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Palästina · 1937-03-01 · Heft 3 (März 1937) · p. Seite 117

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Palästina
Volume
20 (1937)
Issue
Heft 3 (März 1937)
Article
Bodenwucher und Bodenspekulation
Date
1937-03-01
Page
Seite 117 (sequence 5)
Language
German
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auch Hypothekengelder verleihende Privatkreise darnach richten. Und so hätten die Hypothekenbanken in der Frage der Bodenpreise eine nicht unwichtige Rolle zu spielen. Eine Betrachtung der Rolle der Hypothekenbanken bei der Preisgestaltung zumindest von städtischen Böden kann an der Zinsfrage nicht vorübergehen. Die Überzeugung ist allgemein verbreitet, daß wir hier einen zu hohen Hypothekenzinssatz haben. Die Risikoprämie im Hypothekengeschäft in Palästina ist als so minimal einzusetzen, daß kein Grund vorliegt, hier andere Zinssätze zu nehmen als in Europa. Der Zusammenhang zwischen Hypothekenzinssatz und Bodenpreis ist klar: hohe Hypothekenzinssätze bedingen hohe Wohnungsmieten, und hohe Wohnungsmieten ermöglichen erst hohe Bodenpreise. Das Anlagekapital, das hierzulande eine wesentlich höhere Rente sucht, als sie in Europa zu finden ist, dürfte nicht zur Gesundung der allgemeinen wirtschaftlichen Lage beitragen und nicht im Sinne des Aufbau des Landes wirken. Es ist indessen mit Sicherheit anzunehmen, daß bei einer auch wesentlichen Ermäßigung des hiesigen Hypothekenzinssatzes von 7% nur unbedeutende Teile des hier befindlichen Kapitals ins Ausland fließen würden. Eine Ermäßigung des palästinensischen Hypothekenzinssatzes dürfte zu einer wesentlichen Beeinflussung des hiesigen Immobilienmarktes führen. Sehr bemerkenswert ist noch der Einfluß des Straßenbaus im W eichbilde der Stadt auf die Entwicklung der Bodenpreise. Selbstverständlich wird eine Parzelle an einer fertigen Asphaltstraße höher bewertet, als eine Parzelle ohne Straße. Es wäre aber lächerlich, nun etwa zu propagieren, keine Straßen zu bauen, damit die Bodenpreise nicht steigen. Im Gegenteil: nur mit einer weitvorausschauenden Straßenbaupolitik kann eine solche Menge von baureifen Wohnparzellen geschaffen werden, daß dadurch ein merkbarer Druck auf den allgemeinen Bodenpreis ausgeübt wird. Praktisch ist es in der städtischen Entwicklung doch so, daß — bei der heutigen Verkehrstechnik — unerschöpfliches Bodenmaterial vorhanden ist, wenn Zugangsstraßen vorhanden sind. Die Erkenntnis, daß jede neue Straße neues Wohngelände erschließt und Wohnparzellen auf den Markt bringt, und damit das natürlichste Mittel zur Bekämpfung von Bodenpreissteigerungen und Bodenwucher ist, — diese Erkenntnis ist nur in geringem Umfange bei den maßgebenden Stellen vorhanden. Von den kommerziellen und industriellen Zentren abgesehen, brauchte kein Boden einen Überpreis zu haben. Gesichtspunkte der Ästhetik würden fast allein ein Regulativ abgeben. Sehr ausführlich wäre noch über die Bedeutung zu sprechen, die beschränkende Bauvorschriften für die Gestaltung der Bodenpreise haben. Hierüber ist aber Endgültiges bereits in diesen Blättern gesagt worden3. Ich kann mich deshalb kurz fassen: Jede Bauvorschrift, die das Bauen von Mehrfamilienhäusern einschränkt, trägt zur Herabsetzung der Bodenpreise bei. Das Streben nach dem eigenen Häuschen auf eigenem Grund und Boden liegt in der Linie zionistischer Lebensauffassung und verdient alle Unterstützung. Der Verwirklichung dieses Strebens steht vielerorts der zu hohe Bodenpreis entgegen. Eine nachlässige Gesetzgebung hat es unterlassen, rechtzeitig einschränkende Bauvorschriften zu erlassen, die zumindest an der Peripherie das Einfamilienhaus vorschrieben. Ein Versäumnis ist nachzuholen . . . Die vorstehenden Betrachtungen sind eine lange Liste von Versäumnissen und Unterlassungen der Öffentlichkeit geworden, Versäumnisse und Unterlassungen, die die ein- 3 »Palästina« 1936/1: »Bauen und Planen«, von einem früheren Beamten deutscher Großstadtverwaltungen.

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