Mannheim
Compact Memory

Palästina · 1937-03-01 · Heft 3 (März 1937) · p. Seite 138

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 3 (März 1937)
Article
Die Königliche Kommission
Date
1937-03-01
Page
Seite 138 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2379786-2379953-2379957-2410513--24595-2410719
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

wurde, die das Gegenteil von Sympathie für den Zionismus und für die Juden empfinden. Nachdem Jabotinsky betont hatte, daß weder das Unterhaus noch das Oberhaus Begeisterung für die Schaffung eines Gesetzgebenden Rates in Palästina gezeigt hätten, kam er auf das Sicherheitsproblem zu sprechen. Die Juden hätten in Palästina Frauen und Kinder zu beschützen. Sie seien genötigt gewesen, eine Selbstverteidigung zu improvisieren. Warum habe man die jüdischen Regimenter aufgelöst? Warum soll in England der Eindruck entstehen, daß man Johnny und Tommy braucht, um die Juden zu verteidigen? Wenn für den Aufbau Palästinas Schweiß und Gold gegeben werden müssen, dann sollen es unser Schweiß und unser Gold sein. Und wenn Blut gegeben werden muß, dann laßt es unser Blut sein. Vierzehn Tage vor den Unruhen ist dem Hochkommissär in einem Telegramm mitgeteilt worden, daß Unruhen bevorstehen und die britischen Truppen nicht ausreichen. Eine Kopie dieses Telegramms ging an das Kolonialamt, das den Empfang bestätigte. Es wurde in Abrede gestellt, daß die militärischen Vorbeugungsmaßnahmen ungenügend seien. Damals, am 6. April, gab es in Palästina ein Bataillon. Ist dies nur Nachlässigkeit? Warum hat die britische Regierung es zugelassen, daß wir Juden in den Augen der Araber und der Bevölkerung hier in England so unverdient erniedrigt werden? Hätte man 5000 junge Juden im April mobilisiert, dann hätte man die Unruhen verhindern können. Ein Weg, hier Abhilfe zu schaffen, wäre es, die Schuldigen herauszufinden und sie zu bestrafen und auch eine Untersuchung über den Obersten Moslemischen Rat durchzuführen. Eine Unabhängige Kommission müßte das Ausmaß der Schuld untersuchen. Jabotinsky befaßte sich sodann mit dem Programm der Jewish Agency und äußerte die Ansicht, daß sie reformiert werden sollte. Es sollte ferner versucht werden, die gesamte jüdische Selbstwehr zu legalisieren, die heute bereits in der Stärke von 3000 Mann legalisiert sei. Die Juden könnten kein Zugeständnis machen. Es gäbe nur einen Weg für ein Kompromiß: man solle den Arabern die Wahrheit sagen. Der Araber sei vernünftig, klug und gerecht. Werde man den Arabern die Wahrheit sagen, dann werde bei ihnen eines Sinnesänderung eintreten. Es sei für ihn eine höchst unerfreuliche Pflicht, den Gedanken zu erwägen, was geschehen würde, wenn die Wünsche der Juden von Großbritannien nicht erfüllt wrerden könnten. Er hätte gewünscht, diese Frage nicht erwähnen zu müssen. Er beantwortete sie im Namen des extremen Flügels der zionistischen Bewegung: Wenn Großbritannien wirklich nicht in der Lage wäre, dies zu tun, dann solle es sein Mandat zurückgeben und dies in einer Weise tun, die die Sicherheit der Juden und die Aussichten des Zionismus für die Zukunft nicht gefährde. Er sei vollkommen davon überzeugt, daß es dazu nicht kommen werde, denn er glaube an Großbritannien. Die Vorschläge, die Jabotinsky machte, lassen sich folgendermaßen zusammenfassen: Er befürwortete die Einsetzung eines Kolonisationsregimes zwecks beschleunigter Verwirklichung des Mandatszieles. Unter diesem Regime seien folgende wesentliche Maßnahmen zu treffen: a) Eine Agrarreform; b) eine Reform des Zoll- und Finanzsystems; c) eine Reform der Zivilverwaltung; d) Öffnung Transjordaniens für jüdische Kolonisation; e) Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit durch Aufstellung einer eigenen jüdischen Militärabteilung innerhalb der britischen Streitkräfte in Palästina sowie von jüdischen Einheiten in der Landespolizei und von legalisierten Selbstwehreinheiten. Dieses Regime sollte gelten für die Verwirklichung eines Zehn jahrplanes zur Einwanderung von etwra anderthalb Millionen Juden, wodurch die jüdische Not in

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.