen, wo der Tatbestand eines wirtschaftlichen Mißerfolges zunächst feststeht, wird in den meisten Fällen keine der Alternativmöglichkeiten zu bejahen sein. Es mag Fälle unfähiger Geschäftsführung geben oder unausführbarer, für das Land vorläufig nicht geeigneter Projekte, aber es wäre falsch, gerade nur in einer dieser Möglichkeiten die Quelle zu sehen, aus der Schwierigkeiten in der Industrie entstehen können. Es genügt aber nicht, auf eine Frage nur negativ zu antworten, und da Kenntnis der Dinge immer die beste Voraussetzung für eine objektive und unexaltierte Beurteilung ist, soll im Folgenden versucht werden, in allgemeiner Form die gegenwärtigen Wirtschaftsprobleme und Schwierigkeiten der palästinensischen Industrie darzustellen. Wir hoffen, daß eine solche Darstellung, indem sie die Dinge ins rechte Licht rückt, geeignet ist, Optimismus und Pessimismus auf ihr richtiges Maß zurückzuführen und den Industrieaufbau in Palästina so zu zeigen, wie er ist, nämlich als einen schweren Weg zu einem lohnenden Ziel 3. II. Vier Faktoren müssen im richtigen Verhältnis zueinander stehen, um die Rentabilität eines Industriebetriebes zu gewährleisten: Kapital, Umsatz, Kosten und Preise. Das Kapital muß ausreichen, um den erforderlichen Mindestumsatz zu finanzieren, der Umsatz muß genügend groß sein, um den Kapitaleinsatz zu lohnen; wie groß er sein muß, hängt wieder vom Verhältnis der Kosten zu den erzielbaren Preisen ab. Der Unternehmer, der die Errichtung einer neuen Fabrik plant, pflegt über alle diese Fragen Vorberechnungen anzustellen. Das richtig zu machen, ist zweifellos in Palästina viel schwieriger als in europäischen Ländern. Dort fügt sich der neue Betrieb im allgemeinen in eine bestehende Wirtschaft ein. Preisniveau, Kosten der Produktion, Absatzmöglichkeiten und -formen sind durch das schon vorhandene Wirtschaftsgefüge ausprobiert und mehr oder weniger festgelegt, der neue Unternehmer, der meistens an 3 Diese Darstellung ist aus Beobachtungen der Praxis geschöpft. Trotzdem wählt sie eine allgemeine Form und wird absichtlich so wenig wie möglich mit Einzelbeispielen arbeiten, deren Besonderheiten nur die Beteiligten angehen.