Palästina
- Journal
- Palästina
- Volume
- 20 (1937)
- Issue
- Heft 4 (April 1937)
- Article
- Industrieprobleme 1937
- Date
- 1937-04-01
- Page
- Seite 176 (sequence 1)
- Language
- German
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176 Industrieprobleme 19371 Von Dr. Erwin Wittkowski, Tel Aviv. I. Die erstaunliche Aufwärtsentwicklung der jüdischen Industrie in Palästina in den letzten Jahren, die bis Ende 1935 zu einer Steigerung der Zahl der Betriebe auf das Doppelte, der dort Beschäftigten auf das Dreifache, des Produktionswertes auf das Dreieinhalbfache und des investierten Kapitals sogar auf das Vierfache des Standes von 1929 2 geführt hat, hatte manche Stimmen der Skepsis zum Schweigen gebracht, die früher nicht nur aus Kreisen privater Kapitalisten, sondern auch seitens mancher volkswirtschaftlicher und zionistischer Instanzen gegen die Aussichten industrieller Betätigung erhoben wurden, soweit es sich nicht um spezielle standortbegünstigte Produkte handle. Für den privaten Kapitalisten wurde die Investition in der Industrie, mochte sie auch in den Jahren des Aufschwungs sich nicht anderen, spekulativeren Anlagen an Verdienstchancen vergleichen lassen, zu einem aussichtsreichen und soliden Unterfangen, zu dem sich, wie die Tatsachen zeigen, viele industriell interessierte und erfahrene Unternehmer entschließen konnten. Für den allgemein am Kolonisationswerk interessierten Betrachter aber bestätigte sich darüber hinaus die Existenzberechtigung eines neuen Faktors im Aufbauwerk, von dem man nicht nur Absorption eines beträchtlichen Teiles von Arbeitskräften, sondern im weiteren Verlauf der Entwicklung eine volkswirtschaftliche Konsolidierung durch Ausgleich der Handelsbilanz, ja, bei Entwicklung exportfähiger Produktion, eine zusätzliche Steigerung der Aufnahmefähigkeit des Landes erwarten durfte. Der durch die Abessinien-Krise und die ihr 1936 folgenden Unruhen ausgelöste Konjunkturumschlag hat zu einer Verlangsamung der industriellen Weiterentwicklung geführt. Die Zahl der Neugründungen und die Höhe der neuinvestierten Kapitalien war wieder wesentlich kleiner als vorher. Daneben zeigten sich manche Rückschläge, einige Fabriken mußten schließen, andere ihren Betrieb zeitweise stillegen oder verkleinern. Der größte Teil der Betriebe setzte ihre Arbeit, wenn auch häufig unter Schwierigkeiten, fort. Diese Rückschlagserscheinungen waren nach den Ereignissen die das Land erlebt hatte, für den objektiven Beurteiler keine Überraschung. Sie konnten auch keine Erschütterung der Hoffnungen bedeuten, die auf lange Sicht in diesem Teil des Aufbauwerkes gesetzt werden können. Im ganzen genommen offenbarte die junge Industrie Palästinas eine für solche Zeiten erstaunliche Widerstandskraft. Und schließlich kann nirgends, und erst recht nicht in Palästina, der Stand der Bilanzen in den Anfangsjahren der Industrialisierung das Kriterium dessen sein, was gesund im Sinne von entwicklungsfähig und existenzberechtigt ist und was nicht. Vom privaten Kapitalisten und auch vom breiten Publikum kann man eine solche Beurteilung »auf lange Sicht« begreiflicherweise nicht immer erwarten. Der Kapitalist, der hier oder dort von Verlusten sprechen hört, — und besprochen werden immer nur die »großen« Fälle, heute die 1 Der Artikel erscheint in englischer und hebräischer Sprache in Palnews-Wirtschaftsjahrbuch, 1937. 2 Der von der Jewish Agency für die jüdische Industrie (ausschließlich Handwerk) veröffentlichte Zensus ergibt folgendes: Jahr Betriebe Beschäftigte Produktionswert Kapital 1929 .... 624 7.582 2,080.000 2,095.000 1935 .... 1345 24.130 7,451.000 8,265.000 Indexwerte (1929 100): 1935 .... 216 318 358 395